Krank und allein: In diesen Fällen zahlt die Kasse Haushaltshilfe

Gebrochener Fuß - und wer kümmert sich um Haushalt und Kinder? Gesetzlich Versicherte haben in bestimmten Fällen Anspruch auf Haushaltshilfe. Doch wer diese beantragen möchte, muss einige strenge Regeln beachten.

Hilfe im Haushalt: Krankenversicherte können ihre Kasse nach Unterstützung fragen Zur Großansicht
DPA

Hilfe im Haushalt: Krankenversicherte können ihre Kasse nach Unterstützung fragen

Wäscheberge türmen sich auf, das Badezimmer ist nicht geputzt und niemand ist da, um die Kinder von der Schule abzuholen. So kann es aussehen, wenn derjenige krank wird, der sich um den Haushalt kümmert. Dann ist Krankheit nicht mehr nur ein medizinisches Problem, sondern hat Konsequenzen für die ganze Familie. Und so leicht sind Mutter oder Vater, die im Haushalt viele Dinge erledigen, nicht zu ersetzen: Da muss im schlimmsten Fall ein Babysitter ran, eine Putzfrau auf die Schnelle organisiert werden. Oder es kommt - mit etwas Glück - die Großmutter und hilft aus.

Das alles kostet Geld. Wer gesetzlich versichert ist oder als Beamter die Beihilfe in Anspruch nehmen kann, könnte in solch einer Situation Unterstützung bekommen: "Unter bestimmten Voraussetzungen besteht ein Anspruch auf Haushaltshilfe", erklärt Peter Böh, Fachreferent der Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg. Geregelt ist das in den Vorschriften über die gesetzliche Krankenversicherung, dem fünften Sozialgesetzbuch (§ 38 SGB V).

Wichtig ist, dass die Regelung nur greift, wenn die "haushaltsführende Person" - egal ob Mann oder Frau - krankheitsbedingt ausfällt. In der Regel ist damit ein Krankenhausaufenthalt, eine Rehabilitationsmaßnahme oder eine Kur gemeint. Aber auch ärztlich verordnete Bettruhe oder die Genesung zu Hause nach einem Krankenhausaufenthalt können dazugehören.

Mindestens ein Kind im Haushalt

"Der Gesetzgeber schreibt außerdem vor, dass mindestens ein Kind unter zwölf Jahren im Haushalt lebt und dass niemand anders im Haushalt die Arbeit übernehmen kann", sagt Böh. Drei Bedingungen also, die im Gesetzestext recht knapp formuliert sind und im individuellen Fall viele Fragen aufwerfen. Schon beim Alter der Kinder unterscheiden sich die Angebote der Krankenkassen: Einige Versicherer, etwa die Barmer GEK, zahlen auch bei Kindern zwischen 12 und 14 Jahren. Bei gesundheitlichen Problemen in der Schwangerschaft kann ein Arzt bei allen Krankenkassen die Haushaltshilfe verordnen, auch wenn kein weiteres Kind im Haushalt lebt.

Was genau die Kasse übernimmt, sollte in jedem Fall vorher geklärt werden. "Haushaltshilfe ist eine antragspflichtige Leistung", so Böh. Ein Anruf bei der Krankenkasse ist also immer nötig, auch Formulare bleiben dem Versicherten und dem behandelnden Arzt nicht erspart. Gab es einen Unfall oder kam die Erkrankung sehr plötzlich, machen Krankenkassen auch schon mal eine Ausnahme - allerdings trägt der Versicherte dann das Kostenrisiko, solange eine Haushaltshilfe ohne das Okay der Versicherung schon arbeitet.

Der Anruf bei der Krankenkasse empfiehlt sich auch, um die Leistungen der Hilfe genau zu besprechen. Klar ist: Der Partner muss keinen Urlaub nehmen, um für die haushaltsführende Person einzuspringen. Und wenn doch, dann zahlt die Krankenkasse in bestimmten Grenzen den Verdienstausfall. Nur wenn aus dem privaten Umfeld keiner aushelfen kann, ist professionelle Hilfe sinnvoll.

