Grauer Star Augen-OP senkt Risiko für Oberschenkelhalsbruch

Sturz mit fatalen Folgen: Ein Fünftel aller älteren Menschen mit gebrochenem Oberschenkelhals stirbt im Jahr nach der Diagnose. Für manche von ihnen könnte die Lösung verblüffend einfach sein, wie eine aktuelle Studie zeigt. Eine Augen-OP bei Patienten mit grauem Star senkt das Risiko für einen Bruch.

Augenuntersuchung: Ältere Menschen profitieren von einem gesunden Sehsinn
Corbis

Augenuntersuchung: Ältere Menschen profitieren von einem gesunden Sehsinn


Bricht im Alter der Oberschenkelhals, bedeutet das für viele ältere Patienten das Ende des selbstbestimmten Alltags. Betroffen sind vor allem Frauen: Die Schenkelhalsfraktur nach einem Sturz ist eine der drei häufigsten Diagnosen, wegen der über 65-Jährige im Krankenhaus behandelt werden müssen. Bis zu einem Drittel der Patienten muss nach einem solchen Bruch gepflegt werden. Wer vorher noch für sich sorgen konnte, der ist nach dem Unfall häufig auf fremde Hilfe angewiesen.

Bekannt ist, dass die Augenkrankheit grauer Star - Mediziner nennen es die Katarakt - mit einem erhöhten Risiko für Knochenbrüche einhergeht. Der Zusammenhang klingt einleuchtend: Wer schlecht sieht, fällt auch eher hin und bricht sich leichter etwas. Tatsächlich profitieren auch die Knochen älterer Menschen davon, wenn die Katarakt behandelt wird. Wie groß der Effekt ist, zeigt jetzt eine Studie von Victoria Tseng und ihren Kollegen von der Brown University in Providence, im US-Bundesstaat Rhode Island. Bei Patienten über 65 Jahren, die an den Augen operiert wurden, ist das Risiko für eine Hüftfraktur niedriger als bei Katarakt-Patienten, deren Augen unbehandelt blieben, schreiben die Wissenschaftler im Medizinjournal "Jama".

Die Forscher analysierten die Daten von mehr als 1,1 Millionen Versicherten der öffentlichen US-Krankenversicherung Medicare für ältere Menschen, von denen mehr als 410.000 während der Studiendauer wegen einer Katarakt operiert worden waren. Insgesamt 1,3 Prozent aller in der Studie ausgewerteten Versicherten erlitten innerhalb des ersten Jahren einen Schenkelhalsbruch, das waren knapp 14.000 Patienten.

Eine klare Linse sorgt für mehr Sicherheit

Bei der Augenerkrankung, die im Volksmund grauer Star genannt wird, trübt die Linse im Auge ein, wodurch die Pupille grau schimmert. Die häufigste Behandlung ist eine Operation, bei der die getrübte Linse durch eine künstliche ersetzt wird.

Die Studienautoren stellten fest: Das Risiko der operierten Patienten, sich im Jahr nach dem Eingriff den Schenkelhals zu brechen, war um 16 Prozent niedriger als bei nicht operierten Patienten. Noch drastischer fiel der Vergleich aus, wenn die Forscher nur jene ältere Menschen betrachteten, die durch die Katarakt bereits unter schweren Sehbehinderungen litten. Bei ihnen sank das Risiko für einen Bruch nach der Operation um fast ein Viertel (23 Prozent).

Die am häufigsten mit einer Fraktur einhergehende Diagnose der Patienten war allerdings die Osteoporose. Sie gilt als größter Risikofaktor für einen Schenkelhalsbruch. Mehr als jeder zehnte Betroffene litt an Knochenschwund. Der graue Star war auch nicht die häufigste Augenkrankheit der Patienten mit Fraktur. Mehr Patienten litten stattdessen an einem Glaukom, das umgangssprachlich als grüner Star bezeichnet wird. Dieser ist allerdings nicht so einfach durch eine Operation zu behandeln wie die Katarakt.

dba

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insgesamt 18 Beiträge
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TS_Alien 31.07.2012
1. Und Fluglärm erzeugt AIDS
Das ist auch so ein typisches Ergebnis, das man erhalten kann, wenn man Daten auswertet bzw. nach irgendwelchen Korrelationen in Daten sucht. Dabei bedeuten Korrelationen oftmals gar nichts. Patienten, die operiert worden sind, schonen sich vielleicht einige Tage nach der OP. D.h. sie laufen nicht herum. Vielleicht fahren diese Patienten nach der OP wieder (öfters) Auto. D.h. sie laufen nicht herum. Es gibt sicherlich tausende Gründe, die dafür sorgen können, dass die Verletzungsgefahr nach der OP leicht gesunken ist. Vielleicht sterben die operierten Patienten auch früher. D.h. sie laufen nicht (mehr) herum. Wie sieht es fünf Jahre nach der OP aus? Wenn man etwas in Daten findet, das interessant sein könnte, dann sollte man als ordentlicher Forscher eine Hypothese aufstellen und diese überprüfen. Irgendeinen Fund in Daten zu veröffentlichen, das ist noch keine Forschung.
FunkR 01.08.2012
2. „Wer schlechter riecht, lässt das Essen schneller anbrennen.“
Grauer Star ist das steigernde Unvermögen zwei getrennte Punkte ab einer gewissen Entfernung noch getrennt wahrnehmen bzw. auflösen zu können. Die Haptik und Akustik ist davon unabhängig. Die Ursache für Linsentrübung liegt statistisch im Alter, die Folge ist verminderte optische Orientierung. Der Artikel (respektive die rezitierte Statistik) gibt keine Auskunft darüber, ob vollkommen blinde Personen auch unter erhöhtem Oberhalsschenkelhalsbruch leiden. Auch wenn eine sogenannte „öffentliche Krankenkasse“ in den USA diese Untersuchung durchgeführt hat, gibt es keine Quellenangaben in ihrem Artikel über die Studiendauer der Untersuchung. Ich für meinen Teil hinterfrage diesen Artikel scharf kritisch auf Wahrheitsgehalt.
ArnoNym 01.08.2012
3. Hier könnte Ihre Werbung stehen
---Zitat--- ...war um *16 Prozent* niedriger als bei nicht operierten Patienten. Noch *drastischer* fiel der Vergleich aus... ---Zitatende--- Wie bitte? 16% sollen drastisch sein? In Deutschland ist der Korrelationsgrad zwischen Geburten und Storchenpopulation relativ hoch. Trotzdem haben Störche mit der Geburtenrate nichts zu tun. Sorry, aber wenn Mediziner Statistik betreiben, kommt meistens nur Stuß raus. ---Zitat--- Die am häufigsten mit einer Fraktur einhergehende Diagnose der Patienten war allerdings die Osteoporose. ---Zitatende--- Der Laie staunt, und der Fachmann wundert sich. Daran hätte ich nie gedacht. ;-)
tsitsinotis 01.08.2012
4. Das ist ja ein Ding!
Wozu braucht man da Millionen Patientendaten? "Verblüffend"...
MikeNaeheHamburg 01.08.2012
5. Klingt logisch ...
... wenn man besser gucken kann, ist die Gefahr des Stolperns vermindert. Ergo: weniger Oberschenkelhalsbrüche ;-)
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