Heuschnupfen Friede den Bienen, Krieg der Windbestäubung!

Heuschnupfen nervt. Weil Bäume und Gräser Billionen von Pollen in die Luft pusten, müssen Allergiker im Frühjahr leiden. Stattdessen könnte der Wind einfach die Bienen den Job erledigen lassen. Schafft die Windbestäubung ab!

Biene im Anflug auf eine Blüte: Pollenflug ist die Ursache des Übels
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Biene im Anflug auf eine Blüte: Pollenflug ist die Ursache des Übels


Der Frühling ist da, überall blüht es, es ist die Zeit der Liebe. Höchste Eisenbahn also, dass Sie Ihrer Angebeteten mal einen Liebesbrief schreiben. Die Post ist Ihnen zu langsam, das Fax zu förmlich, die E-Mail zu unromantisch - und mit Brieftauben haben Sie zu wenig Erfahrungen.

Sie erinnern sich an Gunter Sachs, den alten Schwerenöter, der das Herz von Brigitte Bardot per Rosenabwurf quasi im Flug eroberte. Also fotokopieren Sie Ihren Liebesbrief einhunderttausendfach. Dann chartern Sie für ein Höllengeld einen Hubschrauber und werfen Ihre frohe Botschaft hoch über der Stadt ab - in der Hoffnung, dass eine der Kopien ihrer Geliebten in den Schoß fallen möge.

Ob der Brief wirklich ankommt, wissen Sie nicht. Die meisten Ihrer Briefe landen auf Gehwegen und Spielplätzen, verstopfen Gullys, fliegen auf Straßen herum, flattern gegen Windschutzscheiben, verursachen Unfälle. Und nach einem Regenguss haben sich die Zettel in eine gefährliche Pampe verwandelt, auf der reihenweise Passanten ausrutschen. Werbung im Briefkasten ist schon schlimm genug. Spam im E-Mail-Postfach auch. Aber Ihre Liebesbriefe schlagen dem Fass den Boden aus.

Nur komplett Irre würden auf diese Weise einen Liebesbrief schicken. Und vielleicht Gunter Sachs - wenn er noch lebte und seine Steuerhinterziehungsstrafe abgesessen hätte. Im Reich der Pflanzen aber ist diese Form der Zustellung gang und gäbe. Seit Jahrmillionen praktizieren Hasel, Erle und Co. diese ineffektive Verteilung per Wind. Nur werden in die Pollen - die Liebesbriefe der Pflanzen - keine Worte gepackt, sondern gleich der Samen.

Spam für die Schleimhäute

Ich verstehe ja das Problem: Der Samen muss zur Frau, und das ist naturgemäß schwierig, wenn man fest verwurzelt ist. Ich sehe auch ein, dass es da naheliegt, seinen Kram einfach in die Luft zu pusten - in der verzweifelten Hoffnung, dass irgendetwas davon schon die Adressatin erreicht. Aber warum, verdammt nochmal, konnten Hasel, Erle und Co. nicht mit der Zeit gehen und den Job der Pollen-Post überlassen, den Bienen? Sonnenblumen und viele andere Blütenpflanzen machen das schon lange. Doch die archaischen Windbestäuber setzen weiterhin ungerührt auf die Kraft des Windes und spammen seit Urzeiten unsere Schleimhäute voll.

Seit meiner Kindheit leide ich an Pollenallergien. Katzen und Milben kann mein Körper obendrein nicht leiden - obwohl ich die eigentlich ganz süß finde. Die Katzen. Die Winter- und Hausstaubmilbenzeit geht bei mir nahtlos in die Pollensaison über, oft kann ich gar nicht unterscheiden, ob das, was mich plagt, noch eine Erkältung oder schon die Allergie ist. Das ist blöd, weil ich dann nicht weiß, ob ich nun Dampf inhalieren oder Antihistaminika schlucken soll. Meistens mache ich dann sicherheitshalber beides.

Dieses Jahr, so heißt es, werde für Allergiker wie mich besonders schlimm werden. Der lange Winter habe die ganzen Windbestäuber hingehalten. Weswegen sie jetzt Druck auf der Pipeline haben und alles auf einmal raushauen. Tatsächlich ging der Terror bei mir dieses Jahr schon im Februar los. Aber anders als sonst. Früher verlief die Schleimhautfront bei mir immer in der Nase, da war es dieses Jahr erstmal verdächtig ruhig. Stattdessen begannen meine Augen wie verrückt zu jucken. Und auch der permanente Husten ist neu. Das hat Vor- und Nachteile: In der Pollen-Hochzeit hänge ich nun nicht mehr am Xylomethazolin-Spray, sondern am Cortison-Inhalator. Und zwischendrin tropfe ich mir auch noch irgendein Zeug in die Augen. Für einen Kontaktlinsen-Phobiker wie mich eine echte Herausforderung.

