Arbeitslose Hartz-IV-Empfänger klagen häufiger über Gesundheitsprobleme

Wer lange keinen Job hat, fühlt sich gesundheitlich im Schnitt schlechter als ein Erwerbstätiger - das zeigt eine große Befragung. Macht Arbeitslosigkeit krank?

Warten in der Agentur für Arbeit: Hartz-IV-Empfänger fühlen sich häufiger krank als Berufstätige
DPA

Warten in der Agentur für Arbeit: Hartz-IV-Empfänger fühlen sich häufiger krank als Berufstätige


Nürnberg - Hartz-IV-Empfänger schätzen ihre Gesundheit schlechter ein als Menschen mit Job. 40 Prozent der Empfänger von Arbeitslosengeld II gaben in einer Befragung an, gesundheitlich stark eingeschränkt zu sein. Bei den Erwerbstätigen waren es dagegen nur etwa 20 Prozent, teilte das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) am Montag mit. Der Studie zufolge fühlen sich Aufstocker, die trotz Beschäftigung zusätzlich auf Arbeitslosengeld angewiesen sind, nach eigener Einschätzung zwar gesundheitlich etwas besser als arbeitslose Hartz-IV-Empfänger - jedoch liegen auch sie deutlich unterm Schnitt der Erwerbstätigen.

Ehemalige Hartz-IV-Empfänger, die wieder eine Arbeit gefunden haben, fühlten sich dagegen gesundheitlich ähnlich gut wie andere Erwerbstätige auch.

Die meisten befragten Hartz-IV-Empfänger gaben an, dass sie unter körperlichen Beschwerden litten - dies sagen 42 Prozent der Männer und 33 Prozent der Frauen. Unter psychischen Erkrankungen litten nach eigenen Angaben acht Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen. Laut einer früheren Untersuchung des IAB sind psychische Probleme unter Hartz-IV-Empfängern noch deutlich weiter verbreitet.

Zum Vergleich: Bei den befragten Erwerbstätigen gaben 17 Prozent an, unter einer körperlichen Beeinträchtigung zu leiden. Drei Prozent sagten, sie hätten psychische Beschwerden.

Dies passt zu einem Bericht, den die Krankenkasse DAB vor kurzem vorgelegt hatte: Demnach fühlen sich Arbeitslose im Schnitt gestresster als Manager.

Auffällig sei laut IAB, dass die Unterschiede bei subjektiven Fragestellungen deutlicher ausfielen als bei objektiven Sachverhalten - also zum Beispiel Krankenhausaufenthalten in den vergangenen Monaten.

Die Forscher betonen, dass die Ergebnisse keinen Aufschluss über Ursache und Wirkung geben. Es könne sein, dass Arbeitslosigkeit krank mache; aber genauso, dass Krankheit bedürftig mache.

Unterschiede im Gesundheitsverhalten könnten die deutlichen Differenzen nicht erklären, schreiben die Forscher. Hartz-IV-Empfänger gaben zum Beispiel in der Befragung häufiger an, dass sie rauchten. Gleichzeitig konsumierten sie aber seltener Alkohol als Erwerbstätige.

Die Studie beruht auf Daten des sogenannten Panels "Arbeitsmarkt und soziale Sicherung" aus dem Jahr 2012. Nach Angaben des IAB flossen Daten von knapp 12.000 Befragten im Alter von 20 bis 64 Jahren in die Auswertung ein.

wbr/dpa/AFP



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insgesamt 83 Beiträge
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Seite 1
fridagold 10.11.2014
1.
Kann es nicht viel eher sein, dass die Leute Probleme bei der Arbeitssuche haben, weil sie gesundheitlich angeschlagen sind? Henne oder Ei...
unixv 10.11.2014
2. Nein!
aber, kein Geld für anständige Ernährung, kein Geld zum Heizen, da kann es einen schon aus den Socken hauen! Arbeitslosigkeit macht nicht Krank aber H4!
women_1900 10.11.2014
3.
einmal unterstellt, daß die bekannt gewordenen Schikanen der ARGE nur die Spitze des Eisbergs sind und die Sanktionen durchaus Existenz bedrohend sein können, kann ich mir das gut vorstellen. Vielleicht sollte auch einmal genauer erhoben werden, wer von den Hartz IV Gesundheitsprobleme hat. Sind es vielleicht die älteren Arbeitslosen Ü55, Ü60 die bisher immer redlich durchs Leben gingen, in dieses System einzahlten und jetzt aufgrund von Umständen, die diese nicht zu vertreten haben, auf dem gleichen Niveau sind, wie Menschen die niemals einzahlten? Die nicht so trickreich durchs Leben gehen und denen jede Drohung von Sanktionen ihre Existenzs angreifen?
GrinderFX 10.11.2014
4.
Viele geben das sicher an, damit sie eben nicht arbeiten können. Ich habe einfach zu oft gehört, wie sich solche Leute am ersten Arbeitstag schon krank gestellt haben, damit sie eben der Arbeit nicht nachgehen müssen. Würde man das raus rechnen können, wäre es vermutlich ein normaler Wert.
Susanne133 10.11.2014
5. Zuviel Zeit
Arbeitslosigkeit mag auch aufgrund der sicherlich bei vielen vorhandenen psychischen Belastung krank machen, aber vor allem hat man einfach mehr Zeit über diverse Zipperlein nachzudenken und möglichen Symptomen nachzugehen, als wenn man etwa die Hälfte des Tages damit beschäftigt ist zu arbeiten. Nicht zu unterschätzen ist das Bedürfnis nach Gesprächsthemen und Sozialkontakt, beides tritt ohne Arbeitsleben zumeist deutlich in den Hintergrund...
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