Hautkrebsrisiko Australien verbietet Solarien

Schluss mit künstlicher Bräune: Der australische Bundesstaat Victoria hat beschlossen, Solarien künftig zu verbieten. Fünf weitere Bundesstaaten wollen dem Beispiel folgen. In Deutschland gilt ein Verbot weiterhin nur für Kinder und Jugendliche.

Bräunung im Solarium: Das Hautkrebsrisiko nimmt deutlich zu
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Bräunung im Solarium: Das Hautkrebsrisiko nimmt deutlich zu


Von 2015 an sollen Solarien im australischen Bundesstaat Victoria verboten sein. Seit längerem war der Gesetzesentwurf angekündigt, nun passierte er auch das Parlament. Wie das das "Wall Street Journal" berichtet, seien in fünf weiteren Bundesstaaten ähnliche Gesetze für 2014 und 2015 geplant.

Damit geht Victoria einen deutlichen Schritt weiter als es die meisten Nationen es tun: Länder wie Deutschland, Großbritannien, Frankreich oder einige US-Bundesstaaten haben zwar Verbote für Minderjährige durchgesetzt und Brasilien hat als erstes Land ein generelles Verbot für Sonnenstudios erlassen. In der überwiegenden Zahl der Länder aber sind die Regularien deutlich lascher.

In Australien macht Hautkrebs vier von fünf neuen Tumorerkrankungen aus. "Zwei von drei Australiern werden bis zum 70. Lebensjahr die Diagnose Hautkrebs bekommen", schreibt das Cancer Council Australia auf seiner Website. Bei der Entstehung sind vor allem die natürlichen UV-Strahlen der Sonne entscheidend. Doch auch Solarien, die über Jahre hinweg immer beliebter geworden waren, tragen zu dem hohen Hautkrebsrisiko bei. Victorias Gesundheitsminister David Davis sagte nun: "Der medizinische Nachweis ist so eindeutig, dass er ein Verbot von Solarien unterstützt."

Deutlich mehr Hautkrebs durch Solariumbesuch

Im Juli 2013 hatte ein internationales Mediziner-Konsortium sämtliche verfügbaren Forschungsdaten aus 18 westeuropäischen Staaten, darunter auch Deutschland, analysiert und ausgewertet. Dabei kamen die Forscher zu einem bemerkenswerten Ergebnis: Sonnenbänke erhöhen das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Noch drastischer ist der Studie zufolge der Effekt bei Menschen, die sich vor dem 35. Lebensjahr unter die Sonnenbank legen. Für sie steigert sich das Risiko gegenüber Menschen, die nie in ihrem Leben ins Solarium gehen, um 87 Prozent.

In Deutschland ist bereits seit 2009 ein Verbot in Kraft, nach dem Kinder und Jugendliche die Sonnenbänke nicht benutzen dürfen. Das Bundesamt für Strahlenforschung (BfS) rät grundsätzlich von einer Nutzung von Solarien ab. Für jene, die sich trotz aller Warnungen eine makellose Bräune wünschen, stellt das BfS einen "Solarium-Check"zur Verfügung. Darin sind die wichtigsten Punkte erwähnt, die sowohl vom Personal als auch von den Bräunungsgeräten erfüllt sein sollten.

Hautkrebs
Zahl der Erkrankten steigt
Seit den siebziger Jahren steigt die Zahl von Hautkrebserkrankungen , keine andere Krebsart verzeichnet vergleichbare Zuwachsraten. Mehr als 20.000 Deutsche erkranken jedes Jahr neu am schwarzen Hautkrebs , die Zahlen für weißen Hautkrebs sind noch höher: Bei rund 80.000 deutschen Patienten wird jährlich ein Basalzellkarzinom diagnostiziert, bei etwa 22.000 ein Plattenepithelkarzinom .
Hauptursache hierfür ist die Belastung mit UV-Strahlung durch übermäßiges Sonnenbaden, Solarien und die erhöhte Strahlung durch die Zerstörung der Ozonschicht.
Malignes Melanom
Mit dem Begriff Hautkrebs wird umgangssprachlich oft das maligne Melanom bezeichnet, die bekannteste und gefährlichste Hautkrebsform. Dieser "schwarze Hautkrebs" entwickelt sich in der Regel als bösartige Neubildung pigmentbildender Zellen der Haut. Dabei wirken sich offenbar Effekte des ultravioletten Lichts aus: Unter anderem unterdrückt UV-Strahlung die Immunabwehr - mit der Folge, dass Krebsherde ungestört heranwachsen können.