Mir bleibt wenig mehr, als auf den langen Arm der Evolution zu hoffen: Die Bienenbestäuber werden hoffentlich den Windbestäubern irgendwann nochmal den Rang ablaufen. Derzeit steht es allerdings für die Bienenbestäuber nicht gut - Sie haben sicher von dem beunruhigenden Massensterben der nützlichen Insekten gehört? Die Evolution braucht also unsere Hilfe. Sagen auch Sie: "Windkraft? Nein danke!", und pflanzen Sie noch heute eine Sonnenblume.

insgesamt 5 Beiträge
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serbmem 15.05.2013
1. optional
Morgen den Saft einer Zitrone oder die gleiche Menge frisch gepresster Rhabarbersaft können helfen.
zenkali 16.05.2013
2.
Eine recht wirksame Therapie, die selten im Zusammenhang mit Allergien genannt wird ist die Hypnotherapie. Aufgrund meiner eigenen Erfahrungen weiß ich, dass häufig Allergiker nach nur einer intensiven Sitzung beschwerdefrei sind, bzw, bei härteren Fällen, sie danach ohne Medikamente so fit sind, wie zuvor nur mit. Nicht nur meiner Ansicht nach ist eine Allergie oft , ähnlich einer Phobie, ein e Überreaktion des Organismus auf einen, an sich nebensächlichen außenreiz, durch Gewöhnung automatisiert. Da können geeignete Therapeuten wirklich überraschend gut helfen.
smacks747 16.05.2013
3. Bienen
"Aber warum, verdammt nochmal, konnten Hasel, Erle und Co. nicht mit der Zeit gehen und den Job der Pollen-Post überlassen, den Bienen? " Die haben einen Vertrag mit den Crop Science Konzernen, die die Bestäubung durch Wind auf alle Pflanzen ausdehnen wollen, damit sich endlich niemand mehr um die Bienen schert ;-)
dschiseskreist 16.05.2013
4. Nochmal!
da mein erster Kommentat wohl geflissentlich übersehen wurde: " Nur werden in die Pollen - die Liebesbriefe der Pflanzen - keine Worte gepackt, sondern gleich der Samen. " Diese Aussage ist botanisch gesehen extrem schmerzhaft! Der Pollen hat nichts mit dem Samen zu tun! Er enthält den männlichen Gametophyten und dieser verschmilzt mit der Eizelle (Befruchtung) woraus sich der Samen entwickelt. Dieser ist mit dem menschlichen Embryo vergleichbar nebst Nährgewebe und schützender Hülle. Die take-home-message "der pollen mit dem Samen" darf auf keinen Fall so stehen gelassen werden denn falscher kann man die Fortpflanzung der höheren Pflanzen nicht beschreiben. Der Pollen entspricht eher dem männlichen Sperma! Hier muss man vorsichtig mit der Terminologie umgehen und im Zweifel sollte der Spiegel Leute beschäftigen die sich mit sowas auskennen oder Leute fragen die einen Text korrektur lesen. Letzteres ist ohnehin in zunehmenden Maße auch orthgrafisch notwendig wenn ich die letzten Monate mal revue passieren lasse.
DocEmmetBrown 16.05.2013
5.
Lustig geschrieben. Ich habe Mitte der 90er mit Ende 20 eine Allergie gegen Gräser bekommen. Es wurde richtig übel. Mit verklebten Augen am Morgen und drohender Otriven-Abhängigkeit. Mir hat dann ein Freund Fasten empfohlen und einen gesteigerten Honig-Konsum. Kein Ahnung ob es daran lag, aber seitdem sind die Symptome auf ein Minimum reduziert und eigentlich kaum noch eine Belastung. Ab und zu ein Niessen und 3-4 Tage leicht juckende Augen. Sogar Sport im Sommer und Fahrten im Cabrio sind gar kein Problem mehr. Es scheint aber wohl kein allgemeingültiges Patentrezept zu geben.
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