Hanfanbau Regierung plant Cannabis-Agentur

Zur medizinischen Therapie konnten Patienten bisher nur per Sonderregelung Cannabis erhalten - etwa zur Schmerzlinderung bei schweren Krankheiten. Zukünftig soll eine neu gegründete Cannabis-Agentur das Verfahren vereinfachen.

Hanf-Pflanzen (Cannabis): Künftig aus der Agentur
DPA

Hanf-Pflanzen (Cannabis): Künftig aus der Agentur


Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die strengen Auflagen für die Verordnung von medizinischem Cannabis lockern und Patienten leichter Zugang verschaffen. Laut einem Bericht der ARD soll der Anbau und Vertrieb von einer neu gegründeten Cannabis-Agentur übernommen werden. Dafür hat Gröhe einen Referentenentwurf vorgelegt. Die Agentur soll in Bonn beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) angesiedelt werden, zudem soll der Anbau unter landwirtschaftlichen Betrieben ausgeschrieben werden.

"Das ist etwas komplett Neues. Die Landwirtschaft hilft uns, hier ein Produkt anzubauen, das sonst nicht für den Verkauf angeboten werden darf. Das muss man auf eine rechtssichere Art und Weise machen, damit das Ganze nicht beklagbar ist", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD, Karl Lauterbach, dem Sender zu dem Entwurf. Die Cannabis-Agentur soll zudem die Qualität der Droge überwachen und sicherstellen, dass er in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht sowie die Belieferung mit Großhändlern übernehmen.

Cannabis kommt bei schweren Krankheiten wie Krebs oder Multipler Sklerose zum Einsatz. Bisher gibt es einige wenige Präparate, die teilweise von Apotheken aus dem Ausland importiert werden mussten. In Ausnahmefällen benötigen Patienten - derzeit sind es etwas über 500 in Deutschland - eine Sondergenehmigung des BfArM, bevor sie Cannabis über eine Apotheke beziehen können. Das soll künftig entfallen. Zudem war diese Regelung mit hohen Kosten verbunden. Viele Patienten setzen deshalb auch auf einen Eigenanbau, bei dem die Dosis aber stark schwanken kann.

Das will Gröhe mit der Neuregelung verhindern. Zudem soll die Therapie mit Cannabis in ärztliche Verantwortung gegeben werden, so die Idee. Die Opposition sieht den Vorstoß ab kritisch: "Gröhes Vorschläge verbessern die Behandlungssituation von Betroffenen nur minimal. Cannabishaltige Medikamente sollen weiterhin nur dann verschrieben werden dürfen, wenn die Betroffenen alle anderen Behandlungsmöglichkeiten erfolglos ausprobiert haben. Zudem soll die Krankenkasse erst dann zahlen, wenn sich die Betroffenen für die Forschung zur Verfügung stellen", so Harald Terpe, drogenpolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion von den Grünen.

Allerdings ist der Nutzen von Cannabis zu medizinischen Zwecken nicht vollständig geklärt und für viele Bereiche bisher schlecht untersucht. Bei den bekanntesten Anwendungen von Cannabis, etwa der Linderung von chronischen Schmerzen oder von Übelkeit im Rahmen einer Chemotherapie, gibt es einer Studie zufolge Hinweise auf eine positive Wirkung. Bei vielen anderen Krankheiten ist die Wirkung jedoch kaum untersucht. Viele Mediziner berichten von guten Erfahrungen mit der Anwendung.

joe



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insgesamt 67 Beiträge
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l-39guru 13.01.2016
1. Gut so!
Und Özdemir "for President" der Cannabis-Agentur....und SPD-Hartmann wird sein Stellvertreter
nordschaf 13.01.2016
2. Spastiken bei Querschnittgelähmten
Aus meinem beruflichen Umfeld sind mir querschnittgelähmte Kollegen bekannt, bei denen alle gängigen Medikamente zur Behandlung von Spastiken ohne nennenswerte Wirkung blieben. Erst durch den Einsatz von medizinischem Cannabis konnten die mit der Querschnittslähmung einher gehenden Spastiken so weit wirksam behandelt werden, dass die Ausübung des Berufes wieder möglich wurde. Der medizinische Einsatz von Cannabis geht über die Krebs-, Schmerz- oder HIV-Therapie noch weiter hinaus und ist keinesfalls so eingeschränkt, wie im Artikel beschrieben.
thelix 13.01.2016
3. Endlich!
Damit wäre der erste Schritt (!) zur Entkriminalisierung getan! Das war wirklich aller- aller- allerhöchste Zeit!
Wassup 13.01.2016
4. Freigabe statt Formulare
In Deutschland wiehert mal wieder der Amtsschimmel anstatt Canabis einfach freizugeben.
Freidenker10 13.01.2016
5. Gebt es endlich frei!
Mein Gott gebt es doch endlich frei! Was soll dieses rumeiern? 4 Millionen konsumieren es doch sowieso schon und sind gezwungen sich an irgendwelche zwielichten Gestalten zu wenden und die es aus krankheitsgründen nehmen zahlen sich dumm und dämlich. Diese deutsche ängstliche Spießigkeit ist doch sowas von retro. Selbst die Vorreiter im Drogenkampf die USA haben es zum Teil schon legalisiert, also was soll das? "Cannabis-Agentur" ist auch wieder typisch deutsches Beamtentum!
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