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Heuschnupfen im Winter: Allergiker reagieren schon auf Haselpollen

Blütenkätzchen einer Korkenzieherhasel in Hamburg (Archivfoto): In Deutschland fliegen die ersten Pollen durch die Luft Zur Großansicht
dpa

Blütenkätzchen einer Korkenzieherhasel in Hamburg (Archivfoto): In Deutschland fliegen die ersten Pollen durch die Luft

Mitten im Winter plagen Allergiker bereits die ersten Heuschnupfen-Symptome. Sie reagieren auf Haselpollen, die immer häufiger bereits im Dezember oder Januar durch die Luft schwirren.

Berlin - Schon wieder dieses Kribbeln in der Nase, das Augenjucken, dieses ständige Niesen. Allergiker wollen es nicht glauben, aber es geht schon wieder los. "Manche Leute sagen: Ende November hat mein Heuschnupfen doch gerade erst aufgehört und jetzt fängt es wieder an", berichtet der Mannheimer Allergologe Ludger Klimek.

Dass die Haselpollen in diesem Jahr wieder sehr früh dran sind, registriert auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB). Die ersten Anfragen von geplagten Pollenallergikern seien schon im Dezember gekommen, sagt Patientenberaterin Anja Schwalfenberg, "die ersten Beschwerden hat es schon Weihnachten gegeben."

Auch die Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst (PID) kann das bestätigen. Laut der gemeinsam mit dem Deutschen Wetterdienst erarbeiteten Pollenflug-Vorhersage gibt es in weiten Teilen Deutschlands eine messbare Belastung durch Haselpollen, die allerdings noch gering ausfällt. Die PID schreibt: "Am Beginn einer Pollensaison können bereits wenige Pollen genügen, um Symptome herbeizuführen."

Früher und länger mit Allergien kämpfen

Der Polleninformationsdienst misst seit 30 Jahren den Pollenflug an 45 Stellen in Deutschland und bietet eine kostenlose Pollen-App an. Damit können Allergiker für ihren Standort eine Pollenvorhersage bekommen. Wenn sie zusätzlich noch einige Tage ihre persönliche Sensibilität auf den Pollenflug eingeben, sagt ihnen das System, wie stark sie auf die Pollenbelastung reagieren werden.

Pollenflugkalender: Bei den Frühblühern lösen vor allem Hasel und Erle Beschwerden aus Zur Großansicht
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Pollenflugkalender: Bei den Frühblühern lösen vor allem Hasel und Erle Beschwerden aus

Früher hat die Hasel erst im Februar geblüht. "Es gibt immer mehr Jahre, in denen die Haselnusspollen teilweise schon Ende Dezember in bestimmten Regionen fliegen", sagt Karl-Christian Bergmann, Allergologe und Vorstand der PID. Das Saarland und das Rhein-Ruhr-Gebiet gehörten zu den ersten Gebieten mit Pollenflug, Hamburg sei meist später dran als München.

Auch die Birke ist laut Bergmann im Schnitt mittlerweile zwei Wochen früher dran. Der Baum spielt für viele Allergiker eine große Rolle: 50 Prozent aller Baumpollen, die bei Allergikern Heuschnupfen auslösen, stammen dem Experten zufolge von der Birke. Die Blühzeit für Gräserpollen von Ende Mai bis Mitte Juli hingegen sei geblieben. Aber die Blühzeit für Kräuterpollen wie Beifuß und Ambrosia gehe länger, bis in den Oktober hinein, erläutert der Allergologe. Blühende Brennnesseln wurden sogar noch im November vom DAAB gesichtet.

"Eine Allergie ist keine Bagatell-Erkrankung"

Während Allergiker früher mitunter nur vier bis sechs Wochen im Jahr Beschwerden hatten, werde die Zeitspanne, in der Betroffene mit ihren Symptomen kämpfen, immer länger, sagt der Mediziner Klimek: "Die Zahl derjenigen, die auf verschiedene Pollen reagieren, hat dramatisch zugenommen." Wer auf eine Pollenart reagiere, habe tendenziell ein größeres Risiko, auch auf weitere Pollen zu reagieren. "Es ist letztlich eine Eigenschaft der Immunreaktion, dass der Körper im Laufe der Zeit auf immer mehr Dinge allergisch reagiert", sagt Klimek. Verschnaufpausen können dadurch kürzer werden.

Bei den Patienten, die während der ganzen Blütezeit Beschwerden haben, sieht Klimek drei Phasen: zuerst eine starke Reaktion auf die ersten Pollen, danach Entzündungen in den Schleimhäuten. "Die Betroffenen entwickeln dann zusätzlich Kopfschmerzen, eine verstopfte Nase und gereizte Schleimhäute, die sich wund anfühlen", sagt Klimek.

