Influenza Warum Sie sich jetzt gegen Grippe impfen lassen sollten

Noch hat die Grippewelle nicht begonnen. Doch wer sich mit einer Impfung schützen will, sollte nicht zu lange zögern. In diesem Jahr bietet der Impfstoff voraussichtlich einen besseren Schutz als im vergangenen Winter.

Impfausweis und Impfspritze
imago/Christian Ohde

Impfausweis und Impfspritze


Noch immer scheuen sich viele Menschen in Deutschland vor einer Grippeschutzimpfung. Ein häufiges Argument: Einen hundertprozentigen Schutz gibt es auch durch die Impfung nicht. Das stimmt. Der Impfstoff muss in jedem Jahr angepasst werden - je nachdem, welche Influenza-Viren kursieren und wie sich verändern. Das funktioniert nicht immer gleich gut. In diesem Jahr dürfte der Schutz jedoch besonders gut ausfallen.

Der Grund: Die Grippeschutzimpfung erfolgt in Deutschland nun grundsätzlich mit einem Vierfachimpfstoff. Zuvor übernahmen Krankenkassen meist nur die Kosten für einen günstigeren Dreifachimpfstoff. Deshalb bot die Impfung im vergangenen Jahr nur einen geringen Schutz, da der Impfstoff nicht die Virusvariante enthielt, die am häufigsten kursierte. Die Impfempfehlungen wurden mittlerweile angepasst.

Bessere Wirksamkeit

"Die Grippeschutzimpfung zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung wird in dieser Impfsaison ausschließlich mit einem Vierfachimpfstoff erfolgen", teilt der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen mit. Das Gremium legt fest, was in Deutschland Kassenleistung ist. Der G-BA folgt einer Empfehlung, die die Ständige Impfkommission (Stiko) des Robert Koch-Instituts (RKI) im Januar veröffentlicht hatte. Das ist so üblich.

Die Experten hatten die Wirksamkeit von Drei- und Vierfachimpfungen analysiert und waren zu dem Schluss gekommen, dass Letztere zusätzlich bis zu 388.000 Arztbesuche und bis zu 1800 Krankenhauseinweisungen während einer Grippesaison verhindern könnte. Experten kritisieren seit Längerem, dass der Nutzen der Impfung häufig unterschätzt werde. Laut einer Befragung ließen sich nur 40 Prozent der Menschen, denen eine Impfung empfohlen wird, auch tatsächlich immunisieren.

Warum sollte man sich impfen lassen?

Viele unterschätzen eine Grippe und verwechseln sie mit einem grippalen Infekt. Die Symptome der Grippe sind jedoch deutlich stärker. "Wenn man eine richtige Grippe hat, dann weiß man das", sagt der Virologe Stephan Ludwig von der westfälischen Wilhelms-Universität Münster. "Dann hat man nicht ein bisschen Schnupfen und Kopfdruck, dann hat man hohes Fieber und Schmerzen."

Selbst in unkomplizierten Fällen dauert eine Influenza fünf bis sieben Tage. Im schlimmsten Fall können lebensgefährliche Komplikationen auftreten wie Lungen- oder Herzmuskelentzündungen. Gerade ältere, jüngere und immungeschwächte Menschen sind gefährdet. Die vergangene Grippesaison verlief besonders heftig. Etwa 60.000 Grippepatienten mussten im Krankenhaus behandelt werden, mindestens 1665 starben an den Folgen der Infektion.

Auch wenn die Impfung nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion schützt, gilt sie als das beste Mittel gegen Grippe. Etwa eine halbe Million Grippeerkrankungen werden dadurch in Deutschland pro Jahr vermieden, schätzt das Robert Koch-Institut.

Wer sollte sich impfen lassen?

Ärzte empfehlen die Impfung besonders Menschen, denen eine Grippeinfektion besonders gefährlich werden kann. Dazu gehören:

  • Menschen ab 60 Jahren,
  • Schwangere ab dem zweiten Trimester (dann ist auch das Baby in den ersten Lebensmonaten geschützt),
  • chronisch Kranke,
  • medizinisches Personal und Pflegekräfte aufgrund ihres erhöhten Infektionsrisikos und der größeren Gefahr, den Erreger an Patienten weiterzugeben,
  • Bewohner von Alten- und Pflegeheimen.

Wann sollte man sich am besten impfen lassen?

Die Impfung ist am wirksamsten, wenn sie vor Beginn der Grippewelle erfolgt. Die Monate Oktober und November gelten als optimaler Zeitraum, eine Impfung ist aber auch danach noch möglich. Nach der Impfung dauert es 10 bis 14 Tage, bis sich der Impfschutz vollständig aufbaut. Die Grippesaison startet in Deutschland meist im Dezember oder Januar.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

In der Regel ist die Impfung gut verträglich. Vereinzelt können aber Beschwerden wie bei einer Erkältung auftreten. Außerdem kann es an der Einstichstelle vorübergehend zu Rötungen, leichten Schmerzen und Schwellungen kommen. Wer unter heftigeren Nebenwirkungen leidet, sollte einen Arzt aufsuchen.

Wer zahlt?

Krankenkassen sind verpflichtet, die Impfkosten für Menschen aus den Risikogruppen zu übernehmen. Sie können sich auch nicht mehr aussuchen, ob sie für den günstigeren Dreifachimpfstoff aufkommen, sondern müssen die teurere Vierfachimpfung bezahlen.

Einige Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Versicherten. Also auch dann, wenn die Patienten nicht als besonders gefährdet gelten. Die gemessen an ihren Mitgliedern größten Krankenkassen, die Techniker Krankenkasse (TK) und die Barmer, teilten auf Anfrage mit, dass sie die Impfkosten übernehmen, wenn die Patienten zur Risikogruppe gehören beziehungsweise ein Arzt die Impfung für sinnvoll erachtet. Außerdem erstatten auch einige Arbeitgeber die Kosten für eine Grippeschutzimpfung.

koe



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