Von Cinthia Briseño
Derzeit sind es Mäuse, die in Kalifornien für Schrecken sorgen: Im berühmten Yosemite-Nationalpark haben sich bisher insgesamt acht Menschen mit dem gefährlichen Hantavirus infiziert, zwei neue Infektionsfälle wurden am Freitag von der Parkverwaltung gemeldet. Drei Personen sind inzwischen an den Folgen der Infektion gestorben. Sie alle haben sich vermutlich angesteckt, weil sie mit Hirschmäusen in Berührung gekommen sind, entweder direkt oder indirekt über deren Kot oder Urin.
Übergriffe dieser Art heißen Zoonosen. Gemeint sind damit Krankheiten, die entstehen, weil ihre Erreger vom Tier auf den Menschen übergesprungen sind. Ebola, HIV, Nipah, Marburg, Lassa: Etliche Viren führten über Jahrtausende hinweg eine unbemerkte Existenz in ihren natürlichen Wirten. Doch weil die Menschen immer mehr Raum erobern und in bis dahin kaum berührte Gebiete vordringen, nehmen auch die Begegnungen zwischen Mensch und Tier zu - mit ihnen steigt weltweit die Zahl der Zoonosen. Und während die Tiere von den Viren, die in ihren Zellen schlummern, meistens keinen Schaden nehmen, hat das menschliche Immunsystem den gefährlichen Erregern oft nichts entgegenzusetzen.
Bisher gibt es keinen Impfstoff
Der Hantavirus-Ausbruch in den USA bereitet den Behörden unter anderem deshalb große Sorgen, weil es gegen den Erreger bisher keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Zudem scheint es sich bei dem kalifornischen Virusstamm um eine aggressive Variante zu handeln, denn für gewöhnlich verläuft eine Infektion mit Hantaviren mild, und nur in seltenen Fällen kommt es zu schweren Komplikationen. In den USA aber sind bereits drei der acht infizierten Personen an den Folgen der Infektion gestorben. Nun fürchten die US-Behörden, dass noch viel mehr Menschen in Gefahr sind: Mehr als 12.000 Besucher des Yosemite-Parks könnten mit Hirschmäusen in Kontakt gekommen und infiziert worden sein, darunter auch Deutsche.
Was für die einzelnen Betroffenen mit schlimmen Folgen enden kann, stellt im aktuellen Fall glücklicherweise keine globale Gefahr da: Hantaviren sind für gewöhnlich nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Nur in Einzelfällen aus Südamerika wurde bisher über derartige Übertragungen berichtet. Experten zufolge ist nicht zu befürchten, dass sich das kalifornische Virus angesichts der Scharen an Yosemite-Besucher aus aller Welt über den Globus verbreiten wird.
Auch das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin gibt Entwarnung: Dass das kalifornische Virus in Deutschland auftauchen könne, sei so gut wie ausgeschlossen, heißt es seitens der Behörde. Schließlich sei das Virus speziell auf die amerikanische Hirschmaus als Wirt angewiesen.
Dennoch hat das RKI von den US-Behörden inzwischen 70 Adressen von Reisenden aus Deutschland erhalten, die sich zwischen Mitte Juni und Ende August im Yosemite-Park aufgehalten haben sollen. Die zuständigen Gesundheitsämter, so die Pressesprecherin des RKI, seien bereits informiert worden. Diese hätten Kontakt zu den betroffenen Personen aufgenommen. Den Yosemite-Besuchern werde geraten, bei ersten Anzeichen einer Infektion schnellstmöglich ärztliche Hilfe einzuholen.
Schwere Lungenerkrankungen
Der US-Behörde Centers for Disease Control (CDC) zufolge konnte bisher bei mindestens sechs der Infizierten das sogenannte Hantavirus-induzierte pulmonale Syndrom (HPS) diagnostiziert werden. Zu spüren bekommen die Betroffenen das HPS zunächst durch plötzliches hohes Fieber, gefolgt von zahlreichen unspezifischen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Erschöpfung und Muskelschmerzen (besonders im Rücken). Nach einigen Tagen kommt Husten hinzu und das Atmen bereitet große Schwierigkeiten.
Bisher ist lediglich bekannt, dass die drei aktuellen Todesopfer des Hantavirus aus den US-Bundesstaaten West Virginia, Kalifornien und Pennsylvania stammten. Aussagen zum Alter oder möglichen Vorerkrankungen gab es zunächst nicht. Geschlafen hatten die Betroffenen im beliebten Curry Village, einem Campingplatz im Yosemite-Park. Dieser wurde inzwischen geschlossen.
Ausbreitung in Deutschland ebbt ab
Auch in Deutschland hatten die Behörden in diesem Jahr mit der Ausbreitung von Hantaviren zu kämpfen: Vor allem in Baden-Württemberg wurden zahlreiche Fälle von Hantavirus-Infektionen gemeldet. Wie das Regierungspräsidium Stuttgart am Freitag jedoch mitteilte, hatte die Epidemie im April und Mai mit 134 Neuerkrankungen pro Woche bereits ihren Höhepunkt erreicht, jetzt seien es nur noch wöchentlich 20 neue Fälle.
Deutschlandweit hat das RKI 2012 bisher etwas mehr als 2000 Fälle registriert. Allerdings ist hierzulande ein anderer Typ des Hantavirus verbreitet: Während in den USA das Sin Nombre Virus (SNV) vorrangig vorkommt, infizieren sich in Deutschland die Menschen hauptsächlich mit dem Virustyp Puumala, der von der Rötelmaus übertragen wird. Puumala-Viren sind weitaus weniger gefährlich als andere Hantavirustypen: Bis zu 35 Prozent der Infizierten sterben an einer SNV-Infektion. In Europa liegt die Sterblichkeit dagegen bei lediglich 0,1 bis 0,9 Prozent.
Eine Puumala-Infektion erzeugt zunächst einen grippeähnlichen Verlauf mit hohem Fieber und Rücken- oder Kopfschmerzen. Typisch ist auch das Auftreten von Blut im Urin und Funktionsstörungen der Niere, da Hantaviren insbesondere Nierenzellen infizieren. Meistens sind die Symptome jedoch mild und nur in Einzelfällen kommt es zu schweren Komplikationen, im schlimmsten Fall droht ein akutes Nierenversagen.
Eine Informationsbroschüre mit den wichtigsten Empfehlungen im Umgang mit Hantavirus-Infektionen finden Sie hier.
Mit Material von dpa
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