Chinesische Medizin: Greenpeace warnt vor Pestiziden auf Heilkräutern

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Wer Goji-Beeren oder Ginseng im Asiamarkt um die Ecke kauft, hat wahrscheinlich auch Pestizidrückstände im Einkaufskorb. Bei einem Test hat Greenpeace jetzt zahlreiche Pestizide auf Proben chinesischer Heilkräuter gefunden. Sicherer kauft man in der Apotheke ein.

Chinesische Heilkräuter: Achtung Pestizidcocktail! Fotos
Greenpeace

Hamburg - Goji-Beeren sollen das Abwehrsystem stärken, ein wenig Ginseng gegen Erschöpfung helfen. Und der Tee aus Rosenknospen befeuert das positive Denken. Auch in westlichen Ländern interessieren sich immer mehr Menschen für die heilende Wirkung traditioneller chinesischer Kräuter.

Ein Großteil der Pflanzen gelangt dabei direkt aus China ins Arzneischränkchen der europäischen und amerikanischen Verbraucher. Alleine 2011 ist das Exportvolumen um mehr als ein Drittel gestiegen - auf 2,33 Milliarden US-Dollar. Wer von der versprochenen Wirkung der Kräuter profitieren möchte, sollte beim Einkauf allerdings gut aufpassen: Geht er zum Asiamarkt statt in die Apotheke, läuft er Gefahr, mit den Kräutern einen Pestizid-Cocktail mit nach Hause zu nehmen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Für ihre Untersuchung hatten die Umweltaktivisten zwischen November 2012 und April 2013 in Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Großbritannien und den USA in einfachen Läden Proben sieben verschiedener Kräuter besorgt. Auf ihrer Einkaufsliste standen Chrysanthemen, Goji-Beeren, Geißblatt, getrocknete Lilienknollen, San-Qi-Wurzeln, chinesische Datteln und Rosenknospen. "Wir haben uns dabei auf chinesischen Heilkräuter konzentriert, die mit am häufigsten verwendet werden", erklärt Christiane Huxdorff, Expertin für nachhaltige Landwirtschaft bei Greenpeace, das Vorgehen.

26 verschiedene Pestizidreste auf einer Probe

Insgesamt sammelten die Aktivisten 36 Proben, die sie in einem unabhängigen Labor in China auf Pestizidrückstände untersuchen ließen. Sechs der Proben stammten aus Deutschland. Bei allen Proben bis auf eine Ausnahme - chinesische Datteln aus Deutschland - stießen die Prüfer auf Reste von Pflanzenschutzmitteln. Auf 32 der 36 Proben haftete ein Cocktail aus drei oder mehr Pestiziden. Am stärksten belastet war laut den Testern ein Geißblatt aus Deutschland mit gleich 26 verschiedenen Typen von Pflanzenschutzmitteln.

Auch die Pestizidmengen waren bedenklich: Für 29 der Proben existierten von der EU festgelegte Grenzwerte für Pestizidrückstände, bei 26 kam es zu Überschreitungen. Häufig lagen die Mengen gleich bei mehreren Pestiziden über der Grenze. Beim Geißblatt etwa überstiegen neun der 26 verschiedenen Pestizide den Grenzwert.

"Das ist verheerend", sagt Huxdorff. Man wisse schließlich nicht genau, was der Pestizidcocktail im Körper bewirke, wenn man ihn Tag für Tag zu sich nehme. Gerade deshalb aber sollte man die Pestizidmenge gering halten. Durch die relativ kleine Stichprobe bietet die Untersuchung zwar nur einen kleinen, nicht repräsentativen Einblick. Das einheitliche Ergebnis allerdings weist klar in eine Richtung. Bereits in der Vergangenheit hatten mehrere Tests Pestizidrückstände auf Chinesischen Kräutern gefunden. 2010 etwa bemängelte das chemische und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart die Menge an Pestiziden auf Gojibeeren.

