Influenza Die wichtigsten Fakten zur Grippe

Die Grippewelle kommt nun auch nach Deutschland. Was erhöht die Chancen, der Krankheit zu entgehen? Was tun, wenn die Infektion ausbricht? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

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Was ist der Unterschied zwischen Grippe und Erkältung?

Hier gibt es eine leichte Merkformel: Wer diese Frage stellt oder Grippe und Erkältung munter verwechselt, hatte noch nie eine Grippe mit schwerem Verlauf. Denn sie lässt sich problemlos von einer Erkältung unterscheiden.

Das sind die typischen Symptome einer Grippe

Eine Grippe setzt sehr schnell ein, eben noch fühlte man sich gesund, dann steigt die Temperatur rasant an. In schweren Fällen haben Betroffene bis zu 41 Grad Fieber, in leichteren Fällen ist die Temperatur nur erhöht. Erkrankte haben meist einen trockenen Reizhusten sowie starke Kopf- und Muskelschmerzen. Oft läuft auch die Nase. Erkrankte fühlen sich sehr schwach, abgeschlagen und haben keinen Appetit.

Die Grippe dauert in der Regel etwa eine Woche, in schweren Fällen auch länger. Zum Teil sind Betroffene so massiv krank, dass sie im Krankenhaus behandelt werden müssen. Dies hängt auch mit möglichen Komplikationen, etwa einer Lungenentzündung, zusammen. Menschen mit bestimmten chronischen Krankheiten, Kleinkinder und Säuglinge, Senioren und Schwangere sind besonders gefährdet, wenn es um Komplikationen geht. In einigen Fällen endet die Grippeinfektion sogar tödlich.

Aber: Menschen können sich mit Grippeviren anstecken, ohne merklich zu erkranken. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) nimmt die Infektion bei etwa einem Drittel der Betroffenen einen solchen asymptomatischen Verlauf. Bei einem weiteren Drittel ist der Verlauf vergleichsweise mild, dann ähneln einige, aber nicht alle Symptome denen einer Erkältung.

Das sind die typischen Symptome einer Erkältung

Bei der Erkältung verschlechtert sich der Zustand langsam. Erkrankte fühlen sich matt, die Nase läuft oder ist dicht, der Hals schmerzt, man hustet. Nur sehr selten ist eine Erkältung mit Fieber verbunden, doch eine etwas erhöhte Temperatur kann auftreten. Manchmal kommen Kopf- und Gliederschmerzen dazu. Im Gegensatz zu Grippekranken ist Erkälteten meist der Appetit nicht vergangen - obwohl das Essen bei verstopfter Nase eher fad schmeckt. Wie lange eine Erkältung dauert, verrät eine Redewendung: Ohne Behandlung dauert sie sieben Tage, mit Therapie eine Woche.

Warum die beiden Krankheiten oft verwechselt werden? Vermutlich liegt es daran, dass die Erkältung medizinisch als grippaler Infekt bezeichnet wird, und umgangssprachlich daraus schnell eine Grippe wird.

Was ist die Ursache der Grippe?

Auslöser der Grippe sind Influenzaviren. Die Grippeviren sind leider eine große, sich ständig wandelnde Familie.

Das hat zwei Konsequenzen:

  • Wer einmal eine Grippe durchgemacht hat, ist leider nicht den Rest seines Lebens vor einer weiteren Infektion geschützt.
  • Und wer sich mit einer Impfung vor der Grippe schützen will, muss dies jedes Jahr von Neuem angehen. Denn jede Saison zirkulieren andere Grippeviren. Eine Impfung, die vor ihnen allen schützt, konnten Forscher bisher leider noch nicht herstellen.

In Deutschland erkranken die meisten Menschen im Januar und Februar an der Grippe, in manchen Jahren kann eine Grippewelle auch schon früher starten oder sich noch in den März ziehen. Wie heftig die Grippesaison ist, hängt von den jeweiligen Erregern ab.

Wie wird die Grippe übertragen?

