Gürtelrose Attacke von innen

In der Kindheit sorgen sie für Windpocken, dann schlummern sie im Körper, später führen sie zur Gürtelrose: Herpesviren. Der äußert schmerzhafte Ausschlag sollte möglichst früh und konsequent behandelt werden, vor allem im Gesicht wird er sonst zur Gefahr.

Gürtelrose am Oberkörper: Die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochansteckend
Corbis

Gürtelrose am Oberkörper: Die Flüssigkeit in den Bläschen ist hochansteckend


Dumpfe Schmerzen an Bauch, Brust, Rücken oder im Gesicht, Schlappheit, allgemeines Unwohlsein, Kribbeln, Jucken - so fängt bei vielen der jährlich 400.000 Betroffenen eine Gürtelrose an. Wenige Tage nach diesen ersten Symptomen bilden sich eng nebeneinanderliegende, gürtelförmig verteilte kleine rote Flecken. Sie werden zu Bläschen, gefüllt mit hochansteckender Flüssigkeit - darin das Varicella-Zoster-Virus (VZV). Mediziner nennen die Krankheit auch Herpes Zoster.

Nach dem ersten Kontakt mit dem Virus verursacht es Windpocken. "Daran erkranken wir so gut wie alle bereits in der Kindheit", sagt Ingrid Moll, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. Danach tauchen die Viren in den Nervenknoten des Rückenmarks und in den Hirnnerven ab und verstecken sich dort.

"Eine Gürtelrose entwickelt sich viele Jahre nach der Erstinfektion, wenn das Immunsystem geschwächt ist. Mögliche Ursachen sind chronische Krankheiten und Blutkrankheiten. Auch Medikamente, die das Immunsystem unterdrücken, können Ursache eines erneuten Virusbefalls sein", sagt die Hamburger Medizinerin. Dazu zählen unter anderem die zur Rheuma-Therapie eingesetzten Biologika.

Schwaches Immunsystem, hohes Risiko

Die Medikamente erhöhen das Risiko für eine Gürtelrose auf fast das Doppelte. Patienten mit verringertem Immunschutz erkranken laut Moll zweimal an einer Gürtelrose, während die Hautkrankheit bei anderen Betroffenen meist nur einmal auftritt. In manchen Fällen können auch chronischer Stress und ausgeprägte Schlafstörungen das Krankheitsrisiko steigern.

Da sich mit zunehmendem Alter die Immunfunktion etwas verschlechtert, erhöht sich das Risiko für eine Gürtelrose zudem im Laufe des Lebens. Mehr als zwei Drittel der Betroffenen sind über 50 Jahre alt. "Erkrankt ein eigentlich gesunder oder ein junger Mensch an einer Gürtelrose, sollte das ein Anlass sein, genauer nachzuforschen. Nach einer ersten Anamnese sollte zum Beispiel mit Hilfe von Ultraschall, Röntgen und Blutuntersuchungen nach einer bislang unentdeckten, das Immunsystem schwächenden Erkrankung gesucht werden", rät Moll.

Bei der Entstehung einer Gürtelrose dringen reaktivierte Varicella-Zoster-Viren in die Nervenzellen ein. Die Zellen entzünden sich daraufhin und schmerzen heftig. Von ihnen aus wandern die Viren entlang der Nervenfasern zu dem Hautbereich, der von dem befallenen Nervenknoten versorgt wird, oft eine Stelle am Rumpf. Richtig behandelt heilt die Gürtelrose innerhalb von vier Wochen wieder aus.

Besonders gefährlich im Gesicht

Bei unbehandelten oder zu spät behandelten Patienten hingegen können die auftretenden, mitunter sehr starken Schmerzen über Wochen bis Monate fortbestehen. Schon die Berührung der Haut mit der Kleidung kann einen Schmerzreiz hervorrufen. Dann spricht man von einer postzosterischen Neuralgie. "Früher war dies eine häufige Folge einer Gürtelrose. Seitdem es Aciclovir gibt, ist diese Neuralgie glücklicherweise selten geworden", sagt Moll.

Bei etwa jedem zehnten Patienten tritt die Gürtelrose im Gesicht auf. Die Viren haben in diesem Fall einen Ast eines Hirnnerven befallen, der im Bereich der Stirn, der Wange oder des Kinns verläuft. Eine Gürtelrose im Gesicht ist gefährlich und kann zu schweren Komplikationen führen. Seh- und Hörminderungen sowie eine einseitige Gesichtsmuskellähmung sind mögliche Folgen. Auch die Hirnhäute können sich entzünden.

Schmerztherapie gegen das Schmerzgedächtnis

"Derartige Komplikationen und die postzosterische Neuralgie müssen nicht sein", sagt Moll. Um sie zu verhindern, sei eine konsequente und frühe Behandlung der Gürtelrose wichtig: "Die Infektion muss bereits in den ersten 48 bis 72 Stunden für eine Woche oder länger mit dem antiviralen Wirkstoff Aciclovir als Infusion oder in Tablettenform therapiert werden." Parallel sei eine Schmerztherapie mit Paracetamol bis hin zu Opioiden notwendig, um die Bildung eines Schmerzgedächtnisses zu verhindern.

