Infektionskrankheit Hantaviren breiten sich in Südwestdeutschland aus

In Deutschland sind schon jetzt mehr als doppelt so viele Menschen an Hantaviren erkrankt als im gesamten Jahr 2016. Besonders stark verbreiten sich die Erreger in Baden-Württemberg.

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren
Hans R. Gelderblom/ RKI/ DPA

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Hantaviren


Vor allem im Südwesten Deutschlands grassieren derzeit Infektionen mit dem Hantavirus. Seit Beginn des Jahres wurden dem Robert Koch-Institut (RKI) allein in Baden-Württemberg 357 Fälle gemeldet, das Gesundheitsministerium des Bundeslandes hat sogar 464 Erkrankungen registriert, wie es am Sonntag mitteilte.

Neben Baden-Württemberg sind mit 107 und 96 Fällen im Jahr 2017 laut RKI zudem Bayern und Nordrhein-Westfalen stark betroffen. Bundesweit wurden dem RKI bis vergangenen Mittwoch 672 Erkrankungen mit dem Hantavirus gemeldet. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es lediglich 64 Fälle.

Bucheckern fördern Virusausbreitung

Das Hantavirus wird von Nagetieren wie der Rötelmaus übertragen, die das Virus über Kot und Urin ausscheiden.

Bei Menschen verursacht der Erreger eine grippeähnliche Krankheit mit Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. In schweren Fällen kann es auch zu einem vorübergehenden Nierenversagen kommen. Das gemeinsame Auftreten von hohem Fieber, Rücken- und Bauchschmerzen und Problemen beim Wasserlassen kann auf eine Hantavirus-Infektion hinweisen.

Baden-Württemberg gehört zu den Hauptverbreitungsgebieten in Deutschland. Immer wieder werden hier Epidemiejahre beobachtet. Das letzte "Hantajahr" mit deutlich erhöhten Infektionszahlen war 2012 mit insgesamt 1778 gemeldeten Fällen (siehe Grafik).

Grund für die vielen Fälle ist laut dem Gesundheitsministerium des Landes ein starkes Vorkommen von Bucheckern im vergangenen Jahr. Sie sind die Hauptnahrungsquelle der Rötelmaus, deren Population durch die gute Futtersituation stark gestiegen ist. Dadurch breitet sich demnach auch das Virus aus.

Menschen können laut Ministerium mit erregerhaltigem Staub in Berührung kommen, wenn sie beispielsweise Holzstapel umschichten oder auf Dachböden, in Kellern oder in Garagen umräumen. Um Kontakt mit Hantaviren zu vermeiden, sollte Staub deshalb vor Reinigungsarbeiten befeuchtet werden. Wohngebäude sollten gegen das Eindringen der Nagern gesichert werden.

jme/AFP/dpa



insgesamt 16 Beiträge
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tiger-li 19.06.2017
1. Super Tipps
Man kann sich nicht gegen alles Schützen. Ausser man legt sich Unters Sauerstoffzelt und bleibt im Bett. Wobei im Bett zu bleiben für den Schwaben genau so unmöglich sein dürfte wie die Garage nicht zu kehren :-) In diesem Sinne: das Leben ist gefährlich und endet mit dem Tot - findet euch damit ab!
horst.reuter 19.06.2017
2. Was stimmt denn nun?
Im Artikel stehen für das Jahr 2012 eine Anzahl von 1778 Fällen. Die Balkengrafik weist für diesen Zeitraum einen Wert von ca. 2770.
epiktet2000 19.06.2017
3. Kommt mir gerade recht.
Ich werde sofort mit dem Aufräumen des Kellers aufhören. Zu meiner Sicherheit.
sponjo 19.06.2017
4. Jetzt wo ihn jeder kennt....
..... wird eben auch viel Serologie gemacht und viel gefunden. Früher blieb das ein 'unbekannter Virusinfekt'.
Ottonormalverbraucher70 19.06.2017
5.
Zitat von horst.reuterIm Artikel stehen für das Jahr 2012 eine Anzahl von 1778 Fällen. Die Balkengrafik weist für diesen Zeitraum einen Wert von ca. 2770.
Hallo Herr Reuter, 1778 Fälle in Baden-Württemberg, die Balkengrafik zeigt Zahl der gemeldeten Fälle in Deutschland.
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