UV-Strahlung Piloten erkranken deutlich häufiger an Hautkrebs

Über den Wolken steigt die UV-Strahlung - ein Risiko für Piloten und Flugbegleiter. Sie erkranken mehr als doppelt so häufig an schwarzem Hautkrebs wie Durchschnittsbürger, zeigt eine große Studie.

Blick ins Cockpit einer A380: Strahlung in der Höhe größer
DPA

Blick ins Cockpit einer A380: Strahlung in der Höhe größer


Die Arbeit über den Wolken fordert ihren Tribut. Laut einer großen Studie entwickeln Piloten und Flugbegleiter mehr als doppelt so häufig schwarzen Hautkrebs wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher um Martina Sanlorenzo von der University of California, nachdem sie 19 Studien ausgewertet hatten. Ihr Ergebnis bezieht sich auf Daten von mehr als 266.000 Teilnehmern.

Mit zunehmender Höhe verringert sich der natürliche Schutz durch die Atmosphäre und die Belastung durch die Sonnenstrahlung steigt. Welcher Dosis kosmischer Strahlung Piloten und Flugpersonal ausgesetzt sind, werde regelmäßig überwacht, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Jama Dermatology". Dennoch sei die Gefährdung durch UV-Strahlung kein anerkannter beruflicher Risikofaktor für das Flugpersonal, so die Forscher.

Bei ihren Analysen ermittelte das Team um Sanlorenzo ein 2,22-fach erhöhtes Risiko für Piloten, an schwarzem Hautkrebs zu erkranken. Die Tumoren gelten als besonders bösartig und streuen leicht. Beim Kabinenpersonal war das Risiko um das 2,09-Fache erhöht. Die Gefahr, an den Folgen der Erkrankung zu sterben, lag beim Flugpersonal insgesamt 42 Prozent höher als beim Durchschnitt der Bevölkerung.

In Deutschland entwickeln nach Angaben der Robert Koch-Instituts pro Jahr knapp 20.000 Menschen ein sogenanntes malignes Melanom, etwa 2700 sterben an den Folgen der Krebserkrankung.

UV-Strahlung als wichtigste Ursache

Die Autoren der Studie erklären das Ergebnis mit Messungen an verschiedenen Flugzeugtypen: Demnach blockieren Scheiben aus Polykarbonaten UV-Strahlung fast vollständig. Das ebenfalls eingesetzte Verbundglas allerdings lasse 54 Prozent eines Teils der UV-Strahlung (UVA) durch. UV-Strahlung gilt neben genetischen Faktoren als Hauptursache für schwarzen Hautkrebs. In den großen Flughöhen komme hinzu, so Sanlorenzo und Kollegen, dass Wolken und schneebedeckte Berge bis zu 85 Prozent der UV-Strahlung reflektierten.

Daneben müssten für die Ergebnisse auch weitere mögliche Erklärungen in Betracht gezogen werden, sagt Gael Hammer vom Nationalen Gesundheitslabor in Luxemburg, Mitautor einer Krebsstudie zu deutschem Flugpersonal. So kam eine Studie mit nordeuropäischen Piloten 2003 zum Ergebnis, dass das Melanomrisiko nicht nur bei den Hautpartien an Hals und Kopf erhöht ist (2,5), sondern auch am Rumpf (2,33). "Vielleicht hat das Flugpersonal durch Flüge in den Süden einfach mehr Gelegenheiten zum Sonnenbaden", sagt Hammer. Über die Jahrzehnte habe dieses Risiko abgenommen, was für ein zunehmend gesundheitsbewusstes Verhalten sprechen könnte.

irb/dpa



insgesamt 35 Beiträge
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damocles_ 04.09.2014
1. statistische Signifikanz?
Wenn 20.000 Menschen in Deutschland pro Jahr ein Melanom entwickeln, be grob 80.000.000 Einwohnern, sind das 0,025%. In Deutschland gibt es grob 15.000 Berufspiloten. Dann trifft es 3 bis 4 Piloten pro Jahr bei normalem Risiko, und 6 bis 8 bei dem vermuteten höheren Risiko. Das sind noch wirklich keine signifikanten Mengen um das höhere Risiko, gegenüber reinen Zufallsfällen abzugrenzen.
cassandros 04.09.2014
2. Cremen Sie sich ein, wenn Sie während des Fluges das Flugzeug verlassen!
Wie kommt das? Steigen Piloten und Stewardessen während des Fluges aus, um - sich auf den Tragflächen räkelnd - Sonnenbäder zu nehmen? Denn: Weder durch die Fenster noch durch die Aluminiumhülle eines Flugzeugen dringen UV-Strahlen in das Innere des Fluggerätes. Ein Enigma!
stefanmargraf 04.09.2014
3. Bullshit! Hier wird UV und kosmische Strahlung vermischt!
Der UV Anteil liegt vorwiegend im A Bereich oberhalb von 340nm, dieses Plancksche Energielevel ist vernachlaessigbar fuer die Entstehung von Krebs. UVB geht nicht durch die Scheiben. Kosmische Strahlung kann einen Anteil haben, dann aber nicht nur fuer das maligne Melanom. Liegt es vielleicht daran, das dem Personal mehr als anderen daran gelegen ist, attraktiv auszusehen? Und das sie hauefiger als andere Gelegenheit haben am Hotelpool zu braten?
ruhepuls 04.09.2014
4. UV-Strahlung?
Piloten und andere Vielflieger bekommen nicht mehr UV-Strahlung ab, aber natürlich deutlich mehr der radioaktiven Höhenstrahlung. Passt wohl nicht zum Hautkrebs-Dogma, der ja angeblich nur durch UV erzeugt wird...
DonG 04.09.2014
5.
Zitat von stefanmargrafDer UV Anteil liegt vorwiegend im A Bereich oberhalb von 340nm, dieses Plancksche Energielevel ist vernachlaessigbar fuer die Entstehung von Krebs. UVB geht nicht durch die Scheiben. Kosmische Strahlung kann einen Anteil haben, dann aber nicht nur fuer das maligne Melanom. Liegt es vielleicht daran, das dem Personal mehr als anderen daran gelegen ist, attraktiv auszusehen? Und das sie hauefiger als andere Gelegenheit haben am Hotelpool zu braten?
Exakt, die "gepflegte Langstreckenbräune" ist halt nicht so gesund. Wer mal die Ledergesichter von Teilen des fliegenden Personals gesehen hat, braucht kein Forschungsteam um die Ursachen zu erkennen. An dem offensichtlichen Widerspruch, dass Piloten, die hinter Verbundglas im lichtdurchfluteten Cockpit sitzen und Flugbegleiter, die in der lichtarmen Kabine hinter Polycarbonat arbeiten, ähnlich hohe Hautkrebsraten haben, scheint sich keiner der "Wissenschaftler" zu stören.
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