UV-Strahlung Immer mehr Hautkrebs-Patienten in Kliniken

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die wegen Hautkrebs im Krankenhaus behandelt werden, nimmt deutlich zu. Dabei ließen sich viele Tumoren durch Sonnenschutz vermeiden - und früher erkennen.

Untersuchung eines Leberflecks
Getty Images

Untersuchung eines Leberflecks


In deutschen Kliniken werden immer mehr Patienten mit Hautkrebs behandelt. Im Jahr 2015 kamen insgesamt 100.400 Patienten mit dieser Diagnose stationär ins Krankenhaus - das war ein Anstieg um 17,1 Prozent binnen fünf Jahren, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Gut drei Viertel der Patienten waren 65 Jahre und älter.

Knapp ein Viertel (23,1 Prozent) musste sich wegen eines bösartigen Melanoms - dem sogenannten schwarzen Hautkrebs - behandeln lassen. Diese Tumoren wachsen schnell und breiten sich rasch über das Lymphgefäßsystem und die Blutbahn in lebenswichtigen Organen wie Lunge, Leber oder Gehirn aus. Dort bilden sie Metastasen.

Bis zu 3000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an einem schwarzen Hautkrebs. Bis vor Kurzem betrug die durchschnittliche Überlebenszeit von Erkrankten mit Metastasen nur wenige Monate. Durch neue Therapieansätze und Kombinationen moderner Medikamente könne diese Zeit aber inzwischen deutlich verlängert werden, so Dermatologen.

Mehr als drei Viertel (76,9 Prozent) waren mit der Diagnose heller Hautkrebs, zu dem das Basalzellkarzinom und das Plattenephithelkarzinom zählen, in Behandlung. Heller Hautkrebs ist deutlich verbreiteter als der gefährliche schwarze Hautkrebs und bildet seltener Metastasen. Beim hellen Hautkrebs sind die Prognosen generell günstiger. Grundsätzlich gilt: Wird Hautkrebs früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen.

Alle zwei Jahre zum Hautcheck

Schwarzer Hautkrebs trat bei Männern vor allem am Körperrumpf auf, bei Frauen vor allem an den Beinen sowie der Hüfte. Vom hellen Hautkrebs sind dagegen besonders jene Körperregionen betroffen, die verstärkt dem Sonnenlicht ausgesetzt sind, zum Beispiel das Gesicht, die Kopfhaut, Hals, Ohren und Nacken.

Männer wurden deutlich häufiger im Krankenhaus wegen Hautkrebs behandelt (57 Prozent) als Frauen (43 Prozent). Im Schnitt blieben die Patienten 4,7 Tage in der Klinik. Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene kommen deswegen nur sehr selten ins Krankenhaus. Als Hauptursache für die Entstehung von Hautkrebs gelten zu viel UV-Licht der Sonne und erbliche Veranlagungen.

Hautkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland: Jedes Jahr erkranken nach Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft bis zu 200.000 Menschen neu daran. Die Deutsche Krebshilfe geht sogar von jährlich mehr als 290.000 Neuerkrankungen aus. Allein mehr als 20.000 Diagnosen betreffen den schwarzen Hautkrebs.

BRÄUNE UND HAUTKREBSGEFAHR - FRAGEN AN DEN EXPERTEN

Ein Hautkrebscheck hilft, bösartige Hautveränderungen früh zu entdecken. Alle zwei Jahre haben gesetzlich Krankenversicherte ab 35 Jahren Anspruch auf die Vorsorgeuntersuchung bei einem Hautarzt oder einem dafür qualifizierten Hausarzt. Studien zufolge nutzt aber nur ein Drittel diese Möglichkeit.

Die ABCDE-Regel

Auch wer regelmäßig zum Screening geht, sollte seine Haut selbst inspizieren, betont der Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD). Hautkrebsvorstufen sind sichtbar und zum Teil auch tastbar. Der schwarze Hautkrebs ist meist ein dunkler, unregelmäßig geformter Hautfleck, dessen Farbe, Größe und Form sich verändern können. Beim weißen Hautkrebs ist eine schuppende, verfärbte oder unebene Hautstelle ein Anzeichen.

Zur Selbstkontrolle kann man die ABCDE-Regel anwenden, um Leberflecken von Hautkrebs zu unterscheiden, wie die Deutsche Krebshilfe erläutert.

  • A steht für Asymmetrie - eine ungleichmäßige Form ist ein Warnsignal.
  • B meint Begrenzung - verwaschene, unebene und raue Ränder können auf Hautkrebs hindeuten.
  • C steht für Color, also Farbe. Treten in einem Muttermal verschiedene Farben - etwa rosa, grau oder schwarz - auf, sollte man das vom Arzt abklären lassen.
  • D wie Durchmesser: Liegt dieser bei einem Muttermal über fünf Millimetern ist das ebenfalls ein Warnsignal.
  • E steht für Entwicklung und bedeutet, dass man mit einem Muttermal, das sich in den vergangenen drei Monaten verändert hat, zum Arzt gehen sollte.

Sonnencremes und schützende Kleidung

Bei der Selbstkontrolle sollten auch Finger, Fußsohlen und Ohren von der Untersuchung nicht ausgenommen werden.

Der beste Schutz vor Hautkrebs ist ein dosierter und dem Hauttyp angepasster Umgang mit der Sonne, um keinen Sonnenbrand zu bekommen. Vor allem die Mittagssonne sollte man meiden und entsprechende Kleidung, Mützen und Sonnenbrille tragen. Entscheidend sind zudem Sonnencremes mit hohem Lichtschutzfaktor. Um die Intensität der Sonne einschätzen zu können, hilft auch der UV-Index: Er gibt die Stärke der sonnenbrandwirksamen UV-Strahlung auf einer Skala von 1 bis 11+ an. Das Bundesamt für Strahlenschutz veröffentlicht aktuelle UV-Prognosen.

hei/AFP

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.