OECD-Bericht Weniger Tote durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland

In Deutschland sterben immer weniger Menschen an Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine OECD-Studie warnt aber, dass der Anstieg von Fettleibigkeit und Diabetes diese positive Entwicklung stoppen könnte.

Herzinfarkt (Illustration): Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in OECD-Ländern
Corbis

Herzinfarkt (Illustration): Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in OECD-Ländern


In den vergangenen fünfzig Jahren ist die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Deutschland um etwa 60 Prozent zurückgegangen. Das geht aus einem aktuellen Gesundheitsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Der OECD gehören 34 Länder an, darunter sind die meisten EU-Staaten, so wie unter anderem die USA, Kanada, Mexiko, Japan und Australien.

Mit 310 Todesfällen pro 100.000 Einwohner sterben in der Bundesrepublik aber noch immer etwas mehr Menschen an Schlaganfällen, Herzinfarkten und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen als im OECD-Durchschnitt. Im Gegensatz zu vielen anderen OECD-Ländern sterben die Menschen in Deutschland aber offenbar erst im höheren Alter an solchen Krankheiten. Die Zahl der potenziell verlorenen Lebensjahre sei deshalb im Durchschnitt niedriger als im OECD-Raum, heißt es in dem Bericht.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor die häufigste Todesursache in OECD-Ländern. Häufig stehen sie mit Fettleibigkeit und Diabetes in Verbindung. Die Forscher fürchten, dass durch den weltweiten Anstieg von Übergewicht, Fettleibigkeit und Diabetes vor allem bei jungen Menschen die positive Entwicklung gestoppt werden und sich sogar umkehren könnte.

In Deutschland ist starkes Übergewicht zwar weniger verbreitet als in vielen anderen Staaten, es gibt aber einige Risikofaktoren, bei denen die Bundesrepublik im internationalen Vergleich relativ schlecht dasteht. So seien Bluthochdruck und erhöhte Cholesterinwerte in Deutschland verbreiteter als im Schnitt der 34 Industrieländer.

Deutschland gibt viel Geld für die Vorbeugung aus

Auf der anderen Seite gibt Deutschland mehr Geld zur Vorbeugung aus als der OECD-Schnitt, und auch die medizinische Grundversorgung liegt demnach über dem Mittel. In dem Bericht wird allerdings auch darauf verwiesen, dass in keinem anderen OECD-Land außer Ungarn im Verhältnis zum Vorkommen der Krankheit mehr Menschen wegen Diabetes ins Krankenhaus eingewiesen werden als in Deutschland.

Auch chronische Herzinsuffizienz werde weit häufiger im Krankenhaus behandelt als anderswo. Beide Krankheiten könnten bei qualitativ hochwertiger Grundversorgung aber auch gut außerhalb des Krankenhauses therapiert werden.

Das Risiko, innerhalb von 30 Tagen nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung zu sterben, ist in Deutschland wesentlich geringer als im OECD-Durchschnitt. Für Patienten mit Herzinfarkt liegt es mit 8,9 Prozent etwas über dem OECD-Durchschnitt (7,9 Prozent).

syd/AFP



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