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Influenza: Experten rechnen mit mehr Grippe-Toten als sonst

Karten der Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland (ARE-Aktivität), von links: 5., 7. und 9. Woche 2015 Zur Großansicht
Robert Koch-Institut

Karten der Aktivität akuter respiratorischer Erkrankungen in Deutschland (ARE-Aktivität), von links: 5., 7. und 9. Woche 2015

Fast 40.000 Menschen sind in diesem Winter an Grippe erkrankt. Experten fürchten, dass mehr Betroffene daran sterben könnten als in den Jahren zuvor. Ein Grund: Der Impfstoff für diese Saison wirkt nicht optimal.

Berlin - Die aktuelle Grippewelle läuft auf Hochtouren: Vielerorts sind die Arztpraxen und Krankenhäuser überfüllt. Nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsinstituts RWI kosten die zahlreichen Krankheitsausfälle die deutsche Wirtschaft rund 2,2 Milliarden Euro.

Experten rechnen damit, dass es zum Ende der Saison mehr Tote in Deutschland geben könnte als sonst in einem Winterhalbjahr üblich. Ein Grund sei die hohe Zahl der Erkrankungen, sagte Silke Buda, Leiterin der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Berliner Robert Koch-Institut (RKI). Allein in der neunten Kalenderwoche (23.2. bis 1.3.) kamen dem RKI zufolge fast 12.000 neue Meldungen von bestätigten Influenza-Fällen hinzu. Insgesamt sind fast 40.000 Menschen in dieser Saison bisher nachweislich an Grippe erkrankt.

"Damit gehört die aktuelle Influenza-Saison sicher zu einer der schwereren Wellen der vergangenen Jahre", sagte Buda. Bei ähnlichen Wellen gab es bisher geschätzt bis zu 20.000 Grippe-Tote. Ob es in dieser Saison wieder zu so vielen Todesfällen kommen wird, ist noch unklar. Für eine Prognose sei es noch zu früh, sagte Buda.

Ein Problem bei der aktuellen Grippewelle: Der Impfstoff reagiert laut RKI nicht optimal auf die in dieser Saison zirkulierenden Influenza-Viren (zu 80 Prozent sind sie vom Typ A H3N2). Geimpfte sind deshalb nicht so gut vor Grippe geschützt wie in den Jahren zuvor. Auch deshalb rechnen die Experten damit, dass es zu mehr Todesfällen kommen könnte als sonst üblich.

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Insgesamt gehen mehr als doppelt so viele Patienten wie in einem durchschnittlichen Winter wegen Atemwegserkrankungen zum Arzt. Darunter sind besonders viele Erwachsene zwischen 39 und 59 Jahren. "Zu rund 60 Prozent ist es dann auch die Grippe", sagt Buda. Dass die Zahl der Arztbesuche Ende Februar nicht noch weiter gestiegen ist, könnte ein erster Hinweis darauf sein, dass sich die Lage in den kommenden Wochen bessert.

Jährlich sterben durchschnittlich 8000 bis 11.000 Menschen in Deutschland an den Folgen einer Influenza-Infektion. "Es gibt aber keine Durchschnittsgrippewelle", sagte Buda. Jede Saison habe ihre eigenen Charakteristika.

Sowohl die Zahl der Grippe-Fälle als auch die Zahl der Grippe-Toten schwankt von Jahr zu Jahr. Von den hohen Erkrankungszahlen her ist die aktuelle Welle mit der Saison 2012/2013 vergleichbar. Von der Dominanz der Typ-A H3N2-Viren her ähnelt sie aber dem Winter 2008/2009. Damals gab es geschätzte 18.000 Influenza-Tote in Deutschland. Vor zwei Jahren waren es geschätzte 20.000.

Die Schätzungen erfolgen auf Basis der Zahlen des Statistischen Bundesamtes und sind laut Bude erst mit mehr als einem Jahr Abstand möglich. Deshalb sei es noch zu früh zu sagen, ob es in dieser Saison erneut zu einer deutlich höheren Sterblichkeit kommt.

Grippe: So schützt man sich

1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.

2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.

3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sich zu küssen oder zu umarmen.


Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de

cib, Ulrike von Leszczynski, dpa

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1.
fridagold 06.03.2015
Oh je, ich höre schon die Impfgegner: "Seht ihr, Impfungen bringen nichts."
2. Eigentlich nicht besonders aufregend
micromiller 06.03.2015
wenn man das mit den bis zu 40.000 Krankenhaus Toten auf Grund mangelnder Hygiene vergleicht...
3. An die Redaktion
zursachet 06.03.2015
Sehr geehrter Autor Ich zitiere: "Insgesamt sind fast 40.000 Menschen in dieser Saison bisher nachweislich an Grippe erkrankt. ... Bei ähnlichen Wellen gab es bisher geschätzt bis zu 20.000 Grippe-Tote". Es wäre mir neu, sollte es bei den uns vorherrschenden Influenza-Subtypen neuerdings eine Mortalitätsrate von annähernd 50% geben. Der Artikel ist vom Medizinisch - wissenschaftlichen Standpunkt her leider sehr vage gehalten und wirft Zahlen durcheinander. Damit lässt sich bestenfalls eine Panik provozieren aber nicht fundierte Erkenntnisse kommunizieren.
4. Impfen zwecklos
desireless 06.03.2015
Und wie jedes Jahr erkranken Menschen an der Grippe obwohl sie dagegen geimpft wurden. Die Erreger mutieren und die Impfstoffhersteller hinken immer zwei Schritte hinterher.
5.
SabineHäberle 06.03.2015
Zitat von fridagoldOh je, ich höre schon die Impfgegner: "Seht ihr, Impfungen bringen nichts."
:-) Ich dachte gerade auch: Popcorn raus und los geht die Schlacht ;-) Dieses Jahr scheint unsere Firma Glück zu haben: Der Grippe-Kelch ist (bisher) weitestehend an uns vorrüber gezogen. Da ich ansonsten zu denen gehöre, die Menschenmassen eher meiden, hoffe ich, dass uns die Grippe erspart bleiben wird. Wobei ich auch sagen muss, dass es den Grippeviren (ebenso wie den Erkältungsviren) bei mir sowieso nicht allzu sehr gefällt ;-)
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Nur Erkältung - oder die echte Grippe?
Viele sprechen von einer Grippe, wenn sie nur einen grippalen Infekt haben. Zwischen beiden gibt es aber einen großen Unterschied: Während ein grippaler Infekt in der Regel harmlos verläuft und von vielen verschiedenen Viren verursacht wird, stecken hinter einer echten Grippe nur Influenzaviren.
  • Ihre Symptome sind deutlich stärker, bei älteren, sehr jungen und immungeschwächten Menschen kann eine Infektion lebensgefährlich werden. "Auch wenn beide oft miteinander verwechselt werden, ist die Grippe einen ganz andere Nummer als ein grippaler Infekt", sagt derVirologe Stephan Ludwig von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
"Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das. Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen." Vor den Influenzaviren schützt die jährliche Grippeimpfung. Die harmlosen Erkältungen hingegen kann auch sie nicht abwehren.

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Informationen zur Influenza

Wie sich Influenzaviren ausbreiten

Über kleinste Tröpfchen und verschmutzte Hände gelangen Influenzaviren vom Typ A und B auf die Schleimhäute der Atemwege.

  • Wie die Grippeviren aussehen

    Diese höchst komplex aufgebauten Angreifer sehen unter dem Mikroskop wie kleine, kugelrunde Igel aus: Die Stacheln sind nichts anderes als Rezeptoren. Mit einer Rezeptorart docken sie auf der Oberfläche von Schleimhautzellen an und gelangen so in diese hinein. Die zweite Rezeptorart ist nötig, damit die Tochterviren die Wirtszelle wieder verlassen können. Zwischen beiden Vorgängen versklavt das Virus die Zelle für seine Zwecke und vermehrt sich ungehemmt. Die Tochterviren machen dann Jagd auf neue Zellopfer.

Das Virus als genialer Verwandlungskünstler

Der Impfstoff wird jedes Jahr an die aktuell grassierenden Virusvarianten angepasst. Das Grippevirus ist nämlich ein genialer Trickser: Sein Erbmaterial ist sehr wandlungsfähig. Es verändert ständig seine Hülle und schleicht sich so am Immunsystem vorbei. Wenn minimale Veränderungen in den Genen, die die Bauanleitung für die Rezeptoren liefern, auftreten, unterscheiden sich die neuen Rezeptoren etwas von den alten. Das Immunsystem muss dann erst die passenden Antikörper bilden. Werden ganze Gene zwischen verschiedenen Grippestämmen (nur bei Typ A-Viren möglich) ausgetauscht, entstehen ganz neue Grippevirus-Varianten.



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