Die Hamburger Ärztin rät jedem, der die typischen Gürtelrose-Symptome hat, unbedingt gleich zum Arzt zu gehen und darauf zu bestehen, dass er geeignete Medikamente bekommt. "Diese Viruserkrankung darf man nicht auf die leichte Schulter nehmen", mahnt die Dermatologin.

Abgesehen davon existiert eine sogenannte Zosterimpfung für Personen ab 50, die schon mal Windpocken hatten. Allerdings kann der Zoster-Impfstoff nicht alle Geimpften vor einer Gürtelrose schützen. Wer trotzdem erkrankt, bekommt die Gürtelrose aber nur in abgeschwächter Form mit deutlich geringeren Nervenschmerzen. Allerdings kann die Impfung nicht erfolgen, wenn jemand Medikamente einnimmt, die das Immunsystem unterdrücken. Der Impfstoff enthält nämlich abgeschwächte Viren. Wegen einer Kostenübernahme ist es ratsam, erst bei der Kasse nachzufragen.

insgesamt 50 Beiträge
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Seite 1
frampa 06.02.2014
1. Ein Shot und alles ist erledigt
Ich habe mich in den USA gegen Gürtelrose impfen lassen. Diese Impfung bekommt man einmal im Leben. Das Ergebnis ist nie mehr Gürtelrose. Die Impfung hatte 300 $ gekostet, ist zwar teuer aber man hat nie mehr das Problem eine Gürtelrose zu bekommen. Sie heißt dort Shingles Shot. Ist nur zu empfehlen das beim nächsten US Aufenthalt auch durchführen zu lassen falls man mit Gürtelrose zu tun hat.
earl grey 06.02.2014
2. Faciales Lähmung
Zitat von sysopCorbisIn der Kindheit sorgen sie für Windpocken, dann schlummern sie im Körper, später führen sie zur Gürtelrose: Herpes-Viren. Der äußert schmerzhafte Ausschlag sollte möglichst früh und konsequent behandelt werden, vor allem im Gesicht wird er sonst zur Gefahr. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/guertelrose-schmerzhafter-ausschlag-durch-varicella-zoster-viren-a-946399.html
Die Herpes-Viren der Gürtelrose können noch andere Krankheiten auslösen. So hatte ich vor Jahren nach dem Besuch eines Bekannten mit Gürtelrose eine Gesichtlähmung (Faciales Lähmung). Dabei funktionieren bei der betroffenen Gesichtshälfte die Muskeln nicht mehr, die Wangen fallen ein, das Augenlied funktioniert nicht mehr (das Auge läuft trocken) usw. - Kaffee nur noch mit Strohhalm... Mit einer starken Gabe von Aceclovier über 5 Tage war der Spuk dann nach rund 10 Tagen vorbei. Eine Gürtelrose kann also durchaus auch Auslöser sein und muss nicht direkt selber auftreten.
cindy2009 06.02.2014
3.
Na toll. Bin keine 50 und hatte das letztes Jahr. Da wurden nur Schmerzmittel verschrieben. Und der Arbeitgeber hat mich nicht arbeiten lassen.
Celestine 06.02.2014
4.
Zitat von frampaIch habe mich in den USA gegen Gürtelrose impfen lassen. Diese Impfung bekommt man einmal im Leben. Das Ergebnis ist nie mehr Gürtelrose. Die Impfung hatte 300 $ gekostet, ist zwar teuer aber man hat nie mehr das Problem eine Gürtelrose zu bekommen. Sie heißt dort Shingles Shot. Ist nur zu empfehlen das beim nächsten US Aufenthalt auch durchführen zu lassen falls man mit Gürtelrose zu tun hat.
Stimmt nicht. Die Wirksamkeit soll nur bei etwa 40-50% liegen, habe ich erst kürzlich gelesen. In Finnland sollen alle Bürger ab 50 sich impfen lassen. Und auch hier in D kann man sich impfen lassen, nehme ich an, nur wird darüber nirgends informiert.
DrnichtNamensbestandteil 06.02.2014
5. Frau Dermatologin gibt einen
na dann. Angemessen Medikamente? Neuester Trend. jede Autoimmunerkranung mit Biologika zuzuballern. Lustig,dass die selbsterklärte Elite,die Schrödinger s KAtze nur aus der Big Bang Theory kennt(anderer Foristenbeitrag), ehemals alles mit Glucorticoiden zuschoss und noch die Lüge verbreitete,diese wirkten nur topisch. Man kann sicher sein ,dass Ärzte ihre asthmatischen Kinder sicherlich mit Mastzellenstabilisatoren bzw. Bioligika zuballern ,um nicht unästhetische Nebenwirkungen zu induzieren. Die Kosten sind natürlich egal, die Allgemeinheit zahlts in ihrem ökosozialen Schönheits- und Ästhetikwahn, der die Generation Y in den warmen ,überbezahlten Schoss der öffentlich bediensteten Medizin treibt.
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