Hämorrhoidalleiden Wenn eine Operation nötig ist

Wenn Hämorrhoiden zu stark vergrößert sind, müssen sie operativ behandelt werden. Dafür stehen neben der Entfernung mit dem Skalpell auch neue, schonende Verfahren zur Verfügung.

Tupfer, Klemme, Skalpell: Bei fortgeschrittenem Hämorrhoidalleiden müssen die Knoten operativ behandelt werden
Corbis

Tupfer, Klemme, Skalpell: Bei fortgeschrittenem Hämorrhoidalleiden müssen die Knoten operativ behandelt werden


Zu Beginn der Erkrankung können vergrößerte Hämorrhoiden noch verödet werden. Im fortgeschrittenen Stadium III aber fallen die Hämorrhoidalknoten bereits ohne Pressen durch den After nach außen und ziehen sich nicht von allein zurück. Die Knoten müssen dann operativ behandelt werden. Dafür wird neuerdings die sogenannte Stapleroperation nach Longo eingesetzt. Statt die Hämorrhoidalknoten komplett wegzuschneiden, werden die Schleimhaut und das darunter liegende Gewebe geliftet und so wieder in die anatomisch korrekte Position gebracht.

"Langzeitergebnisse zeigen, dass nach einem solchen Eingriff nur bei jedem zehnten Patienten erneut Hämorrhoidalknoten auftreten", sagt Bernhard Strittmatter, Enddarmspezialist aus Freiburg. Allerdings gilt das nur, wenn die Methode ausschließlich bei Fällen angewendet wird, bei denen sich die Hämorrhoidalknoten nicht dauerhaft nach außen verlagert haben. "Wenn bleibend äußere Knoten vorhanden sind, wie das im Stadium IV der Fall ist, ist das Verfahren ungeeignet", warnt auch der Chirurg Wolfgang Thasler vom Münchner Klinikum Großhadern.

Neue Verfahren im Einsatz

Ein noch relativ neues Verfahren ist die ambulant durchführbare Hämorrhoidalarterien-Ligatur (HAL), die auch schon bei Hämorrhoidalleiden Stadium II eingesetzt wird. Da jene Arterien, die die Hämorrhoiden mit Blut versorgen, nicht immer wie im Lehrbuch verlaufen, werden sie bei der HAL mittels einer Ultraschallsonde dargestellt. Die Hämorrhoidalarterien werden dann mit einer Nadel umstochen und die Blutzufuhr wird anschließend mit einer Drahtschlinge verringert, so dass die Gefäßknoten abschwellen können.

HAL kommt ohne Schnitte aus, weshalb keine offenen Wunden entstehen - ein Vorteil gegenüber einer Operation. Zusätzlich ist es bei Hämorrhoidalleiden im Stadium III möglich, die vorgewölbten Knoten durch Nähte im Inneren zu befestigen. Sie werden da fixiert, wo sie anatomisch hingehören. Das Gewebe vernarbt und fügt sich wieder in das Enddarmgewebe ein. Man spricht dann von HAL-RAR, wobei RAR für Recto Anal Repair steht.

Operativer Eingriff im Endstadium

Im Stadium IV des Hämorrhoidalleidens verlagert sich der Analkanal nach außen und muss operativ rekonstruiert werden. Die Hämorrhoidalknoten werden samt bedeckender Schleimhaut weggeschnitten (Hämorrhoidektomie). "Die gängigen OP-Verfahren führen, wenn sorgfältig operiert wird, nur selten zu einem erneuten Auftreten von Hämorrhoidalknoten", so Thasler. Allerdings entstehen dabei offene Wunden und Nachblutungen, Wundinfekte und Abszesse gehören zu den Operationsrisiken. Nach dem Eingriff sind die Patienten mitunter für einige Tage arbeitsunfähig. Das RAR-Verfahren, bei dem keine offenen Wunden auftreten, ist ebenfalls im Stadium IV einsetzbar.

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