Wenn ein Grippekranker niest und hustet, herrscht Ansteckungsgefahr. Denn dabei werden kleine und größere Tröpfchen, die voller Viren sind, nach draußen katapultiert. Kommt diese Flüssigkeit in Kontakt mit Schleimhäuten - Nase oder Mund -, fängt sich der nächste Unglückliche eine Grippe ein. Auch beim Händeschütteln können sich Grippeviren übertragen, wenn zum Beispiel ein Infizierter ins Taschentuch schnaubt, dann kurz darauf eine Hand schüttelt und das Gegenüber sich dann etwas später an Mund oder Nase fasst. Deshalb gilt regelmäßiges Händewaschen als eine wichtige vorbeugende Maßnahme in der Grippezeit. Das schützt gleichzeitig auch vor Erkältungsviren, die ebenfalls diesen Infektionsweg nehmen können.

Sind die Grippeviren im Körper, kommen bald die ersten Symptome: Die Inkubationszeit liegt im Schnitt nur bei ein bis zwei Tagen. Solange jemand hustet und schnieft, ist er in der Regel auch ansteckend.

Verdacht auf Grippe - und dann?

Ob jemand eine Grippe hat, lässt sich mit verschiedenen Labortests feststellen, die Influenzaviren oder gegen sie gerichtete Antikörper nachweisen können. Während einer Grippewelle verzichten Ärzte jedoch aus praktischen Erwägungen manchmal auf diese Diagnosemöglichkeiten.

Wer sich mit Husten, Schnupfen, Kopf- oder Halsweh beim Arzt vorstellt, wird ohnehin krankgeschrieben: egal, ob es sich nun um eine Erkältung oder eine Grippe handelt. Das ist notwendig für die Genesung des Patienten und schützt gleichzeitig Kollegen vor der Ansteckung.

Was hilft bei einer Grippe?

Antivirale Medikamente

Gezielt gegen die Grippeviren können zwei sogenannte Neuraminidasehemmer gegeben werden - Oseltamivir (Markenname Tamiflu) und Zanamivir (Markenname Relenza).

Doch der Nutzen dieser antiviralen Mittel, die verschreibungspflichtig sind, ist begrenzt und umstritten. Sie können die Krankheitsdauer bei einer Grippe vermutlich etwas senken. Ob gefährliche Komplikationen seltener auftreten, ist dagegen nicht erwiesen. Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Übelkeit und Erbrechen.

Ärzte empfehlen, nicht jeden Grippekranken mit Neuraminidasehemmern zu behandeln, sondern nur Patienten, die ins Krankenhaus müssen, bereits anderweitig erkrankt sind oder ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben.

Weil die Grippe von Viren verursacht wird und nicht von Bakterien, helfen Antibiotika nicht gegen die Infektion. In einigen Fällen verschreiben Ärzte die Mittel trotzdem - und zwar, wenn Anzeichen vorliegen, dass der Erkrankte zusätzlich oder infolge der Grippe auch noch mit einem Bakterienbefall der Atemwege zu kämpfen hat.

Hausmittel und rezeptfreie Produkte

Ansonsten kann man nur abwarten, dass das Immunsystem seiner Arbeit nachgeht und währenddessen versuchen, die unangenehmen Symptome, so gut es eben geht, zu mildern. Sich auszuruhen ist die wichtigste Maßnahme.

Rezeptfreie Schmerzmittel können Kopfweh und Gliederschmerzen lindern sowie Fieber senken.

Was gegen die verstopfte Nase und den Husten hilft? Zwar gibt es eine Vielzahl von Hausmitteln sowie Medikamente in der Apotheke, doch die wissenschaftliche Beweislage für deren Wirksamkeit ist dürftig.

Wer also zum Beispiel Inhalieren, Gurgeln oder eine Nasendusche als hilfreiche Wohltat empfindet, kann gern dabei bleiben. Wer sich damit eher quält, kann es lassen. Das Lutschen von Bonbons oder ein warmer Schal können das Halsweh etwas lindern, sind aber ebenfalls kein Muss.

Und ob man sich in der Hoffnung auf Symptomlinderung in der Apotheke mit rezeptfreien Mitteln eindeckt oder lieber stoisch leidet, ist letztendlich eine Typfrage.

Ärzte empfehlen außerdem, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, gern in Form von Tee oder Brühe. Und das Krankenzimmer regelmäßig zu lüften.

So lässt sich vorbeugen: Hygiene und Impfen

Am besten ist natürlich, wenn die Grippe gar nicht erst ausbricht. Vorbeugend helfen zwei unterschiedliche Maßnahmen: Impfen und Hygiene.