Als besonders gefährdet gelten Menschen mit vielen pigmentierten Muttermalen ( Nävi ), hellem Hauttyp und genetischer Vorbelastung. Auch sogenannte Altersflecken können auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hinweisen. Bei Männern steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Frauen bekommen Hautkrebs auch schon in jungen Jahren.
Früh erkannt, sind die Heilungschancen gut: Ist der Tumor nicht mehr als 1,5 Millimeter dick, überleben mehr als 90 Prozent der Patienten die nächsten zehn Jahre. Sind hingegen bereits Metastasen in Leber, Lunge, Gehirn oder Knochen aufgetreten, ist der Krebs meist nicht mehr heilbar. Jährlich sterben etwa 2500 Menschen am malignen Melanom.
Weißer Hautkrebs
Häufiger als maligne Melanome treten Hautkrebsarten auf, die sich nicht aus den pigmentbildenden Zellen der Haut entwickeln und oft unter den Begriffen weißer oder heller Hautkrebs zusammengefasst werden. Am häufigsten sind darunter das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom . Das UV-Licht der Sonne schädigt in den Hautzellen die Erbsubstanz DNA. Mutationen entstehen, die zu Krebs führen können. Das Risiko, an einem sogenannten nichtmelanozytären Hautkrebs zu erkranken, steigt mit der lebenslang erworbenen UV-Dosis und daher mit zunehmendem Alter. Diese Hautkrebserkrankungen bilden fast nie Metastasen (Tochtergeschwülste) und sind somit in der Regel heilbar.
Vorbeugende Maßnahmen
Die beste Prävention gegen Hautkrebs ist nach wie vor ausreichender Schutz vor UV-Strahlung , unter anderen auch durch Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor und schützende Kleidung. Sonnenbrände sollte man vermeiden und Kinder nicht übermäßig der Sonne aussetzen, vor allem nicht in der Mittagszeit.
Früherkennung
Je früher Hautkrebs entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Deshalb empfielt es sich, den eigenen Körper zu beobachten. Damit auch der Laie entsprechende Hautveränderungen entdecken kann, gibt es eine einfache ABCD-Regel. Die Abkürzung steht für Asymmetrie, Begrenzung, Colour (Farbe) und Durchmesser:
  • Asymmetrie: Ein Fleck kann gefährlich sein, wenn er keine runde oder ovale Form hat, sondern asymmetrisch aufgebaut ist.
  • Begrenzung: Eine unscharfe Begrenzung kann ebenso auf ein Melanom hindeuten wie unregelmäßige Ausfransungen oder Ausläufer des Pigmentmals.
  • Colour (Farbe): Ein Muttermal mit mehreren Farbtönungen sollte genau beobachtet werden.
  • Durchmesser: Auch ein Pigmentmal, dessen Durchmesser größer als fünf Millimeter ist, sollte beachtet werden.
Seit 1. Juli 2008 zahlen gesetzliche Krankenkassen vom 35. Lebensjahr an alle zwei Jahre eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs bei qualifizierten Hausärzten und Dermatologen.
Anmerkung der Redaktion: In einer ursprünglichen Fassung hieß es, bei Menschen, die sich vor dem 35. Lebensjahr unter die Sonnenbank legten, betrage das gesteigerte Risiko gegenüber Menschen, die nie in ihrem Leben ins Solarium gingen, 87 Prozent. Tatsächlich steigert sich das Risiko um 87 Prozent. Wir bitten um Entschuldigung.

