Knapper Impfstoff: Ärzte fordern Neuregelung der Grippeschutzpläne
Chaos beim Grippeschutz: Weil Impfstoffhersteller Lieferschwierigkeiten haben, könnten viele Patienten leer ausgehen. Mediziner fürchten angesichts der bevorstehenden Grippewelle mehr Krankheitsfälle - und fordern dringend eine Änderung der Versorgungsregelung.
Hamburg - Wer sich vor der anstehenden Grippesaison für den kleinen Pieks zum Schutz vor der Influenza entschieden hat, könnte Pech haben: Noch immer warten Ärzte in Teilen Deutschlands auf ausreichende Impfstofflieferungen. Zwar hoffen die Mediziner in den betroffenen Regionen, das schützende Serum noch rechtzeitig zu bekommen. Doch weil sich die Lieferengpässe schon seit Wochen angedeutet haben, werden die Forderungen nach Neuregelungen immer lauter.
Insbesondere Ärzte in Bayern und Norddeutschland haben Probleme, genug Impfstoff zu bekommen. Die dortigen Kassen hatten nach einer Ausschreibung mit dem Pharmahersteller Novartis Verträge geschlossen, nach denen die Patienten mit dem günstigsten Impfstoff, dem Novartis-Präparat Begripal, beliefert werden sollten. In Folge der Engpässe sahen sich Kassen gezwungen, Verordnungen anderer Grippeimpfstoffe zu akzeptieren, um die Versorgung der Bevölkerung sicher zustellen. So wurden kurzfristig Ersatzimpfstoffe anderer Hersteller (darunter Sanofi Pasteur MSD, CSL und Abbott) freigegeben.
Doch nach Angaben aus Politik und Kassenkreisen soll es auch bei der Novartis-Konkurrenz nicht genug Vorräte geben. Demnach soll der Grund dafür sein, dass diese Firmen annahmen, sie würden ohnehin nicht im großen Maß zum Zuge kommen. Das Problem: Die Produktion von Impfstoffen braucht einen längeren Vorlauf und ist störanfällig. Außerdem ist die Haltbarkeit der Impfstoffe kurz, und sie müssen jedes Jahr den aktuellen Virusstämmen angepasst werden. Für viele Firmen nur dann ein rentables Geschäft, wenn sie mit einem entsprechenden Absatz rechnen können.
Eine Stellungnahme des Bergripal-Herstellers Novartis Vaccines and Diagnostics GmbH gab es zunächst noch nicht. In anderen Regionen Deutschlands gab es keine Ausschreibungen und infolgedessen auch keine Meldungen über Engpässe.
Ausschreibungen sorgen für Chaos
In der Koalition werden jetzt Forderungen laut, die Praxis zu überdenken. "Bei Impfstoffen müssen wir das Instrument der Ausschreibungen überprüfen", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU).
Der Präsident der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten, Peter Wutzler, warnte zudem vor einer schlechteren Versorgung der Patienten durch Exklusiverträge der Kassen mit Herstellern. Die Mediziner müssten die Freiheit haben, die jeweils effektivsten Impfstoffe einzusetzen, statt auf bestimmte Mittel festgelegt zu werden. "Die Ärzte müssen sich bei der Wahl der Impfstoffe nach der Wirksamkeit richten und sich an der jeweiligen Zielgruppe orientieren können", sagte Wutzler.
Auch Deutschlands Kassenärzte zeigen sich angesichts dieser Situation alles andere als erfreut. "Das ist ärgerlich, wenn nicht genügend Impfstoff vorhanden ist", sagte der Sprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Roland Stahl.
Am Donnerstag hatten die bayerischen Hausärzte Alarm geschlagen. Trotz anderslautender Ankündigungen der dortigen Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassenverbände sei bei den Hausärzten das ersehnte Serum noch nicht angekommen. Der Hausärzteverband fürchtet, dass der Impfstoff erst Anfang Dezember geliefert wird - und somit für viele Menschen zu spät.