Grippeimpfung

Weil es sehr viele verschiedene Stämme von Grippeviren gibt, wird jedes Jahr ein neuer Impfstoff zusammengestellt, der gegen jene Erreger schützen soll, die in der jeweiligen Saison am häufigsten zirkulieren. Das funktioniert nicht jedes Jahr gleich gut, weshalb der Impfstoff auch in manchen Jahren einen besseren Schutz darstellt als in anderen.

Wer sich gegen die Grippe impfen lassen will, macht das am besten im Herbst, aber auch ein späterer Zeitpunkt kann noch sinnvoll sein. Es dauert allerdings rund zwei Wochen, bis das Immunsystem infolge der Impfung so gut auf die jeweiligen Viren vorbereitet ist, dass man mit großer Wahrscheinlichkeit vor einer Grippeerkrankung geschützt ist.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät einigen Personengruppen, die jährliche Schutzimpfung wahrzunehmen, das gilt unter anderem für alle ab 60-Jährigen, für viele chronisch Kranke, für Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel). Des Weiteren wird die Impfung auch Menschen nahegelegt, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken, medizinisches Personal zum Beispiel.

Während die Grippe von Grippeviren ausgelöst wird, geht eine Erkältung auf andere Erreger zurück, darunter Rhino- und Coronaviren. Wer sich gegen die Grippe impfen lässt, ist deshalb nicht gegen Erkältungen gefeit.

Hygiene

Die Grippe kann sich immer dann ausbreiten, wenn Viren von einem Erkrankten ausgehustet oder -geniest werden und dann zu einem anderen Menschen gelangen. Dies kann direkt beim Husten oder Schniefen passieren. Es ist aber auch möglich, dass Viren auf der Hand landen, wenn ein Erkrankter niest und sich dann die Nase putzt. Von der Hand wandern sie dann auf Türklinken und so auf die nächste Hand.

Ein freundliches Händeschütteln zum Gruß und Abschied oder auch eine herzliche Umarmung sind zwar jenseits der Grippesaison sehr beliebt, doch bei Krankheitssymptomen sollte man darauf verzichten. Wer sich regelmäßig, nicht nur nach dem Toilettengang, die Hände wäscht, kann damit das Ansteckungsrisiko senken. Und das gilt nicht nur für die Grippe, sondern auch für Erkältungen.

Um andere vor einer Infektion zu bewahren, sollten Erkrankte möglichst Abstand halten - mindestens zwei Meter, empfiehlt das RKI. Benutzte Taschentücher sollte der Kranke selbst im Mülleimer entsorgen. Wer mit dem Partner im Doppelbett schläft, handelt am besten aus, wer die kommenden Nächte auf der Couch verbringt, um das Ansteckungsrisiko zu senken. Weil eine Grippe besonders für Kleinkinder und Säuglinge, Schwangere, chronisch Kranke und Senioren gefährlich werden kann, sollten Erkrankte bei ihnen ganz besonders auf Abstand bleiben.

BBC-Doku "Für immer fit: Wunderwerk Immunsystem"



insgesamt 18 Beiträge
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Kradfahrer 15.01.2018
1. Echt jetzt?
Die gute Nachricht vorweg: Wegen einer Grippe muss sich kein Mensch von der Teppichkante stürzen! Es ist doch egal ob Grippe, Erkältung oder Pest, die grundlegenden seuchenhygienischen Maßnahmen sind immer die gleichen: a) Herrscht irgendwo die Pest, gehe nicht hin. Herrst da, wo du bist, die Pest, gehe nicht fort. (stammt glaube ich aus dem Islam, stimmt aber auch im christlichen Abendland und trifft auch auf Rüsselpest und Co. zu) b) Wer krank ist, gehört ins Bett und nicht in den Bus oder gar in den Betrieb. Man kann seinen Arbeitgeber auch anders schädigen als dadurch, dass man die halbe oder ganze Belegschaft infiziert. c) Wer Fieber (ab 39 °C) oder sonstige schwere Symptome hat, gehört in ärztliche Behandlung. Der Rest mit Desinfektion (auch Wasser und Seife desinfizieren, wenn man sie denn gründlich anwendet), sicherer Entsorgung von kontaminiertem Material etc. steht im Beitrag und soll nicht wiedergekäut werden. Und dann kann man sich schon im Herbst vorbereiten. Viel an der frischen Luft sein, auch wenn es kalt ist, täglich Obst essen und/oder Obstsäfte trinken.
permissiveactionlink 15.01.2018
2. Alles andere als einfach !
"Denn jede Saison zirkulieren andere Grippeviren; eine Impfung, die vor ihnen allen schützt, konnten Forscher bisher leider noch nicht herstellen." Das liegt am Hämaglutinin (HA), einem Hüllprotein des Virus, das selbst eine Membran besitzt. Dieses Protein hat zwei Aufgaben : 1. die Bindung an die Wirtsmembran, 2. die Freisetzung des genetischen Materials aus dem in einem Endosom in die Zelle aufgenommenen Virus in das Cytoplasma der Wirtszelle. Das Problem dieses Proteines ist, dass es einerseits an der Außenseite sehr variabel ist (d.h. sehr leicht mutiert) und dann von bereits vorhandenen Antikörper-produzierenden Immunzellen (Memory-B-Lymphozyten) gegen andere Influenza-Stämme bzw. Serotypen nicht erkannt wird, und das diese Proteine (aus drei gleichen Untereinheiten) eine Struktur aus Stift und darauf gesetztem hochvariablem Bindungsbereich bilden. Der Stift selbst ist nicht hochvariabel. Leider sind aber Antikörper selbst so sperrig, dass sie mit ihren hochvariablen Erkennungsbereichen für Antigene zwischen den hochvariablen Bindungsbereichen nicht gut an die darunterliegenden Stifte herankommen. Nahezu jeder Mensch hat Antikörper gegen die Stiftbereiche des Hämaglutinins, sie können aber nur sehr schlecht andocken. Helfen könnten nur deutlich kleinere, schlankere Antikörper mit kürzeren hochvariablen Bereichen, wie man sie bei anderen Säugetieren z.T. finden kann.
veritas31 15.01.2018
3. Ich habe früher...
Ich habe früher, wider besseren Wissens, auch gerne eine Erkältung mal einfach "Grippe" genannt bis ich einmal DIE ECHTE Grippe hatte...danach habe ich die Begrifflichkeiten nie wieder vertauscht. Die echte Grippe macht einen wirklich fertig.
calinda.b 15.01.2018
4. Selber impfen
Ich hol mir immer die Impfung für um die 12 € in der Apotheke und steck sie mir selber in den ...Arm. Keinen Termin buchen, keine Wartezeit, keine Praxisgebühr ...
diskantus 15.01.2018
5. "Grippewelle" mit geringem Anteil an Influenza-Kranken
".... umgangssprachlich daraus schnell eine Grippe wird" - Das ist leider falsch. Die Verwechslung ist eine gewollte und kommt von der Pharmalobby, die absichtlich banale Infekte und Influenza in einen Topf wirft und von "Grippewelle" mit Tausenden Erkrankten spricht. Das klingt beängstigend, so kann man noch schnell Menschen zur Impfung bewegen. Nicht gesagt wird, dass die wenigsten Fälle einer solchen Welle Influenza-Fälle sind. Diese kann man nämlich nur durch Blutuntersuchung wirklich feststellen - und das geschieht im Krankenhaus, nicht beim Hausarzt und nicht einmal zwingend beim Facharzt, und schon gar nicht bei denen, die zu Hause im Bett liegen. Wie hieß es im RBB vor kurzem: Es war von 5000 Neuerkrankungen die Rede, und dass bei etwa jedem Fünften Influenzaviren im Blut festgestellt würden. Das ist deutlich: Von 5000 Erkrankten werden vielleicht 100 (?) Personen Blut abgenommen ... der Prozentsatz an wirklich an Influenza Leidenden ist also sehr eingeschränkt. Es handelt sich im wesentlichen um Menschen, die, bereits vorerkrankt, mit geschwächtem Immunsystem im Krankenhaus liegen. Würde man der Pharmaindustrie endlich untersagen, mit unlauteren Mitteln für Influenza-Impfungen zu werben, wäre für die Menschen viel gewonnen. Von der missglückten Schweinegrippe-"Pandemie"-Panikmache hat sie offensichtlich immer noch nichts gelernt.
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