hei

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eigene_meinung 22.10.2013
1. was kommt als nächstes?
Als Nächstes wird dann wohl der Aufenthalt im Freien verboten oder das Tragen eines Ganzkörperschleiers vorgeschrieben.
ibotob 22.10.2013
2.
Australien != australischer Bundesstaat. Ist eine reißerische Schlagzeile denn wichtiger als eine korrekte? SPON, bitte...
fatherted98 22.10.2013
3. Komisch....
Zitat von eigene_meinungAls Nächstes wird dann wohl der Aufenthalt im Freien verboten oder das Tragen eines Ganzkörperschleiers vorgeschrieben.
...das durchaus vernünftige staatliche Regelungen immer mit solchen tumben Kommentaren begleitet werden...schon seltsam.
franz-burbach 22.10.2013
4. Darf ich denn noch Luft holen oder ist das auch gefährlich
Also heute Hüh und morgen Hott. Wonach soll man sich denn noch richten. Als Kind wurde ich an die See geschickt Die Luft wäre dort so Jod und Ozonhaltig und das wäre sehr gesund für den Körper. Lesen sie einmal was hier über Sonnenbestrahlung steht. Von: "Prof. Dr. Jörg Spitz, Facharzt für Nuklearmedizin, Ernährungsmedizin und Präventionsmedizin und Buchautor" http://www.n-tv.de/wissen/Sonnenlicht-ist-lebenswichtig-article2361266.html Gruß Franz Burbach
Am_Rande 22.10.2013
5. Nieder mit der Aufklärung!
Einst hieß es: ---Zitat--- *AUFKLÄRUNG ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. * Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. *Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.* [...] *Daß der bei weitem größte Teil der Menschen (darunter das ganze schöne Geschlecht) den Schritt zur Mündigkeit, außer dem daß er beschwerlich ist, auch für sehr gefährlich halte, dafür sorgen schon jene Vormünder, die die Oberaufsicht über sie gütigst auf sich genommen haben. Nachdem sie ihr Hausvieh zuerst dumm gemacht haben und sorgfältig verhüteten, daß diese ruhigen Geschöpfe ja keinen Schritt außer dem Gängelwagen, darin sie sie einsperreten, wagen durften, so zeigen sie ihnen nachher die Gefahr, die ihnen drohet, wenn sie es versuchen, allein zu gehen. * Nun ist diese Gefahr zwar eben so groß nicht, denn sie würden durch einigemal Fallen wohl endlich gehen lernen; allein ein Beispiel von der Art macht doch schüchtern und schreckt gemeiniglich von allen ferneren Versuchen ab. Es ist also für jeden einzelnen Menschen schwer, sich aus der ihm beinahe zur Natur gewordenen Unmündigkeit herauszuarbeiten. Er hat sie sogar liebgewonnen und ist vorderhand wirklich unfähig, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen, weil man ihn niemals den Versuch davon machen ließ. Satzungen und Formeln, diese mechanischen Werkzeuge eines vernünftigen Gebrauchs oder vielmehr Mißbrauchs seiner Naturgaben, sind die Fußschellen einer immerwährenden Unmündigkeit. Wer sie auch abwürfe, würde dennoch auch über den schmalesten Graben einen nur unsicheren Sprung tun, weil er zu dergleichen freier Bewegung nicht gewöhnt ist. Daher gibt es nur wenige, denen es gelungen ist, durch eigene Bearbeitung ihres Geistes sich aus der Unmündigkeit herauszuwickeln und dennoch einen sicheren Gang zu tun. Daß aber ein Publikum sich selbst aufkläre, ist eher möglich; ja es ist, wenn man ihm nur *Freiheit* läßt, beinahe unausbleiblich. ---Zitatende--- *Aber heute haben wir ja längst wieder Vati Staat, der uns an die Hand nimmt und uns das mühsame - ach: gefährliche! - Denken und Entscheiden abnimmt!*
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