Deutschland Fast tausend registrierte Todesfälle durch Grippe

Die Grippe grassiert in diesem Winter besonders heftig. Mindestens 971 Menschen sind bereits an der Infektion gestorben. Immerhin ist der Höhepunkt der Influenzawelle überschritten.

Elektronenmikroskop-Aufnahme von Grippeviren
BSIP/UIG via Getty Images

Elektronenmikroskop-Aufnahme von Grippeviren


In Deutschland haben sich in diesem Winter deutlich mehr Menschen mit Grippe infiziert als in den Vorjahren. Insgesamt erkrankten in diesem Winter mindestens 300.000 Menschen. Die tatsächliche Zahl der Betroffenen liegt noch deutlich höher, da bei Weitem nicht in jedem Fall auf Grippe getestet wird.

Bisher sind in dieser Saison nachweislich 971 Patienten durch Influenzaviren gestorben, 86 Prozent der Todesopfer waren mindestens 60 Jahre alt, viele litten an Vorerkrankungen. Auch die Todesfallzahlen können in Wirklichkeit deutlich höher liegen, weil sich Grippeerreger nicht bei allen Gestorbenen feststellen lassen. So sind beispielsweise von Bakterien verursachte Lungenentzündungen eine Komplikation der Grippe. Stirbt jemand infolge der Lungenentzündung, sind die Grippeviren meist nicht mehr nachzuweisen.

Deutschland zählt bei der Grippe neben Dänemark und Finnland in dieser Saison zu den am stärksten betroffenen europäischen Ländern. Nur in Luxemburg waren die Werte noch höher.

In einigen Regionen Deutschlands legte die Grippe Krankenhäuser und Ämter lahm. Geplante Operationen mussten teilweise verschoben werden, weil Ärzte fehlten, die Krankenhäuser überfüllt waren oder die Ansteckungsgefahr zu hoch war. In einigen Regionen durften Sanitäter nur noch mit Mundschutz behandeln. Im Februar gab es den höchsten Krankenstand seit zehn Jahren.

Mittlerweile hat die Grippewelle ihren Höhepunkt überschritten. In der vergangenen Woche registrierte das Robert Koch-Institut zwar noch mehr als 25.200 neue Influenzafälle. Das waren jedoch nur noch rund halb so viele wie zwei Wochen zuvor. Am stärksten betroffen ist zurzeit der Osten Deutschlands. In allen anderen Regionen gingen die Ansteckungszahlen inzwischen zurück.

70 Prozent der Erkrankungen haben in diesem Winter Influenza-B-Viren der Yamagata-Linie ausgelöst - eine Virusvariante, vor der der gängige Dreifachimpfstoff nicht direkt schützt. Das kann laut Experten ein Grund sein, warum sich in diesem Winter besonders viele Menschen mit Grippe infiziert haben. Fachleute rieten daher nach dem Ausbruch der Grippewelle zum Vierfachimpfstoff. Dieser wird allerdings nicht von allen gesetzlichen Krankenkassen erstattet.

Das wird sich voraussichtlich zur nächsten Grippesaison ändern, dann soll nicht mehr der Dreifach-, sondern der Vierfachimpfstoff als Standard empfohlen und erstattet werden. Die Entscheidung dazu trifft der zuständige Gemeinsame Bundesausschuss G-BA im April.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
    Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
  • Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Welche Grippeviren hauptsächlich zirkulieren und Krankheiten auslösen, ändert sich teilweise von Jahr zu Jahr. Zudem verändern sich die Erreger durch Mutationen kontinuierlich. Der Impfstoff wird jedoch bereits vor Ausbruch der Grippewelle entwickelt. Deshalb kann es dazu kommen, dass eine Impfung nicht optimal vor den grassierenden Viren schützt - wie in diesem Winter.

Die Ständige Impfkommission empfiehlt dennoch vor allem älteren Menschen, chronisch Kranken und Schwangeren sich jedes Jahr gegen Grippe impfen zu lassen. Für diese Saison ist eine Impfung jedoch nicht mehr ratsam, da die Grippewelle bereits abebbt.

koe/dpa

insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
testuser2 29.03.2018
1. 2 Klassen-Medizin beim Grippeschutz
2 Klassen-Medizin beim Grippeschutz: Nicht nur die Terminvergabe unterscheidet Privat- von gesetzlicher Kassenversorgung, sonder auch die Qualität der medizinischen Versorgung ist unterschiedlich. Der unterschiedliche Grippeimpfstoff ist ein Beispiel. Nicht-Privat-Patienten wurden in der Regel von den Hausärzten gar nicht darüber informiert, dass es einen besseren 4-Fach-Impfstoff gibt (der aber wohl auch nicht in ausreichender Menge für den Normalbürger vorhanden war). Ein anderes Beispiel sind MRT-Geräte: Radiologische Einrichtungen mit unterschiedlichen Geräten, behalten hochauflösende Geräte mit stärkeren Magnetfeldern (3 statt 1,5 Tesla) oft für Privatpatienten vor. "Kassenpatienten" bekommen Aufnahmen durch ältere 1,5 T-Geräte, die weniger Details enthalten. Ob es sinnvoll ist so viele teure hochauflösende MRT-Aufnahmen zu machen, ist eine andere Frage. Die hat mit der 2-Klassenmedizin nichts zu tun..
aliof 29.03.2018
2. nicht nur für Krimi-Seher rätselhaft
Im Influenza-Wochenbericht des RKI, KW 12 (Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG)) lese ich, daß 87 % der an das RKI übermittelten Todesfälle 60 Jahre oder älter waren. Weiter steht in dem Abschnitt, daß nur bei einem geringen Prozentsatz von Menschen mit „akuter Atemwegserkrankung“ eine klinisch-labordiagnostische Untersuchung stattfand. Rechnerisch sind also im letzten knapp halben Jahr in Deutschland 845 „betagte“ Menschen verstorben, die gleichzeitig Grippe hatten. Ein Blick auf die ganz gewöhnliche „Sterberate“ zeigt (mir) aber, daß diese bereits für 60-jährige in D bei 1% liegt (für 80-jährige bei 10%, und für 100-jährige bei 100%). Grob geschätzt, hatten wir demnach in der Altersgruppe der über 60-jährigen im Beobachtungszeitraum (24 Wochen) in D mindestens 300.000 Verstorbene zu beklagen, für alle Deutschen mindestens 400.000. Aber wie ein einen Todesschein ausstellender Arzt ohne Obduktion (Leichenschau) dann als Todesursache „die Grippe“ angeben kann, wird an keiner Stelle (Artikel bis RKI) erläutert, und bleibt mir schleierhaft. – Als mitdenkendem, nicht nur Krimi-Seher.
hansa_vor 30.03.2018
3.
Zitat von testuser22 Klassen-Medizin beim Grippeschutz: Nicht nur die Terminvergabe unterscheidet Privat- von gesetzlicher Kassenversorgung, sonder auch die Qualität der medizinischen Versorgung ist unterschiedlich. Der unterschiedliche Grippeimpfstoff ist ein Beispiel. Nicht-Privat-Patienten wurden in der Regel von den Hausärzten gar nicht darüber informiert, dass es einen besseren 4-Fach-Impfstoff gibt (der aber wohl auch nicht in ausreichender Menge für den Normalbürger vorhanden war). Ein anderes Beispiel sind MRT-Geräte: Radiologische Einrichtungen mit unterschiedlichen Geräten, behalten hochauflösende Geräte mit stärkeren Magnetfeldern (3 statt 1,5 Tesla) oft für Privatpatienten vor. "Kassenpatienten" bekommen Aufnahmen durch ältere 1,5 T-Geräte, die weniger Details enthalten. Ob es sinnvoll ist so viele teure hochauflösende MRT-Aufnahmen zu machen, ist eine andere Frage. Die hat mit der 2-Klassenmedizin nichts zu tun..
Schließen sie halt eine Zusatzversicherung ab, wo ist das Problem? Frau und 5 Kinder kostenlos mitversichert haben und dann meckern wenn Mehrzahler auch mehr Leistung erhalten? Es verbietet ihnen doch niemand diese Impfung zu wollen und halt selber zu zahlen, geht ganz ohne Moralkeule, einfach zahlen und gut ist.
eo no 31.03.2018
4. Wer registriert denn was?
Weder Grippe noch Lungenentzündungen sind in D meldepflichtige Erkrankungen. Es wird ja noch nicht einmal nach klassischen Kriterien untersucht, nach gefragt. Raucht Jemand ist sowieso alles klar. Da muss weder der Husten > Rippenprellung oder doch Entzündung? noch der Schnupfen der längst eine Sinusitis war überhaupt behandelt werden - z.B. mit Otriven-Millicorten. 39,9 Fieber Anfang März, Hämatom unterhalb der Brust, so starke Schmerzen, dass ich mich nicht alleine aufrichten konnte und am Liebsten direkt ins Krankenhaus gegangen wäre - stattdessen Ibuprofen und ein Aerosol. (Ich habe weder Rheuma noch Asthma.) Bronchicum oder ein Codeinpräparat wäre mir lieber gewesen. - Nach eineinhalb Wochen doch wieder hin - nun Blutentnahme - die Senkung, erhöhte Leukos. Dann doch zum Röntgen. Nun soll es eine "beginnenden Lungenentzündung" sein 29.3. Gründonnerstag - sofort wieder hin zur Ärztin die dringende Empfehlung. Nun ein Rezept Penicillin - Amoxicillin AL 1000. Kenne ich nicht. Ein Breitband- antibiotikum wäre mir lieber gewesen. Und was soll das denn heissen, 2. Absatz im Artikel oben: "Auch die Todesfallzahlen können in Wirklichkeit deutlich höher liegen.... So sind beispielsweise von Bakterien verursachte Lungenentzündungen eine Komplikation der Grippe.Stirbt jemand infolge der Lungenentzündung, lassen sich die Grippeviren meist nicht mehr nachweisen!" Wer sollte das denn untersuchen? Vielleicht im Krankenhaus - auf Antrag der Angehörigen. Waren ältere Menschen längere Zeit zu Hause krank, kommt (meist) nicht einmal ein Arzt für den Totenschein.
robb30 02.04.2018
5. @eo no
Selbstverständlich ist die Grippe (ausgelöst durch das Influenza-Virus) meldepflichtig. Als Quellen kann ich nennen: das RKI und das Gesundheitsamt. Durch diese verpflichtende Meldung kann natürlich eine entsprechende Zählung durchgeführt werden. Ich möchte sehr gerne motivieren, vor einem Post den eigenen Wissensstand zu validieren. Das geht meist ganz schnell und verhindert, dass falsche Informationen in Umlauf kommen. Wer die Zeit hat hier zu posten, hat auf jeden Fall die Zeit, vorher kurz zu recherchieren. Nur ein kleiner Tipp am Rande. :)
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