Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grippeimpfung: Nasenspray statt Spritze

Von

Schal vor den Mund: tatsächlich ein Mittel, um den Viren den Weg zu den Schleimhäuten zu versperren. Zur Großansicht
Corbis

Schal vor den Mund: tatsächlich ein Mittel, um den Viren den Weg zu den Schleimhäuten zu versperren.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit - bald beginnt die Grippezeit. Statt nur auf sein Immunsystem zu vertrauen, sollte jetzt jeder vorsorgen. Für Kinder gibt es nun eine Grippeimpfung durch die Nase. Die neuesten Impfstoffe und praktische Tipps für die Abwehr von Krankheitserregern.

Hilfe, Viren! Bloß keine öffentlichen Türklinken anfassen, und wenn man nach Hause kommt, werden erst mal gründlich die Hände gewaschen. Wer sich so verhält, gilt schnell als hysterisch. Im Herbst und Winter lauern aber tatsächlich an beinahe jedem Türknauf, an jeder fremden Hand oder an jedem Geldschein Bakterien und gefährliche Grippeviren. Diese können bei alten oder geschwächten Menschen sogar zum Tod führen. Pro Jahr sterben laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) rund 8000 Menschen in Deutschland an einer saisonalen Grippe, weltweit sind es zwischen 250.000 und 500.000. Die Angst vor den Überträgern ist also begründet. Händewaschen? Unbedingt!

Im vergangenen Winter 2012 und 2013 wurden 3,4 Millionen Deutsche Influenzabedingt krankgeschrieben - so viele, wie seit zehn Jahren nicht mehr. Die Grippewelle dauerte auch länger an als in den Jahren zuvor, insgesamt 19 Wochen, also fast fünf Monate. Warum unser Immunsystem die Influenza-Viren schwer abwehren kann, hat einen Grund: Sie sind extrem wandelbar und wechseln einfach ihre Oberflächenstruktur. In ihrer "Verkleidung" werden die Viren von unserem Immunsystem nicht erkannt und daher nicht abgewehrt. Jedes Jahr werden so neue Formen übertragen und es müssen immer neue Impfstoffe entwickelt werden. Ein Universalwirkstoff wäre die Lösung, doch den gibt es nicht. Noch nicht.

Gibt es bald den Super-Impfstoff?

Denn jetzt haben Forscher um Ajit Lalvani vom Imperial College London einen großen Schritt in Richtung Grippeheilung getan. Sie baten 342 Freiwillige, die an der Schweinegrippe erkrankt waren, um Blutproben. Wer sich innerhalb der nächsten Wochen wieder krank fühlte, musste sich erneut testen lassen. Das Ergebnis: Je mehr CD8-T-Zellen die Untersuchten Probanden zu Beginn in ihrem Blut hatten, desto milder verlief die Erkrankung. Die speziellen Zellen gehören zur zellulären Immunabwehr und lassen sich im Gegensatz zu den Antikörpern nicht von den "Verkleidungen" der Viren täuschen. Jetzt arbeiten die Londoner Forscher an der Herstellung eines Influenza-Wirkstoffs, der den Körper dazu anregen soll, größere Mengen der CD8-T-Zellen zu produzieren.

Bis dieser Impfstoff auf dem Markt ist, werden jedoch noch Jahre vergehen. Bis dahin müssen herkömmliche Impfstoffe herhalten. Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt besonders Älteren ab 60 Jahre, Personen mit Grundkrankheiten wie Diabetes oder Asthma, Schwangeren ab dem dritten Monat oder allen Betreuern von Risikopatienten, sich impfen zu lassen. Die Impfquoten sind laut RKI in allen Gruppen zu niedrig. Für Schwangere wichtig: Eine Grippe löst schlimmstenfalls eine Frühgeburt aus, und diese erhöht die gesundheitlichen Risiken für das Kind. Ältere Menschen sollten sich auch gegen eine bakterielle Lungenentzündung impfen lassen. Diese kommt meist infolge einer Influenza vor und kann tödlich verlaufen. Die Stiko empfiehlt die sogenannte Pneumokokken-Impfung allen Menschen ab 60 Jahren und Patienten mit chronischen Krankheiten.

