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21. Februar 2018, 12:11 Uhr

Influenza

EU-Kommissar fordert zur Grippeimpfung auf

Aufgrund der anhaltenden Grippewelle rät der EU-Gesundheitskommissar zur Impfung: Zwar ist der Schutz erst nach rund 14 Tagen aufgebaut, aber die Influenzasaison werde dann noch andauern.

Wegen der europaweiten Grippewelle mahnt die EU-Kommission eine höhere Impfbereitschaft an. "Ich appelliere an alle Bürger in der Europäischen Union, sich selbst und ihre Kinder impfen zu lassen", sagte der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis der Zeitung "Die Welt". "Damit schützt man nicht nur die eigene Person, sondern auch die Mitbürger."

Der jetzige Aufruf zum Impfen kommt zwar recht spät. Nach der Immunisierung dauert es in der Regel 10 bis 14 Tage, bis ein vollständiger Impfschutz aufgebaut ist. Für einen rechtzeitigen Schutz empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) daher grundsätzlich, sich bereits im Oktober oder November impfen zu lassen. Da aber unklar ist, wie die Infektionsraten in den nächsten Wochen verlaufen - in einigen Jahren gab es innerhalb einer Saison zum Beispiel nach einer Influenza-A-Welle noch eine zweite Influenza-B-Welle -, kann eine Impfung noch sinnvoll sein.

Viele EU-Staaten würden über überdurchschnittlich viele Krankenhausaufenthalte infolge von Grippeerkrankungen berichten, sagte Andriukaitis. Der Kommissar verwies mit Bezug auf die EU-Agentur für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) darauf hin, dass jedes Jahr 40.000 Menschen in der EU, Liechtenstein, Island und Norwegen an Komplikationen sterben würden, die mit einer Grippe-Erkrankung in Verbindung stehen.

102 gemeldete Todesfälle in Deutschland

Auch in Deutschland steigt die Zahl der Infektionen weiter deutlich an: Seit dem Beginn der Grippesaison wurden bislang knapp 60.000 im Labor bestätigte Influenzafälle an das RKI übermittelt. Dem Institut wurden dem aktuellen Wochenbericht zufolge zudem 102 Todesfälle mit Influenzainfektion gemeldet. Im Schnitt waren vier von fünf der Verstorbenen 60 Jahre und älter.

In der Woche vom 3. bis 9. Februar 2018 wurden der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI) fast 18.000 neue Fälle gemeldet, zwei Wochen zuvor waren es nur knapp 9000 neue Fälle.

Animierte Karte: Influenza-Saison 2017/2018

Ebenso wie das EU-Gesundheitsministerium empfiehlt auch die AGI vom RKI weiterhin, dass sich Menschen gegen die Grippe impfen lassen, bei denen die Ständige Impfkommission dies explizit empfiehlt. Das sind unter anderem alle ab 60-Jährigen, viele chronisch Kranke sowie Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel).

Wenn jetzt noch eine Impfung, dann Vierfachimpfstoff

Des Weiteren wird die Impfung Menschen nahegelegt, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken, medizinisches Personal zum Beispiel. Bei gesunden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen unter 60 wird die Impfung dagegen nicht explizit empfohlen.

Die Impfung bietet zwar keinen hundertprozentigen Schutz, kann aber das Krankheitsrisiko erheblich senken. Dabei ist auch die Wahl des Impfstoffs entscheidend: In drei Viertel der in Deutschland diagnostizierten Fälle waren bestimmte Influenza-B-Viren die Auslöser. Der in Deutschland am häufigsten verwendete Dreifachimpfstoff ist gegen diese kaum wirksam. Ein ebenfalls erhältlicher Vierfachimpfstoff wiederum hat laut AGI jedoch eine gute Schutzwirkung.

Wer sich noch impfen lassen will, sollte diese Variante vorziehen, empfiehlt die Ständige Impfkommission. Ob die Kassen die Kosten dafür übernehmen, ist momentan noch nicht geklärt. Zu einer Nachimpfung mit einem Vierfachimpfstoff für gesunde Personen, die bereits mit dem Dreifach-Serum immunisiert wurden, rät das RKI hingegen nicht.

hei/Reuters/dpa

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