Influenza Grippeimpfstoff wird in Teilen Deutschlands knapp

Wer wegen einer Grippeimpfung zum Arzt geht, bekommt in einigen Regionen eine Absage: Dort gibt es keinen Impfstoff mehr. Nun soll Nachschub aus dem Ausland kommen.

Grippeimpfung
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Einigen Regionen Deutschlands geht der Grippeimpfstoff aus: "Bei allen Lieferanten ist momentan nichts zu holen", sagte Stefan Fink vom Thüringer Apothekerverband. Auch aus anderen Bundesländern wie dem Saarland, Sachsen, Niedersachsen und Hessen werden Lieferverzögerungen oder Engpässe gemeldet.

"Die Patienten haben in diesem Jahr möglicherweise viel früher angefangen, sich impfen zu lassen", sagte Susanne Stöcker, Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). "Ob sich auch insgesamt mehr Menschen impfen lassen oder die Impfungen nur früher stattfinden, können wir noch nicht wissen." Sie hält die große Grippewelle in der vergangenen Saison für einen möglichen Auslöser für das aktuelle Interesse. Dadurch seien vermutlich mehr Menschen für das Thema sensibilisiert.

Andere Experten vermuten als Grund für die offenbar höhere Nachfrage den - für Risikogruppen - als Kassenleistung verfügbaren Vierfachimpfstoff. Er gilt als wirksamer als derjenige mit drei Komponenten.

Das Gesundheitsministerium nennt als mögliche Ursachen für den Mangel neben einer höheren Nachfrage eine verspätete Bestellung von Grippeimpfstoffen durch Ärzte und Apotheker, zu große Vorräte in manchen Arztpraxen und Apotheken sowie Direktverträge zwischen Krankenkassen und Apothekern.

Gelockerte Vorschriften für Beschaffung

Angesichts der regionalen Engpässe lockerte Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschriften für die Beschaffung. Demnach können die Bundesländer bei regionalem Bedarf erlauben, dass sich Apotheken und Arztpraxen untereinander mit Grippeimpfstoff versorgen und dass aus anderen Ländern der Europäischen Union bezogene Impfstoffe in den Apotheken abgegeben werden.

"Klar muss sein: Jeder, der will, muss sich gegen Grippe impfen lassen können", sagte Spahn dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Insgesamt sind laut Ministerium in Deutschland 15,7 Millionen Dosen verfügbar. Das seien rund eine Million mehr als im vergangenen Jahr genutzt wurden.

Die Pharmakonzerne können für diese Saison keinen Grippeimpfstoff mehr herstellen. Es dauere etwa sechs Monate, um einen üblichen Impfstoff auf Hühnereibasis zu produzieren, sagte eine Sprecherin des Herstellers Sanofi. "Zur Zahl der Vorbestellungen packen wir eine gewisse Sicherheitsmarge drauf, aber wir können nicht für 80 Millionen Menschen produzieren." Die Bestellungen kämen meist von Großhändlern und Apothekern. Die Wege zur Bestellung von Impfstoffen sind in den Bundesländern unterschiedlich.

Das Robert Koch-Institut rät insbesondere Menschen über 60, Schwangeren, chronisch Kranken, medizinischem Personal und Bewohnern von Alten- oder Pflegeheimen zu einer Grippeimpfung. Der beste Zeitpunkt für eine Impfung ist im Oktober oder November - sie ist aber auch zu einem späteren Zeitpunkt möglich, es dauert dann 10 bis 14 Tage, bis sich die Schutzwirkung aufgebaut hat.

Zwischen Dezember 2017 und April 2018 mussten etwa 60.000 Grippepatienten im Krankenhaus behandelt werden. Es starben nachweislich 1665 Patienten an den Folgen der Infektion. Die meisten Betroffenen waren mindestens 60 Jahre alt (87 Prozent), viele litten unter Vorerkrankungen.

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cop/dpa



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