Zuzahlung ist Pflicht

"Die Krankenkassenverbände haben Verträge mit Dienstleistern, die auch die Haushaltshilfe im Krankheitsfall übernehmen können", sagt Böh. Den Kontakt gibt es über die Krankenkasse vor Ort, die Abrechnung läuft dann auch unkompliziert. Der Versicherte bekommt - wie beim Arztbesuch - die Rechnung gar nicht zu sehen. Lediglich die Zuzahlung wird über die Kasse eingefordert: mindestens fünf, maximal zehn Euro pro Tag, an dem eine Hilfe in Anspruch genommen wurde.

Allerdings ist es gar nicht so leicht, eine Haushaltshilfe für kurze Zeit von einer professionellen Organisation zu bekommen. Denn die Vertragspartner der Krankenkassen kommen in der Regel aus dem Bereich der häuslichen Krankenpflege. Wer also Hilfe braucht, konkurriert automatisch mit Pflegebedürftigen. Und die Pflegedienste haben oft keine Kapazitäten für so einfache Tätigkeiten frei.

Privatversicherte können die bezahlte Haushaltshilfe im Krankheitsfall übrigens gar nicht in Anspruch nehmen. "Das ist eine versicherungsfremde Leistung und dient nicht der unmittelbaren Heilung", sagt Stephan Caspary vom Verband der Privaten Krankenversicherer (PKV). Was für den gesetzlich Versicherten Standard ist, kann bei einer privaten Krankenversicherung höchstens über eine Zusatzversicherung abgedeckt werden - gegen Aufpreis.

Etwas zwischen den Stühlen sitzen die Beamten: Bei ihnen übernimmt der Dienstherr einen Teil der Kosten über die Beihilfe, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Die zuständigen Stellen orientierten sich dabei an den von der gesetzlichen Krankenversicherung erstatteten Sätzen, erklärt Ellen Händler, Pressesprecherin des Bundesamtes für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen (BADV), das die Abrechnung der Beihilfe unter anderem für verschiedene Ministerien übernimmt. Da aber die Beihilfe Rechnungen immer nur anteilig bezahlt, muss der Versicherte für die Haushaltshilfe in jedem Fall zuzahlen.

