Strahlenkrankheit So heimtückisch tötet Polonium-210

Für Mörder ist es die ideale Tatwaffe: Die Strahlung des radioaktiven Polonium-210 ist von außen kaum eine Gefahr. Erst wenn das Isotop in den Körper gelangt, entfaltet es seine zerstörerische Wirkung.

Von Cinthia Briseño

Symbol für Radioaktivität: Kleinste Mengen Polonium-210 genügen, um zu töten
REUTERS

Symbol für Radioaktivität: Kleinste Mengen Polonium-210 genügen, um zu töten


Es war ein Attentat wie in einem Thriller: Auf rätselhafte Weise erkrankte 2006 der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko und siechte qualvoll dahin. Die Haare fielen ihm aus, er wurde immer schwächer, es kam zu Blutungen. Am 23. November starb er schließlich in einem Londonder Krankenhaus - an einer "hohen Dosis" Polonium-210.

Auch bei Jassir Arafat spielte das Gift vermutlich eine Rolle. Schweizer Wissenschaftler haben Poloniumspuren in seinen Rippen, im Becken und im Erdreich um sein Grab gefunden. 18fach über dem Normalwert sollen sie liegen.

Polonium-210 ist eines von 25 Isotopen des chemischen Elements Polonium. In geringsten Mengen kommt es in der Natur vor: Sowohl im menschlichen Körper ist es zu finden als auch in der Luft, Erde oder in Tabak. Das Isotop ist instabil und zerfällt - mit anderen Worten: Polonium-210 ist radioaktiv.

Alphastrahlung wird leicht abgeschirmt

Bei der Strahlung, die Polonium abgibt, handelt es sich um die Alphastrahlung. Diese besteht aus Heliumkernen und ist normalerweise ungefährlich, wenn sie von außen auf den Körper trifft. Die menschliche Haut genügt als Barriere, um die Alphastrahlung abzuschirmen. Auch für jenen, der das Polonium-210 etwa in einem Glasfläschchen transportiert, besteht deshalb keine Gefahr.

Anders ist es, wenn Polonium-210 in den Körper gelangt - entweder über das Essen, über Getränke oder durch Einatmen. Dann entfaltet die Strahlung ihre zerstörerische Wirkung. Je nach Dosis langsam binnen Wochen oder schnell binnen Tagen.

Zwar wird ein großer Teil des aufgenommenen Poloniums direkt wieder ausgeschieden. Doch über den Blutstrom erreicht der Rest verschiedene Gewebe und Organe. Dort hat die Alphastrahlung eine so große Energie, dass sie Zellstrukturen geradezu zertrümmert. Zudem schädigt sie die DNA. Ist das Erbgut zu schwer beschädigt, stirbt die Zelle ab. Vor allem bei jenen Zellen, die sich schnell teilen, macht sich das als erstes bemerkbar - etwa bei Knochenmarks- oder Darmzellen.

Ein Prozess kommt in Gang, der als gefährliche Strahlenkrankheit bekannt ist. Meist fängt es mit Schwindel und Kopfschmerzen an. Später kommen Symptome wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Müdigkeit hinzu. Auch Jassir Arafat soll seiner Witwe zufolge 2004 als 75-jähriger, gesunder Mann nach einer Mahlzeit über Übelkeit geklagt haben. Vier Wochen später, am 11. November, war er tot.

Haarausfall und Blutungen aus Mund oder Nase

Im weiteren Verlauf der Strahlenkrankheit treten unkontrollierte Blutungen etwa aus Nase, Mund oder Rektum auf, es kommt zu Haarausfall und Blutarmut. Im schlimmsten Fall kollabiert der Körper: Koma, Kreislaufversagen und ähnliche dramatische Auswirkungen können den Tod bringen. Bei weniger hohen Dosen sind Leber- und Blasenkrebs, Leukämie und ähnlich schwere Erkrankungen die Folge.

Nach Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) reicht weniger als 0,1 Mikrogramm (Millionstel Gramm) Polonium-210 für einen tödlichen Giftanschlag aus. Gleichwohl: Nur wenige Länder können es mit Hilfe eines Nuklearreaktors herstellen. Schätzungen zufolge werden weltweit gerade einmal hundert Gramm pro Jahr produziert. Wie hoch die Polonium-210-Menge bei Arafat gewesen sein könnte, die ihn vermutlich tötete, ist vollkommen unklar.

