Tätersuche nach Messerattacke in Hamburg Darf ein Arzt seine Schweigepflicht brechen?

Bei der tödlichen Messerattacke in Hamburg hat sich der Täter vermutlich selbst verletzt. Hamburger Ärzte wurden gebeten, Patienten mit entsprechenden Wunden zu melden. Das Vorgehen von Polizei und Ärztekammer stößt nun auf Kritik.

Hamburg: Polizeitaucher suchen in der Alster nach Spuren
DPA

Hamburg: Polizeitaucher suchen in der Alster nach Spuren


Wer sich an einen Arzt wendet, kann darauf bauen, dass alles Besprochene vertraulich ist. Ärzte unterliegen der Schweigepflicht, die sogar über den Tod des Patienten hinaus gilt. Sprechen darf der Mediziner nur, wenn der Patient dies erlaubt. Oder - wie es Juristen formulieren - zum Schutze eines höherwertigen Rechtsgutes. Wenn also beispielsweise das Leben anderer in Gefahr ist oder wenn ein Arzt den begründeten Verdacht hegt, dass ein Kind misshandelt oder missbraucht wird.

Reicht es auch aus, wenn die Polizei fürchtet, ein Täter könnte möglicherweise erneut jemanden angreifen? Darüber wird unter Hamburger Ärzten zurzeit gestritten.

Auf Hinweise hoffend

Denn die Hamburger Ärztekammer hat im Zusammenhang mit einer tödlichen Messerattacke an der Alster eine E-Mail des Landeskriminalamts weitergeleitet. In dieser "hofft" die Polizei auf Hinweise von niedergelassenen Ärzten. Das LKA fragt die Ärzte, ob jemand, auf den die Täterbeschreibung passt, mit einer Schnittverletzung in Behandlung war. Die Terrormiliz IS hatte behauptet, der Täter sei ein "Soldat des Islamischen Staats".

In einer zweiten E-Mail stellte die Ärztekammer am Folgetag klar, dass auch bei der Strafverfolgung von Tötungsdelikten die ärztliche Schweigepflicht gelte. Ein Bruch könne jedoch ausnahmsweise gerechtfertigt sein, wenn eine konkrete Wiederholungsgefahr bestehe. Für die Abwägung im Einzelfall bietet die Ärztekammer eine telefonische Beratung in der Rechtsabteilung an. Sie weist auch darauf hin, dass der Täter unter einer psychischen Krankheit leiden könnte. Beide E-Mails liegen SPIEGEL ONLINE vor.

Nicht alle Hamburger Ärzte halten den Schritt der Kammer für richtig. "So verständlich der Wunsch nach Aufklärung dieses schrecklichen Verbrechens ist, so problematisch ist jedoch auch diese Anfrage", schreibt etwa ein Mediziner, der nicht namentlich genannt werden will, SPIEGEL ONLINE. Er kritisiert auch die Stellungnahme der Kammer. "Der Verweis auf die mögliche psychische Erkrankung des Täters suggeriert, dass psychisch Kranke weniger Recht auf Schutz ihrer Privatsphäre durch die ärztliche Schweigepflicht haben."

Die Ärztekammer betont auf Anfrage, dass die E-Mail keine Aufforderung an die Ärzte darstelle. Es stehe ihnen frei, ob sie Patienten melden oder nicht.

wbr



insgesamt 144 Beiträge
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Seite 1
unzensierbar 01.11.2016
1. Schweigepflicht muss bleiben
Die Schweigepflicht darf unter keinen Umständen gebrochen werden. Das würde nur dazu führen, dass der Staat dies öfter Ausnutzen würde. In Zukunft wohl auch bei Psychiatrien, um mögliche Terroristen aufzuspüren. Wer weiß. Am Ende wird der totale Überwachungsstaat nur noch mehr ausgeweitet.
SNA 01.11.2016
2. Krimineller Polizeipräsident
Nach meiner Ansicht hat sich der Polizeipräsident wegen Anstiftung zu einer Straftat gem. § 203 StGB strafbar gemacht, wenn ein Arzt seiner Aufforderung nachkommt. Seit wann gilt das Strafgesetzbuch für unsere Polizei nicht mehr?
Ontologix II 01.11.2016
3. Nicht zu fassen
Persönlichkeitsrechte eines Verbrechers sollen auf Kosten der Opfer geschützt werden.
schwaebischehausfrau 01.11.2016
4. Sagt ne Menge aus..
--über den Zustand unserer Gesellschaft, wenn darüber diskutiert wird, ob "es ausreicht, dass die Polizei fürchtet, der Täter könnte möglicherweise erneut jemanden angreifen". Wie krank ist das denn, wenn es nicht ausreicht, dass hier ein hinterhältiger Mord aufgeklärt werden soll. Ein System, in dem ganz offenbar den Tätern mehr Empathie und Schutz zugestanden werden als den Opfern muss sich nicht wundern, wenn es den Bach runtergeht.
MarkusH. 01.11.2016
5. Schussverletzungen?
muss man Schussverletzungen in Deutschland auch nicht melden? wäre ja typisch. hier geht es um meinen Schutz. ein Messerstecher bzw. der verletzte Kriminelle gehört ermittelt. Straftat bleibt Straftat und hier gibt es keine Schweigepflicht
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