Kosmetika: Ärzte warnen vor Allergien durch Zusatzstoffe

Allergene Substanzen in Kosmetik: Deklaration muss besser werden Zur Großansicht
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Allergene Substanzen in Kosmetik: Deklaration muss besser werden

Konservierungsstoffe in Kosmetik können Allergien auslösen. Auf einer Konferenz wollen Hautärzte die EU-Zulassungsbehörde zum Handeln bewegen. Doch es fehlen Alternativen zu den Problemstoffen.

Hamburg - Der riskante Stoff ist in vielen Produkten enthalten, in der Bodylotion vom Markenhersteller ebenso wie im Shampoo vom Discounter: Methylisothiazolinon (MI) gilt als Substanz mit besonderem allergenen Potential - das Risiko für Hautreizungen ist also hoch. Trotzdem darf die Verbindung in Kosmetik verwendet werden. Auf der Jahreskonferenz der britischen Dermatologengesellschaft, die diese Woche im britischen Liverpool stattfindet, wollen Hautärzte jetzt Alarm schlagen.

Verschiedene Studien hätten gezeigt, dass die Zahl der Allergien gegen MI in den vergangenen Jahren stark zugenommen habe, so die britischen Dermatologen. Allerdings sind die entsprechenden Studien noch unveröffentlicht, und die von den Kritikern genannten Zahlen geradezu winzig. Ein Forscherteam um John McFadden vom Londoner St. Thomas Hospital etwa hat nach Angaben des Hautärzteverbands einen Anstieg der MI-Allergien in Großbritannien von einem Fall im Jahr 2010 auf 33 Fälle im vergangenen Jahr registriert.

MI wurde lange vor allem gemeinsam mit dem Konservierungsstoff Methylchloroisothiazolinon (MCI) in Kosmetikprodukte gemischt - im Verhältnis drei zu eins. Dabei waren insgesamt maximal 0,0015 Prozent MI und MCI im fertigen Produkt enthalten. Doch MCI geriet öffentlich in die Kritik, so dass Hersteller den Stoff wegließen und nur noch auf MI setzen. Seit 2005 darf die Substanz laut europäischer Kosmetikverordung in einer Konzentration von 0,01 Prozent in fertigen Shampoos und anderen Produkten enthalten sein. MI wird derzeit zudem häufig eingesetzt, um weniger allergene Parabene zu ersetzen, die in Verruf geraten sind, wie Hormone zu wirken.

Die britischen Dermatologen vermuten einen Zusammenhang zwischen den höheren MI-Konzentrationen und der Zunahme der Allergiefälle. "Es ist Zeit zu handeln", sagt McFadden. "Wir sind mitten in einem Allergieausbruch gegen einen Konservierungsstoff."

Bessere Kennzeichnung statt Panik

Auch der Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK) in Deutschland registriert eine leichte Zunahme der Allergien gegen MI. In Deutschland reagieren bei Tests etwa drei bis fünf Prozent der Teilnehmer auf MI und MCI. "Diese Häufigkeit lässt sich aber nicht auf die Allgemeinbevölkerung übertragen", sagt Johannes Ring von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein der TU München.

Dass MI und MCI Allergien auslösen, sei lange bekannt. "Panikmache führt zu nichts", so der Dermatologe. "Es ist immer das gleiche Prinzip: Ein Konservierungsstoff wird verteufelt und gegen eine andere, weniger bekannte Substanz ausgetauscht, die sich dann auch als allergen entpuppt." In der Vergangenheit sei etwa Formaldehyd ersetzt worden - gegen Stoffe, die jetzt Probleme machen.

"Es gibt sicher auch in Deutschland Kollegen, die dafür sind, MI und MCI zu verbieten", so Ring. "Aus meiner Sicht wäre Allergikern aber mehr geholfen, wenn die Kennzeichnungen auf den Verpackungen eindeutig wären." Dann könnten Betroffene entsprechend leichter einkaufen, und der Rest der Bevölkerung müsste sich keine Sorgen machen.

jme

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