Die ersten Grippefälle treten meist im Dezember auf. Um rechtzeitig geschützt zu sein, sollte man jetzt, also im Oktober und November, mit seinem Arzt einen Termin für die Impfung vereinbaren. Denn danach dauert es noch mal zehn bis 14 Tage, bis das Immunsystem einen wirksamen Schutz aufgebaut hat. Wer bis zur Grippewelle wartet, riskiert, sich zu infizieren, noch bevor der Impfstoff aufgebaut ist. Schon jetzt hat das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) das Stammanpassungsverfahren - für die Zusammensetzung gemäß der WHO-Empfehlungen - für mehr als 15 verschiedene Influenza-Impfstoffe genehmigt (Stand: 2. September 2013), es werden immer mehr. "Wir sind gut auf die beginnende Saison vorbereitet", sagt Klaus Cichutek, Präsident des PEI.

Für Kinder von zwei bis sechs Jahren empfiehlt das PEI die Impfung mit einem Nasenspray, das seit letztem Jahr in Deutschland zugelassen ist. Auch junge Erwachsene bis 17 Jahre können so der Spritze entgehen, bei Erwachsenen wirkt der neue Impfstoff nicht mehr. Der Vorteil des Sprays: Der Lebendimpfstoff im Fläschchen schützt besser vor Grippeviren als der normale Totimpfstoff. Zur Erklärung: Lebendimpfstoffe bestehen aus sehr geringen Mengen lebender Keime. Die Krankheitserreger sind so abgeschwächt, dass sie sich zwar noch vermehren, aber die Krankheit nicht mehr auslösen können. Eltern, die aus Angst vor einem Impfschaden wie einer Querschnittslähmung möglichst viele Impfungen vermeiden wollen, sollten wissen: Die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Impfschaden zu erleiden, liegt bei weniger als 0,01 Prozent.

So kann man mit einfachen Mitteln vorsorgen

Ernst Tabori, Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene in Freiburg, weiß, wie man sich vor Viren schützen kann. Das Wichtigste: konsequente Handhygiene. "Wenn Sie nach der Straßenbahnfahrt nach Hause kommen, sollten Sie sich sofort die Hände waschen", erklärt er in einem SPIEGEL-ONLINE-Interview. Er persönlich ziehe es vor, Türen mit der Schulter aufzudrücken, statt an den Knauf zu langen oder die Klinke mit einem Taschentuch aufzumachen. Wem das zu zwanghaft ist, der kann schnell krank werden. Tabori: "Dann muss man sich nur kurz mit den Fingern an Lippen, Augen oder die Nase fassen - schon kann man sich angesteckt haben." Die Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZGA) hat weitere Tipps für die Grippezeit: Taschentücher nur einmal verwenden, regelmäßig die Räume lüften und nicht mit kranken Personen in Kontakt kommen. Und das bedeutet auch, Theater, Kinos, Discotheken oder Massenansammlungen zu meiden. Wer sich infiziert hat, sollte unbedingt zu Hause bleiben. Und, wenn er doch mal raus muss, in den Ärmel statt in die Hand husten. Wenn es einen doch erwischt hat, schützt man so wenigstens die anderen.