Die Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein hatte berichtet, einige Arztpraxen hätten einen Ersatzimpfstoff erhalten - aber wegen Bedenken wieder zurückgeschickt. Weil Novartis die für Hamburg und Schleswig-Holstein benötigten 70.000 Dosen bisher nicht ausreichend liefern kann, bietet die Firma als Ersatz den Impfstoff Optaflu an. Dieser ist jedoch umstritten, weil er nicht nach dem klassischen Verfahren in Hühnereiern, sondern in speziell präparierten Tumorzellen von Hunden gezüchtet wird. Manche Mediziner kritisieren das Verfahren, weil in diesen Zellen noch Genbruchstücke enthalten seien, die immer noch Krebsinformationen enthalten könnten. Die Zulassungsbehörde, das Paul-Ehrlich-Institut (PEI), erklärt dagegen, Optaflu sei schon in 100.000 Fällen ohne Komplikationen eingesetzt worden.
Optimal für die Impfung ist die Zeit von September bis November, da die ersten Grippefälle meist im Dezember auftreten - nach der Impfung dauert es rund zwei Wochen bis zu einem wirksamen Influenza-Schutz im Körper.
Bayerns Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) will das Problem per Sondersitzung der Landesarbeitsgemeinschaft Impfen abmildern.
- Wer sollte sich gegen die Grippe impfen lassen?
DDP - Was sollten die Risikogruppen beachten?
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cib/dpa
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- Freitag, 19.10.2012 – 11:30 Uhr
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Durch Veränderungen des Körpers und des Immunsystem kann es passieren, dass schwangere Frauen das Virus nicht mehr so gut abwehren können. Im Laufe der Schwangerschaft steigt daher das Risiko für schwere Verläufe und Komplikationen wie eine Lungenentzündungen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Zusätzlich erhöht eine Infektion der Mutter das Risiko für Früh- und Fehlgeburten sowie Wachstumsstörungen.
Hinzu kommt, dass in der Schwangerschaft jede Gabe von Medikamenten gut überdacht werden muss - dies gilt auch für Arzneimittel, die gegen das Grippevirus wirken. Die Impfung hingegen ist für ist sowohl für die Mutter als auch für ihr ungeborenes Kind gut verträglich, wie viele Studien gezeigt haben. Es ist ausgeschlossen, dass sich die Schwangeren bei der Impfung mit dem Virus anstecken.
Darüber hinaus hat sie auch einen doppelten Nutzen: Da die Mutter über die Pazenta Antikörper an ihr Kind weitergibt, schützt die Impfung auch den Säugling in den ersten Monaten nach seiner Geburt vor einer Infektione. Andernfalls können Kinder erst ab einem Alter von sechs Monaten geimpft werden, entwickeln bei einer Ansteckung im ersten Lebensjahr allerdings auch eher Komplikationen.
Quelle: Faltblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Aus diesem Grund empfiehlt die Ständige Impfkomission (Stiko), eine Expertenkommission mit Sitz am Robert-Koch Institut, eine Grippeschutzimpfung insbesondere für Menschen, die 60 Jahre oder älter sind. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle Personen ab einem Alter von 60 Jahren, auch wird keine Praxisgebühr fällig.
Die Impfung ist in der Regel gut verträglich, hin und wieder kann es allerdings passieren, dass sich die Einstichstelle rötet, anschwillt und etwas schmerzt. Weitere mögliche Nebenwirkungen sind eine erhöhte Körpertemperatur und ein allgemeines Unwohlsein, beides gibt sich jedoch in der Regel nach ein bis zwei Tagen.
Geimpfte sollten allerdings unbedingt beachten, dass eine Impfung gerade bei einem geschwächten Immunsystem unter Umständen keinen hundertprozentigen Schutz liefert. Wer typischen Syndrome entwickelt - Fieber, Halsschmerzen, trockener Husten, heftige Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen - sollte deshalb trotz Impfung sofort zum Arzt.
Quelle: Faltblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Um sie vor einer Ansteckung zu schützen, sollten sich nach Möglichkeit auch Angehörige und enge Kontaktpersonen von chronisch Kranken gegen die saisonale Grippe impfen lassen, empfiehlt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Impfung sollte am besten vor Beginn der Grippesaison im Oktober oder November erfolgen, da es etwa zwei Wochen dauert, bis der Körper seinen Schutz voll aufgebaut hat.
