Hämorrhoiden Therapien für die Tabuzone

Blut im Stuhl, Juckreiz, Inkontinenz: Das Hämorrhoidalleiden ist ein Tabu - und eine Volkskrankheit. Wer seine Ernährung früh umstellt, sich mehr bewegt und rechtzeitig behandelt wird, kann das Fortschreiten verhindern.

Toilette: Mit Hämorrhoiden kann der Gang zur Toilette zur Qual werden
Corbis

Toilette: Mit Hämorrhoiden kann der Gang zur Toilette zur Qual werden


Über krankhaft veränderte Hämorrhoiden spricht niemand gern. Blutungen beim Stuhlgang, Brennen, Nässen und Juckreiz am empfindlichen Gewebe um den After herum oder gar leichte Stuhlinkontinenz - das sind die typischen Symptome der Hämorrhoiden, über die man lieber schweigt. Dabei hat schätzungsweise jeder Dritte über 30 Jahre und jeder Zweite über 50 Jahre ein Hämorrhoidalleiden. Ärzte sprechen von einer Volkskrankheit.

Hämorrhoiden sind ein natürlich vorkommender und wichtiger Schwellkörper am unteren Ende des Mastdarms, der aus einem Geflecht von Arterien und Venen gebildet wird. Gemeinsam mit dem Schließmuskel des Afters dichtet dieser Schwellkörper den Darmausgang ab. Die Blutgefäße können sich aber durch zu viel Druck, eine Schwangerschaft oder falsche Ernährung krankhaft verändern. "Wird längere Zeit oder regelmäßig Druck auf die Hämorrhoiden ausgeübt, erschlafft das Gewebe und das Blut kann nicht abfließen, um die Stuhlentleerung zu erleichtern", sagt der Enddarmspezialist Bernhard Strittmatter, Vorsitzender des Berufsverbandes der Deutschen Coloproktologen. "Die Gefäße schwellen an und die Hämorrhoiden stülpen sich nach außen."

Dann fängt es an zu jucken, zu brennen oder zu bluten. Im Extremfall treten die veränderten Gefäße bei körperlicher Anstrengung durch den After aus. Treten dagegen Schmerzen beim Stuhlgang auf, deutet dies auf Einrisse, sogenannte Fissuren, am After hin.

Bewegung und Ernährung haben großen Einfluss

Aber was verursacht den ursächlichen Druck? "Unsere Ernährungsweise ist schuld", sagt Strittmacher, "wir essen zu ballaststoffarm und zu viel Fleisch." In Ländern mit einer vorwiegend vegetarischen Ernährungsweise gebe es diese Probleme viel seltener als in Deutschland. Außerdem trinken viele Menschen nicht genug, bewegen sich zu wenig und aktivieren dadurch die Darmbewegungen kaum. Beides führt zu Verstopfung - was wiederum wie Übergewicht oder eine Schwangerschaft den Druck im Bauchraum erhöht. "Lange Sitzungen auf der Toilette sind die Folge, oft mit starkem Pressen", so Strittmacher.

Hämorrhoidalleiden treten familiär gehäuft auf. "Es scheint genetisch bedingt zu einer Bindegewebsschwäche zu kommen, weil leicht verändertes Kollagen produziert wird", sagt Wolfgang Thasler, Chirurg und Experte für Hämorrhoidalleiden am Klinikum Großhadern. "Aber wir wissen noch zu wenig darüber." Zwar lässt sich die Genetik nicht ändern, aber die gute Nachricht ist: Jeder kann selbst etwas tun, indem er die eigene Lebensweise umstellt, um den Gefäßveränderungen vorzubeugen.

Frühes Handeln ist wichtig

Das Hämorrhoidalleiden ist vergleichsweise gut zu therapieren. Aber es gilt: Je früher es behandelt wird, desto unkomplizierter. Mit steigendem Erkrankungsgrad müssen Ärzte immer schärfere Maßnahmen ergreifen. Proktologen unterscheiden vier Stadien: Im Stadium I blutet es typischerweise immer wieder beim Stuhlgang, im Stadium II fallen die Knoten beim Pressen in den Analkanal vor und ziehen sich im Stadium III nicht mehr von allein zurück. Verlagert sich der Analkanal nach außen und muss operativ rekonstruiert werden, befindet sich der Betroffene im Stadium IV.

Zu Beginn der Erkrankung ist Veröden oder Sklerosieren eine geeignete Behandlungsmaßnahme, weil sich die Hämorrhoidalknoten so verkleinern lassen. Bei 85 Prozent der Betroffenen wirkt es sofort und die Symptome verschwinden nahezu. Allerdings bekommen zwei Drittel der Patienten nach etwa zwei bis drei Jahren wieder Probleme. Tritt Juckreiz auf, kann außerdem Zinkpaste helfen. Gegen eine Entzündung und Schwellung helfen auch Kortikosteroide und Lokalanästhetika. In allen Stadien gilt: viel trinken und ballaststoffreich ernähren.

"Das darf man nicht auf die lange Bank schieben"

Im Stadium II erfolgt entweder eine Sklerosierung oder eine sogenannte Gummibandligatur. Dabei wird ein enges Gummiband an der Basis der Hämorrhoidalknoten angebracht. Dadurch wird das Gewebe nicht mehr durchblutet, Knoten und Gummiband fallen nach ein paar Tagen ab. Nach zwei bis fünf Jahren erleiden etwa 30 Prozent einen Rückfall. Ein noch relativ neues Verfahren ist die Hämorrhoidalarterien-Ligatur (HAL), die sich als Behandlung für die Stadien II und III eignet. In den Stadien III und IV werden meist operative Therapien durchgeführt.