Am einfachsten lässt sich Polonium-210 im Körper über Urinproben nachweisen. Etwas aufwendiger ist der Nachweis über Stuhlproben. Doch die biologische Halbwertszeit von Polonium-210 beträgt nur 50 Tage. Nach 50 Tagen ist nur noch die Hälfte der aufgenommenen Menge im Körper.

Ob die gefundenen Poloniumspuren im Körper und im Grab von Arafat genügen, um eindeutig zu beweisen, dass er damit vergiftet wurde, ist deshalb nach wie vor ungewiss. Die Menge an Polonium-210, die natürlich im Körper und im Boden vorkommt, beträgt lauf BfS 60 Becquerel. Unklar ist, ob sich der 18fach erhöhte Wert in den Untersuchungsergebnissen der Schweizer Wissenschaftler darauf bezieht.

Laut "Guardian" sind selbst sie mit einer endgültigen Aussage vorsichtig. In ihrem Prüfungsbericht heißt es: Die Resultate "unterstützen moderat die These, dass der Tod die Folge der Vergiftung mit Polonium-210 war".

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hatte gestanden, Alphastrahlung bestünde aus Elementarteilchen. Das ist falsch. Es handelt sich um Heliumkerne, bestehend aus zwei Protonen und zwei Neutronen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen. Die Halbwertszeit von Polonium-210 beträgt 138,4 Tage. Im Artikel ist die biologische Halbwertszeit gemeint.



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insgesamt 86 Beiträge
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Seite 1
kurswechsler 06.11.2013
1. Stimmt!
Zitat von sysopREUTERSFür Mörder ist es die ideale Tatwaffe: Die Strahlung des radioaktiven Polonium-210 ist von außen kaum eine Gefahr. Erst wenn das Isotop in den Körper gelangt, entfaltet es seine zerstörerische Wirkung. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/gutachten-zu-arafat-so-toetet-polonium-210-a-932246.html
Stimmt! Plutonium ist ein ideal abzuschließendes Kontaktgift. Der Einstieg in die Plutoniumwirtschaft eine verpasste Chance an dieser Stelle. Blausäure ißt man ja auch nicht in sich hinein. Aber Atom , Atom essen Seele und Vorstand auf.
deutschleerer 06.11.2013
2. Leider voller Fehler. Aber Hauptsache Sensation.
"18fach über dem Normalwert sollen sie liegen." Über welchem Normalwert? Normal im Körper oder normal im Boden? Egal, denn beides wäre harmlos. So ein Käse. "Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften ist das Isotop instabil und zerfällt" Kappes. Das hat mit Chemie garnix zu tun. Po zerfällt egal in welcher chemischen Verbindung gleich schnell. Das ist Physik. Aber Hauptsache ne wilde Geschichte. Gar nix is da bisher dran.
spon-facebook-605431180 06.11.2013
3. So viele Fehler
In nur einem Artikel! Ein gelegentlicher Blick in Wikipedia könnte dem Autor nicht schaden. Oder mal mit einem Physiker reden bevor man so einen Quatsch veröffentlicht.
soltram 06.11.2013
4. Bitte etwas mehr recherchieren
1. alpha-Strahlung besteht nicht aus Elementarteilchen, sondern aus hochenergetischen (=schnellen) Helium Kernen: 2Protonen+2Neutronen 2. Becquerel sind Zerfälle pro Sekunde. Eine Angabe ohne Bezug auf z.B. Kilo oder Liter ist sinnlos. Wenn ich 10 Kilo radioaktive Erde habe zerfällt da natürlich 10mal mehr als in einem Kilo. 3. Wo soll diese Zahl 60 herkommen? Für Erdreich hab ich auf die Schnelle nichts gefunden, aber für Trinkwasser, Quelle ist das oben genannte BFS: http://www.bfs.de/de/ion/nahrungsmittel/TW_Bericht_2009.pdf S.25, Dort werden 0.0004 Becquerel pro Liter im Mittel im Trinkwasser (Median).
zensorsliebling 06.11.2013
5. Polonium (Po) nicht Plutonium (Pu)...
Zitat von kurswechslerStimmt! Plutonium ist ein ideal abzuschließendes Kontaktgift. Der Einstieg in die Plutoniumwirtschaft eine verpasste Chance an dieser Stelle. Blausäure ißt man ja auch nicht in sich hinein. Aber Atom , Atom essen Seele und Vorstand auf.
Wieviele Stümper wollen eigentlich noch lesen, was sie zu kennen glauben? Plutonium (239) ist mit einer Halbwertszeit von 24000 Jahren schwach radioaktiv und damit das genaue Gegenteil von Polonium (210). Seid ihr alle total merkbefreit?
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