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16. August 2017, 16:00 Uhr

Hämorrhoiden

Bitte nicht pressen

Wenn es am Po juckt und brennt, kann das an Hämorrhoiden liegen. Sie sollten zügig behandelt werden - im späten Stadium hilft nur noch eine Operation. Zudem gibt es Möglichkeiten, dem Leiden vorzubeugen.

Es juckt, es brennt - und das auch noch am Hintern. Vielen ist das so peinlich, dass sie nicht einmal mit ihrem Hausarzt darüber sprechen. Dabei ist genau das angeraten. Denn meist handelt es sich um ein erst einmal harmloses Problem, das aber unbehandelt immer dramatischer werden kann: Hämorrhoiden.

Bei Hämorrhoiden handelt es sich um gut durchblutete Schwellkörper, die den Enddarm verschließen. "Jeder hat sie, das ist etwas ganz Natürliches", sagt Bernhard Strittmatter, Facharzt für Chirurgie und Proktologie in Freiburg. Ohne Hämorrhoiden wäre der Mensch inkontinent. Sind die Schwellkörper vergrößert, leiern sie aus und können den Enddarm nicht länger abdichten. In der Folge dringt Flüssigkeit aus dem unteren Mastdarm nach außen auf die empfindliche Haut im Analbereich.

Das kann nicht nur jucken und brennen, sondern auch nässen oder vielleicht sogar bluten. "Ist das Blut hellrot, dann verdichten sich die Hinweise auf erweiterte Hämorrhoiden", erklärt Andreas Ommer, Facharzt im Enddarm- und Dickdarmzentrum Essen. Ist das Blut allerdings dunkelrot, dann kann dies ein Indiz für eine Darmerkrankung sein. Betroffene sollten die Ursache unbedingt von einem Arzt abklären lassen.

Mit einer Enddarmspiegelung können Mediziner zum Beispiel eine Enddarmentzündung, Polypen oder Tumore ausschließen. Dabei führen sie ein Rohr mit eingebauter Linse in den After des Patienten ein. Mit einer weiteren Untersuchung, der Proktoskopie, können Ärzte beurteilen, wie sehr die Hämorrhoiden vergrößert sind. Um Erkrankungen wie Darmkrebs oder Blutungen aus anderen Darmabschnitten auszuschließen, ist eine Spiegelung des kompletten Darms sinnvoll.

Risikofaktoren: Verstopfung und Bewegungsmangel

Hämorrhoiden sind keine Krankheit des Alters. "Häufig trifft es Frauen und Männer zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr", sagt Ommer. Die Ursache ist meist Veranlagung. "Es kann etwa eine genetisch bedingte Bindegewebsschwäche vorliegen", sagt Strittmatter, der auch Vorsitzender des Berufsverbands der Coloproktologen Deutschlands (BCD) ist.

Risikofaktoren sind Verstopfung und Bewegungsmangel: Ist der Körper nicht aktiv, wird auch der Darm träge und der Betroffene sitzt länger auf der Toilette. Dabei ist es besser, nur dann aufs Klo zu gehen, wenn man wirklich muss. Sonst presst man zu sehr, wodurch die Hämorrhoiden ebenfalls auf Dauer ausleiern.

Damit es so weit nicht kommt, sollten Betroffene möglichst frühzeitig zum Arzt gehen. Ein Hämorrhoidalleiden verläuft in vier Krankheitsstadien.

"Im Stadium eins wird ein Medikament in die vergrößerten Hämorrhoiden gespritzt, wodurch sich die Schwellkörper wieder zusammenziehen", sagt Ommer. Im zweiten Stadium wird ein Gummiring über den erweiterten Teil der Hämorrhoiden gestülpt, so wird er abgebunden. Das überschüssige Gewebeteil fällt nach etwa zwei Wochen mit dem Stuhlgang ab. Im Stadium drei und vier hilft nur noch eine Operation, bei der das überschüssige Gewebe entfernt wird.

Was vorbeugend hilft

Wer vorbeugend etwas gegen erweiterte Hämorrhoiden tun will, sollte viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukte essen und sich oft bewegen. Viel Trinken sorgt ebenfalls dafür, dass der Darm optimal arbeiten kann. Wer zu Verstopfung neigt, sollte Flohsamen einnehmen und dabei viel trinken, rät Ommer. Flohsamen gelten als ballaststoffreich und sorgen durch ihr Quellvermögen für eine sanfte Regulierung des Darms. Gegen das Jucken und Brennen kleiner Hämorrhoiden helfen Salben, Zäpfchen oder Anal-Tamponaden.

Sabine Meuter, dpa/jmo

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