Experten-Tipps So vermeiden Sie Hautkrebs

Erstmals haben Ärzte in einer Anleitung zusammengefasst, wie sich Hautkrebs am besten vermeiden lässt. Viele der Tipps sollten bekannt sein, aber Sonnenhungrige ignorieren sie oft.

Von

Früherkennung: Hautkrebs ist einer der vermeidbarsten Krebsarten
DPA

Früherkennung: Hautkrebs ist einer der vermeidbarsten Krebsarten


Zumindest im Zusammenhang mit Hautkrebs wäre es ein großer Vorteil, Südländer zu sein. Die Menschen aus den Sonnenstaaten haben ein nicht einmal halb so großes Hautkrebsrisiko wie viele Nordeuropäer. In Deutschland diagnostizieren Ärzte pro Jahr bei mehr als 230.000 Menschen Hautkrebs, davon bei 200.000 "weißen" Hautkrebs, das heißt ein Spinaliom oder Basaliom, und bei den übrigen "schwarzen" Hautkrebs, das heißt ein Melanom.

Hautkrebs ist die häufigste Tumorart, doch kaum ein Krebs lässt sich durch Vorbeugung so gut vermeiden. Ärzte haben jetzt erstmals in einer Anleitung zusammengefasst, mit welchen Maßnahmen sich das Hautkrebs-Risiko am besten senken lässt. "Wir möchten Ärzten und der allgemeinen Bevölkerung wissenschaftlich begründete, praktikable Vorbeugeempfehlungen an die Hand geben", sagt Eckhard Breitbart, Koordinator der Leitliniengruppe "Hautkrebsprävention". Die Leitlinie richtet sich vor allem an Ärzte, aber eine laienverständliche Informationsbroschüre soll in Kürze auch herauskommen.

Eine der Hauptursachen für die Entstehung von Hautkrebs ist UV-Strahlung - ein Risiko, das sich leicht vermeiden lässt. Die Tipps der Experten werden immer wieder gepredigt, aber viele ignorieren sie leicht, wenn sie nach einem langen Winter endlich die Sonne genießen möchten.

Die Tipps der Experten auf einen Blick:

  • Regelmäßig Lichtschutzmittel verwenden
  • Nicht mittags in die Sonne gehen
  • Sonnenexposition dem Hauttyp anpassen
  • Besser Schatten als direkte Sonne
  • Sport und Spiel eher abends und morgens als mittags
  • Sonnenbrand vermeiden
  • Haut und Augen durch Kleidung und Sonnenbrille schützen
  • Sonnenstudio vermeiden
  • beachten, dass Tabletten mit Vitamin A, Selen oder Beta-Karotin nicht vor Sonnenbrand oder Hautkrebs schützen

Auch unsere Gene bestimmen, wie hoch das individuelle Risiko für Hautkrebs ist, da sie den Hauttyp festlegen. So haben Menschen mit Hauttyp I, also weißer Haut, oft blauen oder grünen Augen, roten oder blonden Haaren und Neigung zu Sonnenbrand ein mehr als doppelt so hohes Risiko, ein Melanom zu bekommen, als diejenigen mit Hauttyp IV. Sie bilden den "mediterranen Typ", also Sonnenunempfindliche mit dunkler Haut und dunklen Augen. Beim Basaliom ist das Risiko mehr als fünfmal, beim Spinaliom 1,4-mal so hoch.

Früherkennung beim Arzt

Seit dem 1. Juli 2008 haben gesetzlich Versicherte ab einem Alter von 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine Früherkennungs-Untersuchung. Dieses Screening bezahlen die Kassen. Studien zeigen, dass die Ärzte damit Hautkrebs in einem früheren Stadium entdecken. Und das kann das Leben deutlich verlängern: Von den Patienten mit einem Melanom kleiner als 1 Millimeter bei der Diagnose leben nach fünf Jahren noch mehr als 99 Prozent. Ist der Krebs noch in der obersten Hautschicht, kann er mit einer Operation entfernt werden und der Patient ist geheilt. Ist der Krebs hingegen fortgeschritten, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit dramatisch.

Für die Untersuchung braucht der Arzt nur eine helle Lampe und sein geschultes Auge. Sie muss nicht von einem Dermatologen durchgeführt werden, aber der Mediziner sollte eine spezielle Fortbildung absolviert haben. Ein spezielles Vergrößerungsglas (Dermatoskop) braucht er nur, wenn er den Verdacht hat, ein auffälliger Leberfleck könnte Hautkrebs sein. Die Untersuchung dauert etwa eine Viertelstunde und läuft nach einem standardisierten Schema ab: Nach dem Vorgespräch schaut sich der Arzt die Haut vom Scheitel bis zu den Zehen-Zwischenräumen penibel an.

Selbstcheck zu Hause

Auch wenn es Zeit kostet und mühselig ist: Jeder selbst kann helfen, dass bei ihm Hautkrebs in einem frühen Stadium entdeckt wird. Einmal im Monat, empfehlen Hautärzte, sollte man seine Leberflecke mit Hilfe seines Partners oder eines Handspiegels von Kopf bis Fuß untersuchen. Aber woher weiß der Laie, wann sich hinter einem Muttermal Krebs verbirgt?

Helfen kann die ABCDE-Regel:

A wie Asymmetrie: Das Muttermal hat eine unregelmäßige Form

B wie Begrenzung: Das Muttermal ist an den Rändern zackig, uneben und rau.

C wie Colour: Das Muttermal ist an einigen Stellen heller oder dunkler

D wie Durchmesser: Muttermale mit einem Durchmesser von mehr als fünf Millimetern sind verdächtig

E wie Erhabenheit: Abhebungen von der Haut, Knotenbildung, Höcker oder Stufen

Sieht man nach der ABCDE-Regel etwas Auffälliges, zeigt man es besser dem Hautarzt. Hautkrebs kann sich aber auch verstecken hinter einem Nagel, hinter einer langwierigen, schmerzlosen Nagelwallentzündung, einer dunklen Verfärbung an der Fußsohle oder einer nicht heilenden Wunde an der Hacke.

ARTEN VON HAUTKREBS
Malignes Melanom
Mit dem Begriff Hautkrebs wird umgangssprachlich oft das maligne Melanom bezeichnet, die bekannteste und gefährlichste Hautkrebsform. Dieser "schwarze Hautkrebs" entwickelt sich in der Regel als bösartige Neubildung pigmentbildender Zellen der Haut. Dabei wirken sich offenbar Effekte des ultravioletten Lichts aus: Unter anderem unterdrückt UV-Strahlung die Immunabwehr - mit der Folge, dass Krebsherde ungestört heranwachsen können.

Als besonders gefährdet gelten Menschen mit vielen pigmentierten Muttermalen ( Nävi ), hellem Hauttyp und genetischer Vorbelastung. Auch sogenannte Altersflecken können auf ein erhöhtes Hautkrebsrisiko hinweisen. Bei Männern steigt das Erkrankungsrisiko mit zunehmendem Alter. Frauen bekommen Hautkrebs auch schon in jungen Jahren.
Früh erkannt, sind die Heilungschancen gut: Ist der Tumor nicht mehr als 1,5 Millimeter dick, überleben mehr als 90 Prozent der Patienten die nächsten zehn Jahre. Sind hingegen bereits Metastasen in Leber, Lunge, Gehirn oder Knochen aufgetreten, ist der Krebs meist nicht mehr heilbar. Jährlich sterben etwa 2500 Menschen am malignen Melanom.
Weißer Hautkrebs
Häufiger als maligne Melanome treten Hautkrebsarten auf, die sich nicht aus den pigmentbildenden Zellen der Haut entwickeln und oft unter den Begriffen weißer oder heller Hautkrebs zusammengefasst werden. Am häufigsten sind darunter das Basalzellkarzinom und das Plattenepithelkarzinom. Das UV-Licht der Sonne schädigt in den Hautzellen die Erbsubstanz DNA. Mutationen entstehen, die zu Krebs führen können. Das Risiko, an einem sogenannten nichtmelanozytären Hautkrebs zu erkranken, steigt mit der lebenslang erworbenen UV-Dosis und daher mit zunehmendem Alter. Diese Hautkrebserkrankungen bilden fast nie Metastasen (Tochtergeschwülste) und sind somit in der Regel heilbar.

Mehr zum Thema Hautkrebs vorbeugen finden Sie hier.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 38 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
übel_ismir-schonlang 14.04.2014
1. Und wenn man alle Regeln beachtet ...
... kriegt man früher oder später Ostheoporose und damit künstliche Hüft- und Kniegelenke und jede Menge Schmerzen.
maburayu 14.04.2014
2.
Zitat von sysopDPAErstmals haben Ärzte in einer Anleitung zusammengefasst, wie sich Hautkrebs am besten vermeiden lässt. Viele der Tipps sollten bekannt sein, aber Sonnenhungrige ignorieren sie oft. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hautkrebs-so-vermeiden-sie-melanom-und-basaliom-a-963241.html
Ich war letzte Woche beim Hautarzt, der wollte das Screening nur dann durchführen, wenn ich zuzahlen.
Butenkieler 14.04.2014
3. Hautärzte
betrachten diese Untersuchung in erster Linie als IGEL-Leistung.
firehorse67 14.04.2014
4. warum
Zitat von übel_ismir-schonlang... kriegt man früher oder später Ostheoporose und damit künstliche Hüft- und Kniegelenke und jede Menge Schmerzen.
sollte man ostheosporose bekommen?? wenn man diese tipps einhält? ich lebe schon immer so, da ich rothaarig bin und diese tipps mir schon vor langer zeit von meinem vater (dr.med) gegeben wurden. für die vitamin d produktion reichen 20 min im schatten :)
robin-masters 14.04.2014
5. Wirklich sinnvoll
es gilt die Regel - die Krankenkassen bezahlen nur das nötigste.... aber ist das wirklich schlimm? - Ich denke nicht. Man sollte nach gesundem Menschenverstand leben alles andere ist eh nicht vermeidbar....! Wenn ich jetzt nur noch vermummt auf die Straße renne und jeden Tag meine Flecken auf der Haut untersuche bringt mich das auch nicht weiter.... denn auch dann kann man Krebsbekommen und das Hinterteil und der Rücken ist schwer zu inspizieren .. ;-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.