Trotzdem werden einer aktuellen Untersuchung zufolge nur zehn Prozent der Allergiker medizinisch richtig behandelt, sagt DAAB-Patientenberaterin Schwalfenberg. Allergien würden oft nicht ernst genug genommen, auch von Ärzten und Krankenkassen. "Allergie ist keine Bagatell-Erkrankung", stellt sie dagegen fest. Werde diese nicht behandelt, könne daraus Asthma entstehen.

Welche Medikamente Allergiker bekommen, hängt aber nicht nur von den Ärzten ab, sondern auch von der medizinischen Beratung in den Apotheken. SPIEGEL ONLINE hat einen Test gemacht, was Apotheker ihren Kunden mit Allergien empfehlen, und diese Mittel von einem Arzneimittelexperten überprüfen lassen.

Tipps und Tricks bei Heuschnupfen

hei/dpa

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Des Einen Leid, des Anderen Freud’...
geri&freki 18.01.2015
In anderen Themen-Foren von SPIEGEL-Online äußern sich demgegenüber nicht wenige Verharmloser der globalen Klimaerwärmung u.a. regelmäßig begeistert darüber, dass unsere Winter nun wärmer und kürzer ausfallen und sie sich dadurch zukünftig u.a. das Aufziehen der Winterreifen ersparen könnten. Vielleicht sollten sich betroffene Allergiker/innen in diesen Foren einmal stärker bemerkt und so manchem Klima-Ignoranten bzw. -Leugner deutlich machen, welchen Preis nicht nur viele Menschen in anderen Regionen der Erde, sondern auch hier bei uns dafür bezahlen müssen. Es geht eben um wesentlich mehr als nur um ein paar Bequemlichkeiten und Befindlichkeitsstörungen.
2. Allergien sind keine Bagatellerkrankung...
Sibylle1969 18.01.2015
...ich wäre froh, wenn mir das jemand gesagt hätte, als die Allergie bei mir als Teenager diagnostiziert wurde. Leider zu spät, jetzt hab ich allergisches Asthma. Im Übrigen wäre ich froh, wenn ich eine Allergiepause von 3 Monaten pro Jahr hätte. Als Hausstauballergikerin ist mir das leider nicht vergönnt, da hat man ganzjährig mit zu tun. Im Winter im Übrigen am schlimmsten. Der wichtigste Unterschied zwischen Hausstaub- und Pollenallergiker ist, dass es dem Hausstauballergiker drinnen schlecht und draußen besser geht, beim Pollenallergiker ist es umgekehrt. Und während bei vielen Pollenallergikern Medikamente wie Cetirizin die Symptome effektiv mildern, hilft bei mir leider überhaupt kein Medikament gegen die Allergiebeschwerden, dessen Nebenwirkungen akzeptabel wären.
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Provokationstest (eher selten)

Zur Sicherung der Diagnose kann ein Provokationstest durchgeführt werden, bei dem die verdächtigen Pollen zum Beispiel auf die Nasenschleimhaut aufgebracht werden, um die Symptome zu provozieren.
Therapie
Hyposensibilisierung:

- Langzeittherapie mit Spritzen. Beginn im Herbst, vier bis 16 Wochen lang wöchentliche Injektionen, danach drei Jahre lang monatliche Injektionen. Erfolgsquote: 60–90 Prozent. Achten Sie darauf, dass die von Ihrem Arzt verwendete Mischung eine gültige Zulassung hat:

Liste der zugelassenen SIT-Mischungen

- Langzeittherapie mit Tropfen (nur für Hasel-, Birken-, Erlen-, Gräserpollen) oder Tabletten (nur bei Gräserpollen möglich). Tägliche Tropfen- oder Tabletteneinnahme erforderlich, drei Jahre lang. Erfordert hohe Disziplin des Patienten. Erfolgsquote 40 bis 80 Prozent.
Medikamente
- Antihistamine (z.B. Loratadin, Ceterizin als Tabletten, Nasenspray, Augentropfen – rezeptfrei)

- Mastzellstabilisatoren (z.B. Cromoglicinsäure als Tabletten, Nasenspray, Augentropfen – rezeptfrei)

- Kortison (Tabletten oder Nasenspray – rezeptpflichtig)

Was zahlt die Kasse?
Die meisten Antiallergika sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und werden daher generell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt (mit Ausnahme für Kinder bis zum 12. Lebensjahr). Einzige Ausnahme: Nur in schweren Fällen von Heuschnupfen, wenn eine Behandlung mit Cortison-Nasenspray nicht ausreicht, übernimmt die Kassen die Kosten für nicht rezeptpflichtige Präparate. Verschreibungspflichtige Antiallergika hingegen werden von den Kassen bezahlt.

Die Hyposensibilisierung ist eine Kassenleistung.

Ob Akupunktur gegen Heuschnupfen hilft, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Akupunktur-Behandlung nicht. Eine Sitzung kostet rund 30 bis 70 Euro.
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