Zu den Erkrankungen, durch die ein höheres Risiko bei der saisonalen Grippe bestehen, zählen: Chronische Krankheiten der Atmungsorgane (inklusive Asthma), Herz- oder Kreislaufkrankheiten, Leber- oder Nierenkrankheiten, Stoffwechselkrankheiten wie zum Beispiel diabetes, chronische neurologische Krankheiten wie Multiple Sklerose, angeborene und erworbene Immundefekte, HIV-Infektionen. Die Btroffenen sollten die Impfung immer mit ihrem Arzt besprechen, um Rücksicht auf Besonderheiten ihrerVorerkrankung nehmen zu können.
Quelle: Faltblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Hinzu kommt, dass durch den engen Kontakt mit Patienten auch das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, erhöht ist. Der Erreger der saisonalen Grippe ist hoch ansteckend und kann schon vor Ausbruch der Symptome übertragen werden. Dabei kann ein Händedruck mit einer infizierten Person kann ausreichen.
Betroffene sollten sich aus diesem Grund rechtzeitig vor Beginn der Grippewelle im Oktober oder November impfen zu lassen. Nach circa zwei Wochen ist der Körper vor einer Ansteckung mit dem Virus geschützt. Häufig werden spezielle Imfptermine direkt am Arbeitsplatz angeboten, so dass die Impfung nur mit einem geringen Aufwand verbunden ist.
Studien zeigen außerdem, dass etwa die Menschen in einem Alten- oder einem Pflegeheim am besten geschützt sind, wenn sowohl Patienten beziehungswese Bewohner als auch das Personal gegen die saisonale Grippe geimpft sind. Demnach lohnt es sich auch, auf die Impfungen der Patienten und Bewohner zu achten. Ebenfalls hilfreich sind Hygienemaßnahmen wie das häufige Händewaschen und das Niesen sowie Husten in die Armbeuge oder ein Papiertaschentuch.
Quelle: Flatblatt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
1. Häufig die Hände waschen. Wasser und normale Seife reichen aus, spezielle antibakterielle Seife ist nicht notwendig.
2. Die Hände vom Gesicht fernhalten. Hat man einen mit dem Virus belasteten Gegenstand angefasst, ist das Risiko groß, sich zu infizieren, wenn man sich an die Nase oder den Mund fasst.
3. Während der Grippewelle Abstand zu anderen Personen halten, engen Kontakt vermeiden. Dazu zählt auch, anderen die Hand zu geben, sie zu küssen oder zu umarmen.
Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de
1. Beim Niesen Nase und Mund bedecken, am besten in ein Papiertaschentuch oder den Ärmel niesen und husten, auf keinen Fall in die Hand!
2. Benutzte Taschentücher umgehend entsorgen, so dass sie andere Menschen möglichst nicht berühren können. Am besten Einwegtücher benutzen.
3. Häufig die Hände waschen, vor allem, nachdem man ein Taschentuch angefasst hat.
4. Enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermeiden und mindestens zwei Meter Abstand halten. Dies gilt vor allem beim Kontakt mit Schwangeren, chronisch Kranken, Kindern und älteren Menschen.
5. In der akuten Erkrankungsphase möglichst zu Hause bleiben und regelmäßig lüften, damit der Körper frische Luft erhält und sich die Zahl der virusbelasteten feinen Tröpfchen in der Luft reduziert.
Quellen: Robert Koch-Institut, Gesundheitsinformation.de
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- Grippe: Was Sie über Influenza, Impfung und Grippeschutz wissen sollten
- Influenza: Alles, was Sie über die Virusgrippe wissen sollten (Dossier zum Download)
- Paul-Ehrlich-Institut: Informationen zu den aktuellen Grippeimpfstoffen
- Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen zur Grippeimpfung
- Robert Koch-Institut: Häufig gestellte Fragen zur Influenza
- Aktuelle Lage Influenza: Arbeitsgemeinschaft Influenza des Robert Koch-Instituts
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