"Pestizide sind bei chinesischen Kräutern ein extrem wichtiges Thema, an dem man grundsätzlich arbeiten muss", sagt auch Sven Schröder, der als Arzt das HanseMerkur Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf leitet und im internationalen Standardisierungsprozess ISO der Arbeitsgruppe "Qualität und Sicherheit Chinesischer Arzneimittel" vorsteht. Dies heiße allerdings nicht, dass man auf chinesische Heilkräuter verzichten müsse: In China werden Heilkräuter nach drei Qualitätskriterien erzeugt. Die beste Qualität, ohne gefährliche Pestizidrückstände, geht laut Schröder in den Export.

Vom spezialisierten Arzt beraten lassen

Um an kontrollierte, pestizidfreie chinesische Heilkräuter zu gelangen, rät der Experte zum Gang in die Apotheke. "Ich warne meine Patienten immer vor einem Einkauf im Asiamarkt oder im Internet, dort sind die Heilkräuter oft nicht ausreichend geprüft", sagt er. Die in der Apotheke verkauften Heilkräuter gelten als Arzneien, aus diesem Grund müssen sie in Europa noch einmal auf Pestizide getestet werden. "Die Apotheken dürfen sich nach gesetzlichen Bestimmungen nicht auf die chinesischen Labors verlassen", sagt Schröder.

Anders hingegen sei es, wenn etwa die Goji-Beeren als Lebensmittel eingeführt und übers Internet oder kleine Läden vertrieben werden. "Dann sind die Kontrollen wesentlich lascher", sagt Schröder. Als solche Kräuter stuft Schröder auch die bei der Greenpeace-Studie untersuchten Proben ein. "Da es sich um Arzneistoffe handelt, würde ich sowieso empfehlen, sich vor der Einnahme von einem speziell ausgebildeten Arzt beraten zu lassen", sagt er. Der wiederum arbeite meist auch mit bestimmten Apotheken zusammen und wisse, wo die Produkte herkämen.

"Wir sagen nicht, dass man die Kräuter nicht mehr verwenden soll", beschreibt auch Huxdorff die Ziele ihrer Studie. "Aber wir wollen, dass sich die Verbraucher dafür stark machen, dass sich die Kontrollen verbessern. Vor allem aber kämpfen wir dafür, dass sich die Bedingungen und das Bewusstsein vor Ort in China verbessern - und die Produkte, die importiert werden, generell sauber sind."

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Man kann nur warnen ...
.freedom. 01.07.2013
. vor einigen Produkten aus China. Selbst erlebt: Lesebrille (Made in China) gekauft. Gedanklich etwas auf dem Bügel rumgekaut. Fazit: Entzündung und Verlust zweier Schneidezähne. Darauf hin haben wir bei uns alles durchgesehen und viel Spielzeug aus China gefunden und sofort entsorgt. Sehr viele Teddy`s und Puppen kommen aus China. Das neues Netzteil für den PC hat schon beim auspacken nach Chemie gerochen. Folge: starke Kopfschmerzen und Übelkeit.
2. Pestizide auch bei uns
Cornelia 01.07.2013
Und was ist mit den Pestizidrückständen auf unserem Gemüse? Spanien ist Spitzenreiter und Niederlande. Hier will einer den anderen schlecht machen.
3. austauschen mit europäischen Droge ( pflanzlichen Arzneien )
seebarschtian 01.07.2013
glücklicherweise gibt es hier in Europa ausreichend pflanzliche Arzneien welche die Wirkungen der chinesischen Drogen ersetzen können. Darüber gibt es einiges an Literatur.
4.
Andreas Gonzales 01.07.2013
Ich kaufe seit Jahren nichts mehr aus China, schon gar keine Lebensmittel. Sogar das Spielzeug für Säuglinge strotzt nur so vor Gift, Kindergummistiefel gasen gefährliche Stoffe aus, die die Atemluft kontaminieren. Wer Gewürze aus China schluckt, muss schon reichlich dumm sein.
5.
aicer2 01.07.2013
Wen wundert das. Ist doch typisch.
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Zur Autorin
  • Jeannette Corbeau
    Irene Berres, studierte Wissenschaftsjournalistin, hat sich auf Themen rund um den Körper spezialisiert. Sie ist Redakteurin im Ressort Gesundheit bei SPIEGEL ONLINE.

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