Allergie gegen Hausstaubmilben So bannt man die Asthma-Gefahr

Lästige Niesattacken, aber alles nicht so schlimm? Experten warnen davor, die Symptome einer Allergie gegen Hausstaubmilben zu verharmlosen: Oft wird daraus allergisches Asthma. Mit der richtigen Behandlung lässt sich das verhindern.

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Inhalation:  Bevor das Asthma-Spray nötig wird, sollten Hausstaubmilben-Allergiker sich behandeln lassen
Corbis

Inhalation: Bevor das Asthma-Spray nötig wird, sollten Hausstaubmilben-Allergiker sich behandeln lassen


Die Nase läuft oder ist verstopft, und in regelmäßigen Abständen setzt der Niesreiz ein: Wenn im Winter die Heizung ihre Arbeit aufnimmt, werden aus dem Kot von Milben und derem Inneren Allergene freigesetzt und mit dem Hausstaub aufgewirbelt. Der Allergiker atmet sie ein - und es beginnt die alljährliche Quälerei, die nur dank wirksamer Nasensprays und Allergiemittel einigermaßen erträglich ist.

Das Problem: Bei vielen Betroffenen bleibt es nicht dabei, dass nur ihre Nase auf die Allergene reagiert. Auch die Lunge kann nach einiger Zeit betroffen sein - erst mit überempfindlich reagierenden Bronchien, dann mit pfeifenden Geräuschen insbesondere beim Ausatmen. Das kann bis zur Atemnot gehen.

Dann hat sich ein sogenannter Etagenwechsel zum allergischen Asthma vollzogen. Wird die Allergie nicht oder nicht richtig behandelt, passiert bei etwa 20 bis 50 Prozent der Betroffenen genau dieser fließende Übergang innerhalb von 5 bis 15 Jahren.

Je früher, desto besser

Die sogenannte allergenspezifische Immuntherapie, besser als Hyposensibilisierung bekannt, kann diese "United Airways Disease" verhindern. Ihr Ziel ist es, das Immunsystem gegenüber Allergenen toleranter zu machen - und die Symptome abzuschwächen. "Je früher Patienten damit behandelt werden, desto besser ist es", sagt der Allergologe und Hautarzt Ulf Darsow, Leitender Oberarzt der Dermatologie am Klinikum rechts der Isar in München.

Experten empfehlen, den Etagenwechsel zu vermeiden, denn ein allergisches Asthma bringt viel mehr Probleme und Einschränkungen mit sich als eine gewöhnliche nasale Allergie gegen Hausstaubmilben. "Aber sogar nach zehnjähriger Erkrankungsdauer sind immer noch beachtliche Erfolge möglich", sagt Darsow.

Ein Etagenwechsel kann sich durch einen ständigen Reizhusten ankündigen. Spätestens dann ist es sinnvoll, einen Lungenfunktionstest beim Lungenfacharzt oder beim Allergologen machen zu lassen. "Aber auch bei allergischem Asthma ist bis zu einem bestimmten Stadium immer noch eine spezifische Immuntherapie möglich", so Darsow.

Früher wurden bei der Immuntherapie sämtliche patientenspezifischen Allergene in einer Spritze gemixt, also auch Allergene, die bei Heuschnupfen eine Rolle spielen. Wegen Wechselwirkungen, etwa zwischen Milben- und Gräser-Allergenen, sowie aufgrund der Verdünnung war die Wirksamkeit der Therapie begrenzt. Heutzutage gibt es diesen Mischmasch nicht mehr.

"Eine Immuntherapie gegen Hausstaubmilben und eine gegen Pollen können aber grundsätzlich mehr oder weniger gleichzeitig erfolgen", sagt Darsow. Wichtig sei, dass es in den ersten vier Wochen der Therapie keine "negativen Außeneinflüsse" gebe, wie etwa fliegende Pollen.

Man könne aber, so Darsow, auch jetzt während der Heizperiode sofort mit einer Hyposensibilisierung gegen Hausstaubmilben starten. Formell spreche nichts dagegen, sofern man ausschließlich dagegen allergisch sei und man zudem dafür sorge, dass die Belastung niedrig gehalten wird - etwa durch spezielle milbendichte Umhüllungen für Matratzen (Encasings). Zudem rät der Allergologe kombinierten Hausstaubmilben- und Pollenallergikern dazu, vor einer spezifischen Immuntherapie die Reaktion der Nasenschleimhaut auf einzelne Allergene zu testen. Experten nennen das "nasale Provokation".

Neue Therapieformen in Aussicht

Bei der Therapie spritzt der Arzt dem Betroffenen von Behandlung zu Behandlung eine steigende Allergen-Dosis. Insgesamt dauert eine Spritzentherapie zwischen drei und vier Jahren. Alternativ ist bei Heuschnupfen die Therapie ohne Spritzen möglich, bei der Tabletten oder Tropfen unter die Zunge eingebracht werden. Diese sublinguale Therapie dauert genauso lange, ist aber nicht ganz so wirksam wie jene mit Spritzen.

Im Fall einer Allergie gegen Hausstaubmilben ist ebenfalls eine sublinguale Therapie mit Tropfen möglich. Zudem wird am Universitätsklinikum in Dresden derzeit in mehreren großangelegten Studien die Wirksamkeit einer Milben-Tablette getestet. Der Vorteil der spritzenlosen Therapie: Sie muss nur beim ersten Mal unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, danach kann sie jeder selbst täglich für einen längeren Zeitraum durchführen.

Um die Hyposensibilisierung weiter zu verbessern, untersuchen Forscher derzeit, inwieweit Zusatzstoffe in den Allergen-Lösungen die Immuntoleranz der Betroffenen noch steigern können. "Aber alle Fortschritte bringen wenig, wenn die Patienten die Immuntherapie vorzeitig beenden, was leider immer wieder der Fall ist", sagt Darsow. Dadurch würde die Wirksamkeit der Therapie aber stark vermindert - und das Risiko besteht, dass sich im Laufe der Jahre weitere Allergien ausbilden.

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