Das Wichtigste zur Grippeschutzimpfung
  • DDP
    Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?
  • Was sollten die Risikogruppen beachten?
  • Wie verträglich ist die Impfung?
  • Lesen Sie die Antwort hier

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
jakam 07.10.2013
Und wer krank ist, BITTE NICHT mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und alle anderen infizieren. Mal ganz abgesehen von der Zumutung, wenn ein Fremder vor einem herumrotzt - ekelhaft.
2.
Moridin 07.10.2013
Über so viel Paranoia kann man nur den Kopf schütteln. Sowas schützt nicht vor Krankheit, sondern macht krank.
3. Grippeimpfung für Kinder?
tomboygö 07.10.2013
Zitat von sysopCorbisHusten, Schnupfen, Heiserkeit - bald beginnt die Grippezeit. Statt nur auf sein Immunsystem zu vertrauen, sollte jetzt jeder vorsorgen. Für Kinder gibt es nun eine Grippeimpfung durch die Nase. Die neuesten Impfstoffe und praktische Tipps für die Abwehr von Krankheitserregern. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grippe-neue-impfstoffe-und-tipps-fuer-die-abwehr-von-influenzaviren-a-925814.html
Wozu brauchen Kinder eine Grippeimpfung, wenn sie sonst nicht gefährdet sind (durch Immunschwäche oder andere Krankheiten..)? Lasst die Kinder im Dreck spielen, schickt sie an die frische Luft, auch wenn's regnet, überheizt die Wohnung nicht (!!!) usw.. - dann kommen sie auch mit den Winterviren klar. Einfaches Meerwassernasenspray genügt, um die Schleimhäute feucht zu halten, den Rest schafft der Körper von allein. Hände waschen, wenn man von draußen nach Hause kommt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein, nicht nur im Winter.
4. Wirkt nicht?
Anaphylaxe 07.10.2013
"Auch junge Erwachsene bis 17 Jahre können so der Spritze entgehen, bei Erwachsenen wirkt der neue Impfstoff nicht mehr." Woher kommt diese Information? In USA werden mit dem Lebendimpfstoff fleißig "pieks-fürchtende" Erwachsene geimpft.
5. Reisserisch
herecomesthebut 07.10.2013
Zitat von sysopCorbisHusten, Schnupfen, Heiserkeit - bald beginnt die Grippezeit. Statt nur auf sein Immunsystem zu vertrauen, sollte jetzt jeder vorsorgen. Für Kinder gibt es nun eine Grippeimpfung durch die Nase. Die neuesten Impfstoffe und praktische Tipps für die Abwehr von Krankheitserregern. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/grippe-neue-impfstoffe-und-tipps-fuer-die-abwehr-von-influenzaviren-a-925814.html
Die Überschrift und der erste Teil passen nicht zum Ende des Artikels, da wird nämlich korrekterweise festgestellt, wer sich Impfen lassen sollte. Nämlich Immunschwache, Alte und Schwangere. Andere Leute können sich das sparen. Das im nächsten Satz gleich Kinder genannt werden, ist meiner Meinung nach fragwürdig, da sie sich nicht impfen lassen müssen. Es sollte da klarer herausgestellt werden, dass wenn dann die Nasenspray Impfung empfohlen wird. Ansonsten bleibt es wohl dabei, dass das Geschmackssache ist für alle außer den Risikopersonen und das übertriebene Angst vor Keimen ein psychologisches Krankheitsbild darstellt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Quellen: Robert Koch-Institut, Internisten im Netz und Gesundheitsinformation.de Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Quellen: Robert Koch-Institut, Internisten im Netz und Gesundheitsinformation.de


Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:

Grippe: So schützt man sich

1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sich zu küssen oder zu umarmen.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

Grippe: So schützt man andere

1. Beim Niesen Nase und Mund bedecken, am besten in ein Papiertaschentuch oder den Ärmel niesen und husten, auf keinen Fall in die Hand!

2. Benutzte Taschentücher umgehend entsorgen, so dass sie andere Menschen möglichst nicht berühren können. Am besten Einwegtücher benutzen.

3. Häufig die Hände waschen, vor allem, nachdem man ein Taschentuch angefasst hat.

4. Enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden und mindestens zwei Meter Abstand halten. Dies gilt vor allem beim Kontakt mit Schwangeren, chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen.

5. In der akuten Erkrankungsphase möglichst zu Hause bleiben und regelmäßig lüften, damit der Körper frische Luft erhält und sich die Zahl der virusbelasteten feinen Tröpfchen in der Luft reduziert.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel: