Influenza Kassen zahlen künftig Vierfachimpfstoff gegen Grippe

In dieser Saison war der Dreifachimpfstoff gegen die Grippe nicht optimal. Es kursierte vor allem ein Virusstamm, der nur im Vierfachimpfstoff enthalten war. Künftig übernehmen die Kassen die teurere Impfung.

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Die Grippeschutzimpfung wird in Deutschland ab der kommenden Saison mit einem Vierfachimpfstoff erfolgen. Das entschied der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen am Donnerstag in Berlin. Die Entscheidung ist für alle gesetzlichen Krankenkassen bindend. Bislang gab es keine verbindliche Regelung, ob sie einen Dreifach- oder einen Vierfachwirkstoff gegen die saisonale Grippe bezahlen. Der Dreifachimpfstoff enthält Bestandteile von drei verschiedenen Virusstämmen, die Vierfach-Variante von vier.

In Kraft treten kann der Beschluss des G-BA allerdings erst nach Nichtbeanstandung durch das Bundesministerium für Gesundheit in zwei Monaten, wie das Gremium auf Anfrage mitteilte.

Der G-BA folgte einer Empfehlung, die die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) im Januar veröffentlicht hatte. Die Experten hatten die Wirksamkeit von Drei- und Vierfachimpfungen analysiert und waren zu dem Schluss gekommen, dass Letztere bis zu 388.000 Arztbesuche und bis zu 1800 Krankenhauseinweisungen während einer Grippesaison verhindern könnte.

Schutzimpfungen gegen die saisonale Grippe gehören seit 2007 zum verpflichtenden Leistungskatalog gesetzlicher Kassen. Sie werden für alle Gruppen übernommen, denen die Stiko die Impfung explizit empfiehlt.

Das sind unter anderem alle ab 60-Jährigen, viele chronisch Kranke und Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel). Des Weiteren wird auch Menschen zur Impfung geraten, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken oder beruflich mit sehr vielen Menschen in Kontakt kommen - dazu zählen medizinisches Personal, Lehrer, Erzieher und Altenpfleger.

Wer nicht zu diesen Risikogruppen zählt, bekommt die Impfung nicht unbedingt erstattet - manche Kassen übernehmen die Kosten aber für alle Versicherten.

Die Weichenstellungen für die Grippeschutzimpfungen erfolgen stets mit großem Vorlauf zur kommenden Saison. Das liegt daran, dass die Hersteller Zeit für die Produktion der Dosen brauchen. Deren Zusammensetzung wird jedes Jahr von der Weltgesundheitsorganisation international neu festgelegt, je nachdem, welche Virusstämme vor allem zirkulieren.

Besonders starke Grippewelle

Die Grippewelle war in diesem Winter in Deutschland besonders heftig, noch ist sie nicht ganz überstanden. Bis zum 30. März waren dem RKI knapp 314.000 Fälle gemeldet worden, 1095 Menschen starben bis jetzt an den Folgen der Infektion. Knapp 70 Prozent der Erkrankungen wurden von Influenza-B-Viren der sogenannten Yamagata-Linie verursacht. Bestandteile dieses Virusstammes waren im Vierfachimpfstoff enthalten, aber nicht in der Dreifach-Variante.

Wer sich in dieser Saison auf eigene Kosten mit dem Vierfachimpfstoff hat impfen lassen, kann das Geld übrigens nicht auf Basis der G-BA-Entscheidung von der Kasse zurückfordern. "Richtlinienentscheidungen des G-BA können grundsätzlich nicht rückwirkend in Kraft treten", teilt der Ausschuss mit.

wbr/AFP



insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
jujo 05.04.2018
1. ...
Da haben die Kaufleute kalkuliert und herausbekommen, das die Behandlungskosten der erkrankten unterm Strich höher waren als es die Impfkosten gewesen wären. Das zukünftige Impfen geschieht nicht aus Fürsorge für die Menschen.
freigeist99 05.04.2018
2. Typisch
Tolle Argumentation: Es werden Arztbesuche etc. eingespart. Die Gesundheit, ja sogar der Tod von Menschen ist offenbar kein Argument!
forumgehts? 05.04.2018
3. Wenn
der Impfstoff gegen die falschen Virenstämme entwickelt wurden, dann nützt auch ein Zehnfach-Impfstoff nichts.
weitergedacht2.0 05.04.2018
4. Gerade noch rechtzeitig verpasst
Gut gemacht GBA, gut gemacht deutsche Gesundheitspolitik. Die Entscheidung kommt gerade rechtzeitig zum Ende der diesjährigen Grippesaison und ist für hunderte Patienten nun unrelevant. Wahrscheinlich kann man davon ausgehen, dass diese Verzögerung sogar Menschenleben in Deutschland gekostet hat. Es ist schon enttäuschend, wenn ein Gesundheitssystem aufgrund träger und realitätsferner Bürokratie wie in Deutschland, nicht auf aktuelle Entwicklungen von Epidemien adäquat reagieren kann. SCHADE...
ventoux72 05.04.2018
5. Aha, jetzt wissen wir Bescheid
Die Kassen werden das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Vierfachimpfung einfach knüppelhart durchkalkuliert haben, nicht mehr und nicht weniger. Und diesen Winter ist dieses Verhältnis extrem günstig ausgefallen. Aber hoppla: "Es kursierte vor allem ein Virusstamm, der nur im Vierfachimpfstoff enthalten war." Also doch besser keine Impfung, vor allem keine Vierfachimpfung!
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