Bundesweiter Fachbericht Mehr Herzkrankheiten, weniger Tote

Bei vielen Herzkrankheiten steigt die Zahl der Patienten - doch insgesamt sterben immer weniger Deutsche an einem Infarkt. Zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede.

Entspannender Anblick: Vogelschwarm bildet Herzform
AFP

Entspannender Anblick: Vogelschwarm bildet Herzform


Mehr als 354.000 Menschen sind in Deutschland 2013 an Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestorben, damit sind Infarkt, Herzschwäche und ähnliche Leiden weiterhin die häufigste Todesursache hierzulande.

Aber: Die Zahl der Infarkt-Toten sinkt von Jahr zu Jahr, wie aus dem aktuellen "Herzbericht" hervorgeht, den die Deutsche Herzstiftung gemeinsam mit den Fachgesellschaften für Herzchirurgie, Kardiologie und Kinderkardiologie in Berlin vorgestellt hat.

Christian Hamm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, nennt als Gründe:

  • verbesserte Therapie-Möglichkeiten,
  • optimierte Abläufe im Rettungssystem und in Kliniken,
  • Ausbau des Notarztsystems.

Zugleich lässt sich aus den Zahlen des Deutschen Herzberichts noch ein anderer Trend herauslesen: Bei vielen weitverbreiteten Herzleiden nimmt die Zahl der Betroffenen zu.

"Die steigenden Fallzahlen haben zum Teil paradoxerweise gerade mit den Fortschritten der Herzmedizin zu tun", sagt Hamm. "Immer mehr Menschen überleben einen akuten Herzinfarkt, erkranken später aber an einer Herzschwäche." Ein weiterer Faktor sei die alternde Gesellschaft.

Krankheiten mit sinkenden Todeszahlen:

  • Beim akuten Herzinfarkt ist die Zahl der Todesfälle um 40 Prozent zurückgegangen. Während 1992 noch knapp 109 von 100.000 Menschen in Deutschland an den Folgen eines Herzinfarkts starben, waren es 2012 knapp 65 von 100.000.
  • Bei den Koronaren Herzkrankheiten, also Erkrankungen der Herzkranzgefäße, reduzierte sich die Sterblichkeit in derselben Zeitspanne um 28 Prozent. Die Zahl der Todesfälle sank zwischen 1992 und 2012 von knapp 222 auf 159 Todesfälle pro 100.000 Einwohner.
  • Bei der Herzschwäche (Herzinsuffizienz) dokumentierten die Forscher den geringsten Unterschied, die Todesfälle sanken zwischen 1992 und 2012 um 19 Prozent. Trotzdem starben an ihren Folgen im Vergleich die wenigsten Menschen, die Zahl reduzierte sich zwischen 1992 und 2012 von 71 auf 58 pro 100.000 Einwohner.

Krankheiten mit steigenden Fallzahlen:

  • Eine Herzschwäche zählte laut dem Bericht 2012 tatsächlich zu den häufigsten Gründen, aus denen jemand im Krankenhaus behandelt werden musste. Insgesamt registrierten die Experten 386.548 derartige stationäre Krankheitsfälle. Während 1992 nur 275 von 100.000 Menschen mit einem geschwächten Herzmuskel in einer Klinik aufgenommen wurde, waren es zwanzig Jahre später 480 von 100.000 Einwohnern.
  • Noch häufiger müssen die Deutschen wegen Herzrhythmusstörungen ins Krankenhaus. Die Zahl der stationär behandelten Krankheitsfälle pro 100.000 Einwohner stieg zwischen 1992 und 2012 von 282 auf 537 - ein Zuwachs von 90 Prozent.
  • Bei Herzklappenerkrankungen gab es ebenfalls einen deutlichen Anstieg der Krankenhausbehandlungen. Hier stiegen die Fallzahlen um 52 Prozent, zwischen 1992 und 2012 von nur 69 auf 105 Betroffene pro 100.000 Einwohner.

Der Bericht zeigt zum Teil deutliche regionale Unterschiede bei den Krankheits- und Todesfällen:

Bundesländer mit einer hohen Herzinfarkt-Sterblichkeit sind demnach Brandenburg und Sachsen-Anhalt mit je etwas mehr als hundert Gestorbenen pro 100.000 Einwohner. Im Vergleich dazu starben in Schleswig-Holstein und Hessen jeweils rund 50 von 100.000 Einwohnern an einem Infarkt. Dies liegt nach Angaben von Hamm unter anderem an demografischen Faktoren, aber auch an Unterschieden in der Ärzte- und Klinikdichte.

irb/wbr



© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.