Wer die eingangs genannten Symptome hat, sollte unbedingt zum Proktologen gehen. "Blut auf dem Stuhl oder am Toilettenpapier kann auch von einem bösartigen Tumor im Enddarm oder im Dickdarm herrühren", warnt Thasler. Den Enddarm kann der Proktologe sofort mit dem Endoskop anschauen. Das sind aber nur die letzten 15 Zentimeter des Darms. Für den Dickdarm ist eine Darmspiegelung notwendig. "Das darf man nicht auf die lange Bank schieben, ansonsten vergibt man Chancen", mahnt der Münchner Mediziner.

Ballaststoffmangel macht aus harmlosen Divertikeln eine Darmkrankheit
    Divertikel sind Schleimhautausstülpungen in der Wand des Dickdarms. Zwischen 30 und 45 Prozent der Bevölkerung haben diese harmlosen Formveränderungen der Schleimhaut. Allerdings kommt es bei jedem dritten oder vierten Betroffenen im weiteren Verlauf zur sogenannten Divertikulitis oder Divertikelkrankheit. Ballaststoffmangel ist der wichtigste Risikofaktor für die Entwicklung einer Divertikelkrankheit, die aufgrund der modernen, ballaststoffarmen Ernährungsweise immer häufiger bereits vor dem 40. Lebensjahr auftritt. Es können vorübergehende Blutungen auftreten oder die Divertikel entzünden sich. Letzteres ist der Fall, wenn sich in den Schleimhautausstülpungen bakterienhaltiger Stuhl ansammelt. Entzündete Divertikel machen sich durch starke Unterbauchschmerzen vor allem auf der linken Seite sowie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung und oftmals Fieber bemerkbar. Und im Extremfall kann es sogar zu einem Darmdurchbruch und einer Bauchfellentzündung kommen.
WENN HÄMORRHOIDEN OPERIERT WERDEN MÜSSEN

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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
Vito.Andolini 18.09.2014
1. Hämorrhoiden sind keine Schwellkörper!
Zitat: "Hämorrhoiden sind ein natürlich vorkommender und wichtiger Schwellkörper am unteren Ende des Mastdarms..." So ein Unfug! Hämorrhoiden sind knotenförmige Erweiterungen der Blutgefäße, die in der Schleimhaut des Schließmuskels verlaufen, und sie sind immer krankhaft. Vielleicht sollte Frau G.-F. künftig sich besser informieren, als immer solche Halbwahrheiten zu veröffentlichen.
lachina 18.09.2014
2. Beide haben Sie Recht!
"Hämorrhoiden, auch Hämorriden genannt (altgriechisch αἷμα haima ‚Blut‘ und ῥεῖν rhein ‚fließen‘; veraltete Bezeichnungen blinde Adern, goldene Adern), sind arteriovenöse Gefäßpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Afters dienen. Wenn von Hämorrhoiden gesprochen wird, sind damit aber meist vergrößerte oder tiefer getretene Hämorrhoiden im Sinne eines Hämorrhoidalleidens gemeint, die Beschwerden verursachen. Diese Beschwerden sind vor allem wiederholte anale Blutungen und anales Nässen, quälender Juckreiz und Stuhlschmieren." sagt wikipedia.
dr.magill 18.09.2014
3. @Vito.Andolini
Si tacuisses, philosophus mansisses. Er sollte doch vielleicht einmal ein rezentes medizinisches Lehrbuch konsultieren. Die im Artikel gewählte Beschreibung ist spätestens seit Friedrich Stelzner absolut korrekt.
Vito.Andolini 18.09.2014
4. Glückwunsch!
Herzlichen Glückwunsch zu Ihren Lateinkenntnissen. Aber wenn Friedrich Stelzner meint, daß Hämorrhoiden Schwellkörper (!) sind, dann sollte er langsam in den Ruhestand gehen...
sicherreisen 18.09.2014
5. Hämorrhoiden
Diese typische Zivilisationskrankheit sucht heute fast jeden, besonders in höherem Alter heim. Die den Krampfadern ähnlichen Knoten können lange Wanderungen und auch langes Sitzen in Transportmitteln zur Qual machen. Versuchen Sie statt Operation oder Verödung einmal den Tipp eines Proktologen: Kneifen Sie den After 6-8 Sekunden zusammen und ziehen Sie den Schließmuskel kräftig nach innen, entspannen Sie dann ebenso lange, das Ganze ein paar Minuten täglich. Wenn Sie dieses Durchblutungs- und Muskeltraining mehrere Wochen konsequent durchhalten, können Sie Ihr Leiden wahrscheinlich für ein paar Jahre vergessen. Bis die Methode wirkt, sollten Sie viel Flüssigkeit trinken. Es macht den Stuhl weicher. Das gilt allerdings nicht für Milch. Nehmen Sie sich Zeit für den Stuhlgang und pressen Sie nicht. Nur bei Blut im Stuhl (rote oder schwarze Färbung) heißt es: Sofort zum Arzt! (sicher-reisen.jimdo.com)
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