Saisonbilanz Ungewöhnlich schwere Grippewelle - mehr als 1600 Tote

Die Grippewelle war im vergangenen Winter noch heftiger als im Jahr zuvor. Rund 60.000 Menschen mussten ins Krankenhaus, Hunderte überlebten die Virusinfektion nicht.

Influenza-Viren (Illustration)
imago/ SPL

Influenza-Viren (Illustration)


Die Grippewelle ist im vergangenen Winter ungewöhnlich stark verlaufen. Zwischen Ende Dezember und Anfang April erkrankten nachweislich 333.567 Menschen an einer Grippe, heißt es im aktuellen Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI). Die Zahl der tatsächlich Betroffenen dürfte weit darüber liegen. Denn nicht jeder Grippekranke geht zum Arzt, und nur ausgewählte Praxen schicken Erregerproben ins Labor.

Fast ein Fünftel der registrierten Grippepatienten musste im Krankenhaus behandelt werden. Nachweislich 1665 Patienten starben an den Folgen der Infektion. Die meisten Betroffenen waren mindestens 60 Jahre alt (87 Prozent), viele litten unter Vorerkrankungen. Auch die Todesfallzahlen können in der Realität noch deutlich höher liegen als angegeben, da die Todesfälle nicht immer mit dem Grippeerreger in Verbindung gebracht werden.

Damit fiel die Grippesaison 2017/2018 noch stärker aus als die Welle im Winter 2016/2017, die bereits als besonders heftig galt. Damals wurden 114.200 Fälle mittels Labordiagnostik bestätigt, etwa 30.000 Patienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, und es kam zu 723 nachweislichen Todesfällen.

70 Prozent mehr Krankenhauspatienten

Insgesamt zog sich die Grippewelle im vergangenen Winter von der letzten Dezemberwoche bis Anfang April. In den 15 Wochen erkrankten in fast allen Altersgruppen ungewöhnlich viele Menschen, berichtet die AGI. Nur bis vier Jahre alte Kinder seien in der Vorsaison noch stärker betroffen gewesen.

Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
    Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe allein Influenzaviren.
  • Die Symptome einer Grippe sind deutlich stärker als bei einem grippalen Infekt. Bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe eine ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

Am häufigsten sorgten Influenza B-Viren der Yamagata-Linie für Probleme (68 Prozent). Vor der Virusvariante schützt der gängige Dreifachimpfstoff nicht direkt. Das kann laut Experten ein Grund sein, warum sich in diesem Winter besonders viele Menschen mit Grippe infizierten.

Fachleute rieten daher nach dem Beginn der Grippewelle, auf den teureren Vierfachimpfstoff umzuschwenken, für dessen Kosten Krankenkassen bislang jedoch nicht standardmäßig aufkommen. Das soll sich in Zukunft ändern.

Im Video: Superkeime - Die tödlichen Feinde

NZZ Format

irb/dpa



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
Lencer2002 24.05.2018
1. Krankenkassen sind schuld
Die hohe Ansteckung haben die Krankenkassen verschuldet, die sich geweigert haben, den Vierfach-Impfstoff zu bezahlen. Damit hat man all den freiwilligen Grippeimpfern den Mittelfinger gezeigt und zudem eine massive Ausbreitung in Kauf genommen.
comingo 24.05.2018
2. Die Krankenkassen können nichts dafür....
es ist völliger Quatsch zu behaupten die Krankenkassen seien schuld wenn sie den vierfachimpfstoff nicht kostenlos zur Verfügung stellen jeder ist doch für sich selbst verantwortlich! Ich würde mir lieber mal die Frage stellen warum es zur kalten Jahreszeit immer wieder zu derartigen Grippeviren ausbrüchen kommt, obwohl man weiß dass diese Viren ohnehin an der kalten Luft sofort absterben..... die Vermutung liegt doch nahe dass unsere hiesigen Pharmakonzerne hier gezielt solche Viren in Umlauf bringen um den Umsatz zu steigern!! Daran denkt niemand man muss einfach verstehen dass dahinter eine riesen Medikamenten Maschinerie steht...
varlex 24.05.2018
3.
Zitat von comingoes ist völliger Quatsch zu behaupten die Krankenkassen seien schuld wenn sie den vierfachimpfstoff nicht kostenlos zur Verfügung stellen jeder ist doch für sich selbst verantwortlich! Ich würde mir lieber mal die Frage stellen warum es zur kalten Jahreszeit immer wieder zu derartigen Grippeviren ausbrüchen kommt, obwohl man weiß dass diese Viren ohnehin an der kalten Luft sofort absterben..... die Vermutung liegt doch nahe dass unsere hiesigen Pharmakonzerne hier gezielt solche Viren in Umlauf bringen um den Umsatz zu steigern!! Daran denkt niemand man muss einfach verstehen dass dahinter eine riesen Medikamenten Maschinerie steht...
Kurze Erklärung: Bei Kälte bilden Grippenviren ein Schutzgel aus, was sich in den wärmeren Region wieder auflöst. Das heißt, die Viren überleben somit eine zeitlang ohne größere Probleme auf den Oberflächen. Bei Kontakt mit Menschen (warm) löst sich diese Gel auf und man kann sich anstecken. Je wärmer aber die Außentemperatur, umso weniger Viren können das Gel ausbilden und sind somit ungeschützt. Dies führt zur Austrockung und zerstört den Virus. Deshalb treten bei uns die Wellen eher im Winter auf, während in den feuchten Tropen Grippe ganzjährig auftritt.
globalundnichtanders 24.05.2018
4.
Zitat von comingoes ist völliger Quatsch zu behaupten die Krankenkassen seien schuld wenn sie den vierfachimpfstoff nicht kostenlos zur Verfügung stellen jeder ist doch für sich selbst verantwortlich! Ich würde mir lieber mal die Frage stellen warum es zur kalten Jahreszeit immer wieder zu derartigen Grippeviren ausbrüchen kommt, obwohl man weiß dass diese Viren ohnehin an der kalten Luft sofort absterben..... die Vermutung liegt doch nahe dass unsere hiesigen Pharmakonzerne hier gezielt solche Viren in Umlauf bringen um den Umsatz zu steigern!! Daran denkt niemand man muss einfach verstehen dass dahinter eine riesen Medikamenten Maschinerie steht...
1. Viren leben nicht, können also auch nicht absterben. 2. bleiben Viren in kälterer Luft deutlich länger infektiös als in warmer Luft 3. setzen Pharmakonzerne keine Viren aus und zu guter Letzt zahle ich 4. einige hundert Euro Krankenkassenbeitrag im Monat, der Erhalt von Vierfachimpfstoff wäre also mitnichten kostenlos. Wenn ich nur für mich selbst verantwortlich wäre würde ich deutlich günstiger fahren, wenn ich das Geld nicht der Krankenkasse zahle, sondern unter mein Kopfkissen lege. Da wir aber ein Sozialsystem haben, das darauf setzt, dass sich möglichst viele daran beteiligen, ist man eben nicht nur für sich selbst verantwortlich.
appenzella 24.05.2018
5. Während
der Ausbreitung der mexikanischen Schweinegrippe, sie erinnern sich vielleicht, ist kaum jemand an eben dieser Grippe gestorben - es sei denn, er oder sie waren alt (also etwa im Rentenalter) und geimpft. Und die Alten haben nun einmal ihre altersbedingten Schwachstellen, und warum man einem einigermaßen gesunden Menschen mit Grippeviren durch Injektion infiziert, hat sich mir noch nicht erschlossen. Denn durch die Impfung erwirbt man ein chronische Infektion und ein starkes Nachlassen der körperlichen Immunität. Man wird durch die Impfung chronisch krank. Um es deutlich zu sagen: Was nützen der Pharmaindustrie und den Ärzten gesunde Patienten?
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