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06. Dezember 2012, 10:30 Uhr

Häufigste Todesursache

40 Prozent der Deutschen sterben an Herz-Kreislauf-Leiden

Rund 40 Prozent aller Todesfälle gehen in Deutschland auf das Konto von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch auch Krebs ist auf dem Vormarsch und kommt auf Platz zwei der häufigsten Todesursachen. Einen dramatischen Zuwachs verzeichnet das Statistische Bundesamt bei der Zahl der Suizide.

Wiesbaden - Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland Todesursache Nummer eins. 40,2 Prozent der Todesfälle in der Bevölkerung, so teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mit, traten 2011 infolge einer Herz-Kreislauf-Erkrankung auf. Das sind rund 342.000 Menschen, darunter 145.500 Männer und 196.000 Frauen.

Vor allem bei älteren Menschen habe eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zum Tod geführt. Der Statistik zufolge waren 92 Prozent der daran Verstorbenen mindestens 65 Jahre alt. Die Todesursache Herzinfarkt wurde 2011 bei insgesamt 55.286 Menschen festgestellt. 55,6 Prozent der Herzinfarkt-Toten waren Männer.

In seiner Jahresstatistik zählt das Bundesamt insgesamt 852.328 Deutsche, die vergangenes Jahr starben. Davon waren 407.628 Männer und 444.700 Frauen. Demnach sank damit die Zahl der Todesfälle im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent leicht. Doch wie in den Jahren zuvor bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen an Platz eins der Statistik.

Im Jahr 2000 warnten Behörden bereits davor, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen weltweit bald zur Todesursache Nummer eins werden könnten und führten als Ursache vor allem Rauchen, Übergewicht, und Bluthochdruck ins Feld. Damals gingen nur 30 Prozent aller Todesfälle zu Lasten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herzleiden standen laut WHO im Jahr 2000 in der Rangliste der globalen Belastungen an Platz fünf.

Brustkrebs bei Frauen ist tödlichster Tumor

Auf Platz zwei der aktuellen Liste des Statistischen Bundesamts stehen Krebsleiden. Mehr als ein Viertel, also 26 Prozent aller Deutschen, die 2011 starben, erlagen 2011 einer Krebserkrankung. Betroffen waren insgesamt 221.591 Menschen, davon waren 119.755 Männer und 101.836 Frauen. Bösartige Neubildungen in den Verdauungsorgane beziehungsweise den Atmungsorganen waren bei Männern die am häufigsten diagnostizierten Krebsarten. Bei Frauen waren Brustkrebs und bösartige Neubildungen in den Verdauungsorganen die häufigsten tödlichen Tumore.

Nicht zu unterschätzen war 2011 auch die Zahl der Suizide: 10.144 Menschen nahmen sich voriges Jahr in Deutschland das Leben. Das waren 123 Fälle mehr als im Jahr zuvor. Erst vor kurzem kam eine Studie zu dem Ergebnis, dass Suizide weltweit die häufigste Todesursache weiblicher Jugendlicher sei. Bei männlichen Heranwachsenden stehe die Selbsttötung an dritter Stelle nach Verkehrsunfällen und Gewaltverbrechen. Zuvor war von 1988 bis 2007 ein Rückgang der Suizidhäufigkeit beobachtet worden.

Der Wiederanstieg der Selbsttötungen in Deutschland wird von Experten mit großer Sorge betrachtet: Der vorübergehende Rückgang der Suizidhäufigkeit könne kein Anlass dafür sein, in gesellschaftlichen Investitionen und Engagement in der Suizidprävention nachzulassen, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention und des Nationalen Suizidpräventionsprogramm. Laut offiziellen Statistiken nehmen sich jährlich auf der Welt 164.000 Menschen das Leben. Wissenschaftler halten diese Zahlen für weitab der Realität. Sie gehen anhand aktueller WHO-Schätzungen von etwa 900.000 jährlichen Selbsttötungen aus.

An den Folgen eines Sturzes starben dem Statistischen Bundesamt zufolge 9722 Menschen, das waren 243 mehr als im Jahr zuvor. Diese Zahl hat in den vergangenen zehn Jahren um 35,8 Prozent zugenommen. Besonders betroffen waren ältere Frauen.

cib/dpa

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