Markus Münch-Pauli, dpa

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. ... und wieder mal wird Haushaltshilfe nur als Leistung
timmi967 13.03.2013
für Familien oder Alleinerziehende dargestellt. Schade, denn jede 2. gesetzliche Krankenkasse zahlt unter bestimmten Voraussetzungen auch, wenn kein Kind im Haushalt lebt. So können auch Senioren Haushaltshilfe erhalten, wenn sie zum Beispiel nach einem Krankenhausaufenthalt vorübergehend Hilfe im Haushalt brauchen und keine weitere Person im Haushalt lebt, welche die anfallenden Arbeiten übernehmen kann. Allen, die mehr darüber wissen wollen kann ich den als E-Book bei amazon erschienenen Ratgeber "Geht es dir wieder besser? Wenn Eltern alt werden" empfehlen.
2. Versorgungslücken
dröhnbüdel 13.03.2013
Hier scheint es noch große Versorgungslücken zu geben. Ein Alleinstehender, der an Grippe erkrankt, kann ohne Hilfe richtig aufgeschmisen sein. Nicht immer gibt es hilfsbereite Nachbarn, die für ihn einkaufen. Wenn die Erkrankung für eine Krankenhaus-Einweisung nicht reicht, mus dreKranke sich ewas eifallen lassen, aber was?
3. Kind unter 12 allein zuhause ??
abwaschhilfe 13.03.2013
Zitat von sysopGebrochener Fuß - und wer kümmert sich um Haushalt und Kinder? Gesetzlich Versicherte haben in bestimmten Fällen Anspruch auf Haushaltshilfe. Doch wer diese beantragen möchte, muss einige strenge Regeln beachten. Haushaltshilfe: In diesen Fällen zahlt die Krankenkasse - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/haushaltshilfe-in-diesen-faellen-zahlt-die-krankenkasse-a-888560.html)
Meine Nachbarin musste wegen eines riesigen Tumors (6 kg) von jetzt auf gleich ins Krankenhaus. Sie wurde operiert und konnte nach 10 Tagen wieder nachhause. Natürlich hat sie als alleinerziehende Mutter zweier Jungen (12 und 14) versucht eine Haushaltshilfe, die den Kindern das Essen kocht und die Wäsche wäscht - wenigstens für ein paar Stunden täglich - zu bekommen. Leider erhielt sie eine Absage mit der Begründung, der jüngste Sohn ist ja bereits seit einem Monat 12 Jahre alt. Es ist kaum zu glauben, wie sollen die Jungen denn klarkommen ohne Hilfe, dafür ist man doch mit 12 Jahren noch immer zu klein und es hilft der Mutter nicht bei ihrer Genesung wenn sie die ganze Zeit voller Sorge an ihre Kinder denkt. Und Rücklagen für derartig unglückliche Zufälle kann wohl eine alleinerziehende, schlecht bezahlte Halbtagskraft auch nicht anlegen um die Hilfe selbst zu bezahlen. Ich finde es ist ein Skandal, dass man Kinder ab 12 sich selbst überlassen muss, wenn man ins Krankenhaus muss. Nun ist sie wieder zuhause, kann aber wegen der schweren OP kaum Hausarbeit verrichten. Zum Glück helfen die beiden Jungen ihrer Mutter, sie freuen sich, dass sie nun wenigstens wieder zuhause ist und sie morgens nicht allein aufstehen müssen.
4. ungerecht !!
st_anja 13.03.2013
Zitat von dröhnbüdelHier scheint es noch große Versorgungslücken zu geben. Ein Alleinstehender, der an Grippe erkrankt, kann ohne Hilfe richtig aufgeschmisen sein. Nicht immer gibt es hilfsbereite Nachbarn, die für ihn einkaufen. Wenn die Erkrankung für eine Krankenhaus-Einweisung nicht reicht, mus dreKranke sich ewas eifallen lassen, aber was?
ging mir neulich so. die dame in der apotheke um die ecke war fassungslos, dass ich in meinem zustand nach draussen gehe. tja, wer sollte das sonst machen ??!!! ich habe es satt, dass eltern jeden mist nachgeworfen bekommen und singles für das alles zahlen dürfen, aber im ernstfall bloss selbst keine ansprüche stellen dürfen....auch wenn sie sich ohne schmerzmittel und vor fieber schwindelig nach draussen bemühen müssen, um das notwendigste zu besorgen. ständig muss man dann das gejammere anhören von leuten, die kinder haben. sie bekommen genug. in keinem land der welt werden eltern dermassen finanziell verhätschelt.
5.
kfp 13.03.2013
Zitat von dröhnbüdelHier scheint es noch große Versorgungslücken zu geben. Ein Alleinstehender, der an Grippe erkrankt, kann ohne Hilfe richtig aufgeschmisen sein. Nicht immer gibt es hilfsbereite Nachbarn, die für ihn einkaufen. Wenn die Erkrankung für eine Krankenhaus-Einweisung nicht reicht, mus dreKranke sich ewas eifallen lassen, aber was?
Ein Alleinstehender mit Grippe braucht eine Einkaufshilfe? Alles klar. Aber umgekehrt muss die mehrfache Mutter mit 40 Grad Fieber weiterhin den gesamten Haushalt alleine schmeißen, denn sie ist ja nicht im Krankenhaus oder auch meinetwegen ans Bett gefesselt, allenfalls normal krankgeschrieben. Und selbst wenn sie es wäre, darf sie dann zwischen Kinder zum Kindergarten bringen, Baby füttern, Essen kochen, Wäsche waschen und Putzen noch in der Weltgeschichte herumtelefonieren, um zu erfahren, dass es leider in ihrer Gegend gerade keine Notfall-Haushaltshilfe gibt, und die in der 100km entfernten Nachbarregion ist bis übernächsten Monat ausgebucht... Gibt es eigentlich irgendjemanden, der es jemals geschafft hat, diese Haushaltshilfen-Unterstützung in Anspruch zu nehmen? In unserem praktischen Alltag kommt es zwar z.B. recht regelmäßig vor, dass ich mich krankgeschrieben trotzdem keine 5 Minuten am Stück auf's Sofa legen kann bzw. einmal sogar meinen eigenen Babysitter bezahlen musste, weil ich mit hohem Fieber und dröhnendem Schädel einfach nicht mehr konnte. Aber auch nur annähernd an die KKV-Voraussetzungen herangekommen bin ich damit nie...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Gesundheit
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Diagnose & Therapie
RSS
alles zum Thema Krankenkassen
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 28 Kommentare
  • Zur Startseite

Gesundheit auf Twitter

Über diesen Account erreichen Sie das Ressort und verpassen keinen Artikel:

DPA

Früherkennung: Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse



Diese Untersuchungen zahlt die Krankenkasse: