Hautkrebs durch Solarien Riskante Sonnenbäder

Wie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet.

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Model im Solarium: Bei Menschen, die vor 35 ins Solarium gehen, steigt das Risiko noch stärker an
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Model im Solarium: Bei Menschen, die vor 35 ins Solarium gehen, steigt das Risiko noch stärker an


Vielfach stärker als die Mittagssonne am Mittelmeer brennen die Kraftstrotze unter den modernen Sonnenbänken auf die Körper der Bräunungswilligen, die sich im Solarium auf den Sommerurlaub vorbereiten. Mit einer einzigen Zehnminuten-Sitzung ist es dabei häufig nicht getan, schließlich will niemand mit käseweißen Oberschenkeln unangenehm auffallen am Badestrand. Evolutionär gesehen, ist für den menschlichen Körper die Erfahrung des wiederholten Röstens etwas ganz Neues. Unsere Vorfahren mögen sich einen Sonnenbrand geholt haben, sie dürften es aber kaum auf dauerhaft verbrannte Haut angelegt haben.

Wie schädlich das künstliche Sonnenbaden sein kann, belegen neue Berechnungen europäischer Wissenschaftler: Gegenüber Menschen, die in ihrem Leben nie eine Sonnenbank benutzen, erhöht sich das Melanom-Risiko von Solariumsbesuchern um 20 Prozent. Noch drastischer ist demnach der Effekt bei Menschen, die sich vor dem 35. Geburtstag im Solarium bräunen: Für diese Gruppe berechneten die Forscher um Mathieu Boniol vom Lyoner International Research Prevention Institute ein gar um 87 Prozent gesteigertes Risiko. Die Wissenschaftler analysierten für ihre Übersichtsarbeit im "British Medical Journal" die verfügbaren Forschungsdaten für 18 westeuropäische Staaten, darunter Deutschland.

Die Angaben für das durch Solariumsbesuche steigende Melanom-Risiko beruhen auf berechneten Schätzungen. Die Forscher stützten sich auf Beobachtungsstudien, nicht auf den direkten Vergleich von Sonnenbanknutzern und Menschen, die nie ins Solarium gehen. Allerdings stützen die Ergebnisse von Boniol und seinen Kollegen frühere Studien, die ähnliche Ergebnisse lieferten.

Die Studie im Detail
Ziel der Studie
Die Wissenschaftler wollten den Anteil der Melanomfälle in Westeuropa schätzen, der auf die Nutzung von Solarien zurückzuführen ist.
Wie untersucht wurde
Die Forscher suchten in der verfügbaren Literatur nach Beobachtungsstudien, die das Hautkrebsrisiko untersuchten und aus denen hervorging, ob die Studienteilnehmer in ihrem Leben jemals Sonnenbänke benutzt hatten.

In den für die Metaanalyse verwendeten 27 Studien gab es insgesamt 11.428 Melanompatienten. Die Untersuchungen fanden zwischen 1981 und 2012 vor allem in Europa (18 Studien), den USA oder Kanada (sieben Studien) und Australien (zwei Studien) statt.
Die Ergebnisse
Das Risiko, an einem Melanom zu erkranken, steigt um 20 Prozent, wenn Menschen irgendwann im Leben im Solarium sonnenbaden. Betrachteten die Forscher nur jene 13 Untersuchungen, in denen sie unterscheiden konnten, wie früh im Leben die Studienteilnehmer zum ersten Mal ins Solarium gingen, stieg das Risiko um 87 Prozent an.

Nur aus vier Studien gibt es Daten darüber, wie das Melanom-Risiko mit der Häufigkeit der Sonnenstudiobesuche zusammenhängen könnte. Hieraus berechneten die Forscher für ihre Metaanalyse, dass jedes Jahr, in dem ein Mensch ins Sonnenstudio geht, das Risiko für ein Melanom um 1,8 Prozent steigt.

Wichtiger als die relativen Zahlen des steigenden Risikos sind die absoluten Zahlen, also wie viele Krebsfälle durch das Sonnenbaden im Studio entstehen. Hierfür berechneten die Wissenschaftler, dass von jährlich 63.942 neuen Melanomdiagnosen in 15 westeuropäischen Staaten geschätzte 3438 mit Sonnenbanknutzung zusammenhängen. Damit wären Solarienbesuche für jährlich 498 Todesfälle bei Frauen und 296 bei Männern mitverantwortlich.
Schwächen der Studie
Die Metaanalyse stützt sich auf Beobachtungsstudien. Die Risiken und absoluten Fallzahlen von durch Solariumsbesuche mitverursachte Melanomfälle sind Schätzungen, die auf mathematischen Berechnungen basieren. Es ist nicht möglich, aus dem statistischen Zusammenhang zwischen Solarienbesuchen und dem Auftreten von Krebsfällen auch einen kausalen Zusammenhang zu ziehen, also dass die Sonnenbanknutzung die Melanome verursacht hat. Die Forscher können diesen Zusammenhang lediglich für die plausibelste Erklärung halten.

Die statistischen Ergebnisse sind zudem nicht so verlässlich, wie zum Beispiel ein im Voraus geplanter Vergleich zwischen einer Gruppe von Menschen, die ins Sonnenstudio gehen, und einer zweiten, die nie im Leben eine Sonnenbank benutzt. Weil eine solche Studie aufwändig und teuer ist, sehr lange dauern würde und zudem die krebsauslösende Wirkung von UV-Strahlen als bewiesen gilt, würde eine solche Untersuchung allerdings auch nicht durchgeführt werden.
In absoluten Zahlen ausgedrückt, erscheint das Melanom-Risiko zunächst niedrig: Nach den Berechnungen der Forscher sind von jährlich knapp 64.000 neuen Melanom-Fällen in den untersuchten Staaten knapp 3500 auf den Gebrauch von Sonnenbänken zurückzuführen. Das würde bedeuten, so das Fazit der Forscher, dass jedes Jahr etwa 700 Menschen in diesen Ländern an den Folgen eines Melanoms sterben, weil sie Sonnenstudios nutzten.

Zwar geht es damit nicht - wie etwa beim Brustkrebs - um jährlich Zehntausende Krebstote allein in Deutschland. Doch die nach den Berechnungen durch Solarien verursachten Todesfälle wären nach Meinung der Forscher vermeidbar.

Schlechtes Zeugnis für die Solarienbetreiber

Den Betreibern von Sonnenbänken stellen Boniol und seine Kollegen ein schlechtes Zeugnis aus. Die Industrie tendiere dazu, Informationen zu verbreiten, die keine wissenschaftliche Basis hätten und in der Lage seien, Verbraucher in die Irre zu führen. Die Unternehmen würden behaupten, korrekt betriebenes Bräunen im Sonnenstudio sei sicher, es könne sogar gesundheitliche Vorteile haben. So raten manche Betreiber zum Besuch von Solarien, um einen möglichen Vitamin-D-Mangel dadurch auszugleichen.

Davor aber warnt das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ausdrücklich: Die Behörde sieht es nicht als stichhaltig an, dass ein derartiger Mangel, hervorgerufen durch zu wenig Sonne insbesondere im Winter, durch Solarien behoben werden könne. "Die gesundheitlichen Risiken einer Solariennutzung überwiegen", sagt eine Sprecherin des BfS. Sollte ein Patient von seinem Arzt tatsächlich einen Vitamin-D-Mangel attestiert bekommen, helfen nach BfS-Angaben eine ausgeglichene Ernährung und eventuell Vitaminpräparate. Ansonsten reicht außer in den Wintermonaten auch täglich eine Viertelstunde im Freien, am besten mit unbekleideten Armen und Beinen.

Wegen der möglichen Gefahren, die von den in den Solarien auf die Haut einwirkenden UV-Strahlen ausgehen, ist in Deutschland bereits seit 2009 ein Verbot in Kraft, nach dem Kinder und Jugendliche die Sonnenbänke nicht benutzen dürfen. Dagegen hatte eine Minderjährige gemeinsam mit ihren Eltern und einem Solariumsbetreiber geklagt. Doch das Bundesverfassungsgericht wies die Klage 2011 ab. Die Richter verwiesen unter anderem auf das erhöhte Hautkrebsrisiko bei jugendlichen Sonnenbanknutzern, das auch von der aktuellen Studie bestätigt wird.

Zudem gelten seit Anfang 2012 strengere Vorschriften für Solariumsbetreiber, die unter anderem ihr Personal besser schulen müssen und ihre Kunden deutlich über Risiken aufklären sollen. Wobei es aus Sicht des Bundesamts für Strahlenschutz keinen Weg gibt, Sonnenstudios risikolos zu nutzen. Der Rat der Behörde, die sich ansonsten mit Themen wie der Sicherheit von Kernkraftwerken beschäftigt, ist eindeutig: "Von einer Nutzung von Solarien rät das BfS ab."

Auch die Wissenschaftler um Mathieu Boniol wünschen sich eine härtere Gangart gegenüber Solarienbetreibern auf internationaler Ebene. Das Sonnenbaden unter 18 Jahren sollte, so wie es in Deutschland heute bereits gilt, verboten werden.

Für Menschen, die trotz aller Warnungen nicht auf den Besuch im Sonnenstudio verzichten wollen, hat das BfS einen Ratgeber zusammengestellt. Der "Solarium-Check" nennt die wichtigsten Punkte, die vom Personal über die Kabine bis zu technischen Details am Bräunungsgerät erfüllt sein sollten, damit das Risiko nicht noch weiter steigt.

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Seite 1
meista 25.07.2012
1.
Zitat von sysopAPWie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846041,00.html
Sorry, aber das ist doch auch wieder Schmarrn. Durch "ausgeglichene Ernährung" kann man kaum Vitamin D zu sich nehmen da 80% des Bedarfs über die Haut gebildet werden. Es sei denn man ernährt sich nach Eskimo-Art, dh. fast nur fetter Fisch und Lebertran. In anderen Nahrungsmitteln ist Vit. D nur in Spuren enthalten. Und das mit der Sonne in den Wintermonaten ist auch Schmarrn! In unseren Breitengraden ist die Wintersonne so schwach dass fast keine Vit. D gebildet werden kann. Das dazu nötige UVB Licht wird durch die Atmosphäre bei flacher Einstrahlung (unter 45 Grad) fast vollständig herausgefiltert. Eigentlich sollte also fast jeder im Winter Tabletten nehmen oder gelegentlich ein Solarium aufsuchen um Mangel vorzubeugen.
fatherted98 25.07.2012
2. Ist doch egal....
Zitat von sysopAPWie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846041,00.html
...die Leute gehen doch freiwillig ins Sonnenstudio....also was solls. Wenn ich mir in Malle den Teutonengrill anschaue hat keiner von den braunen/roten Leibern auch nur etwas aus den Erkenntnissen der letzten 30 Jahre gelernt...die grillen weiter 8 Stunden am Tag (9.00 - 12.00 - dann eine Stunde Mittag dann wieder von 13.00 bis 18.00 Uhr dann Abendessen - kann man die Uhr nach stellen)...da ist ein 10 min Solarium wahrscheinlich ein Witz dagegen.
0815_qwerty 25.07.2012
3. Link zur Studie im BMJ tut nicht
Das ist ein Skandal erster Güte
Jasro 25.07.2012
4. Man müsste mit Solarien so umgehen wie mit Tabak...
Zitat von sysopAPWie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846041,00.html
Eigentlich müsste man mit Solarien so umgehen wie mit Zigaretten und anderen Tabakwaren, also sie mit deutlich sichtbaren Warnhinweisen versehen, dass sie krebserregend sein können, bzw. mit "Schockfotos" von Krebs usw.
shatreng 25.07.2012
5. Internäschenel
Zitat von sysopAPWie schädlich sind Solariumbesuche wirklich? Einer neuen Studie zufolge erhöhen Sonnenbänke das Risiko für schwarzen Hautkrebs um 20 Prozent. Ärzte warnen, die Gefahr durch Sonnenstudios sei noch höher, als bisher befürchtet. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,846041,00.html
Ich habe noch nie verstanden, wie man sich unter diese Dinger legen kann, wenn es nicht aus gesundheitlichen Gründen ist. Die "Bräune" sieht immer unecht aus und die meisten bekommen auf Dauer eine Wahrnehmungsstörung und laufen rum wie angesch*****. Ich denke, die meisten wollen mit ihrem "Braunsein" so ein "Ich komm überall auf der Welt rum; Ich bin ja ach so internäschenel" vermitteln, was ich ziemlich peinlich finde.
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