Heuschnupfenmittel: Stiftung Warentest empfiehlt Nachahmerpräparate

Keine Sorge, er kommt noch, der Frühling. Mit ihm aber auch der Pollenflug. Heuschnupfen-Geplagte greifen mitunter zu rezeptfreien Arzneien aus der Apotheke. Stiftung Warentest nennt jetzt 50 preiswerte Mittel, die sich nach dem Urteil von Arzneimittelexperten für die Behandlung eignen.

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Blütenstaub und Pollenflug: Antihistaminika helfen gegen Heuschnupfen

Wer träumt bei Schnee, Eis und Regen im März nicht von blühenden Wiesen im Sonnenschein? Wer wünscht sich zu Ostern keine knospenden Bäume? Richtig: Allergiker. Wer Heuschnupfen hat, kann dem Frühling oft nur wenig abgewinnen, unter der Bettdecke drinnen lässt sich das frische Grün draußen meist besser aushalten. Denn das Immunsystem reagiert völlig verrückt auf den Blütenstaub: Die Augen tränen, die Nase läuft, der Hals juckt. Mitunter kommen noch Husten und Atembeschwerden dazu.

Aber der Pollenflug wird in Kürze unweigerlich wieder einsetzen, besonders der Blütenstaub von Erle, Hasel und Birke macht vielen zu schaffen. Viele Allergiker behandeln ihren Heuschnupfen auf eigene Faust mit rezeptfreien Arzneien. Dazu zählen Nasensprays, Augentropfen, Säfte und Pillen, die Symptome lindern können und Betroffene wieder durchatmen lassen. Die Stiftung Warentest listet in ihrem aktuellen Test die "50 besten und preisgünstigsten rezeptfreien Mittel", die sich nach Einschätzung der Warentest-Arzneimittelexperten zur Therapie von Heuschnupfen eignen.

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Pollenflugkalender: Bei den Frühblühern lösen vor allem Hasel und Erle Beschwerden aus

Der Test unterteilt seine Bewertungen anhand der Darreichungsform in vier Kategorien ein:

  • Pillen, Tropfen, Säfte und Sirups
  • Nasensprays
  • Augentropfen
  • Kombinationspackungen aus Nasenspray und Augentropfen

Bei den Arzneien, die Patienten schlucken, handelt es sich um die zwei Wirkstoffe Cetirizin und Loratadin. Diese gibt es unter verschiedenen Handelsnamen in Apotheken zu kaufen. Beides sind Antihistaminika der sogenannten zweiten Generation und gehören damit zur weiterentwickelten Form der Antihistaminika. Die Mittel blockieren die Histaminrezeptoren im Körper und schwächen dadurch allergische Reaktionen ab. Der Vorteil der zweiten Generation: Die Wirkstoffe passieren kaum die sogenannte Blut-Hirn-Schranke und lösen daher weniger Müdigkeit und Abgeschlagenheit aus. Insgesamt 14 Cetirizin-Präparate von verschiedenen Herstellern (unter anderem Stada, Hexal, Ratiopharm und Sandoz)listet Stiftung Warentest als geeignet, ebenso vier Loratadin-Präparate (von ADGC, 1A Pharma, AL und Stada). Die günstigsten Tropfen (10 Milliliter für 9,31 Euro) heißen Cetirizin 1A Pharma, die preiswertesten Tabletten Loratadin ADGC (20 Stück für 2,70 Euro).

Geld sparen mit Nachahmerpräparaten

Der Preisvergleich zeigt außerdem: Nachahmerpräparate (sogenannte Generika) sind deutlich günstiger als Originalmedikamente, die ihren Patentschutz verloren haben. "So kosten 20 Tabletten des Nachahmerpräparats Cetirizin ADGC 1,96 Euro, fast sechsmal weniger als das Original Zyrtec für 17,29 Euro", schreiben die Autoren.

Bei den Nasensprays, Augentropfen und Kombipackungen listet Stiftung Warentest Arzneien mit je einem von insgesamt vier Wirkstoffen auf. Cromoglicinsäure und Lodoxamid etwa sind Mittel, die die Freisetzung von Histamin aus den sogenannten Mastzellen verhindern. Damit sind es Arzneien, die vorbeugend und auch länger angewendet werden können, ohne die Schleimhäute zu schädigen. Bei den Nasensprays ist Crom ophtal mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure das günstigste Mittel (6,37 Euro für 15 Milliliter), die günstigsten Augentropfen mit dem Wirkstoff heißen Dispacromil sine EDP und kosten 4,97 Euro pro 20 Pipetten.

Zu den empfohlenen Wirkstoffen zählen außerdem Azelastin und Levocabastin. Beides sind Antihistaminika der zweiten Generation und wirken daher akut. Sie werden sowohl in Nasenspray als auch in Augentropfen eingesetzt. Für alle Präparate betont der Test: "Unkonservierte Mittel sind vorzuziehen: Konservierungsstoffe können die Flimmerhärchen der Nasenschleimhaut und die Hornhaut schädigen oder selbst zu Allergien führen."

In der Kombinationspackung sind Augentropfen und Nasenspray oft günstiger zu haben als einzeln. Die preiswerteste Packung mit dem Wirkstoff Cromoglicinsäure heißt Allergocrom und kostet 9,94 Euro für 10 Milliliter Augentropfen und 15 Milliliter Nasenspray.

Die Zahl der Pollenallergiker in Deutschland nimmt seit Jahren zu. Warum das so ist, wissen Forscher nicht genau. Umweltverschmutzung, zu viel Hygiene, zu wenig Kontakt zu Tieren, Vererbung - es sind viele Faktoren, die das Immunsystem eines Menschen beeinflussen. Bei der langfristigen Therapie von Heuschnupfen spielt unter anderem die Hyposensibilisierung eine wichtige Rolle, aber es gibt auch einfache Tipps und Tricks für den Alltag, wie man mit etwas weniger Beschwerden leben kann.

Tipps und Tricks bei Heuschnupfen
Lesen Sie hier, wie sie die Pollenbelastung senken können. Im Experteninterview sprechen wir über Therapiemöglichkeiten und Zukunftsaussichten.

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insgesamt 8 Beiträge
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1. nicht zu vergessen...
spon-facebook-10000020015 21.03.2013
Die spezifische Immuntherapie! Desensibilisierung!! Hilft va bei Kindern in weit mehr als 80%. Und geht heute SUBLINGUAL-also ohne Spritzen. Und beugt Asthma vor! Auf zum Allergologen!!
2. optional
rgh1974 21.03.2013
Die Generika von ADGC sind die einzigen, die wirklich wesentlich günstiger sind, als das original, die anderen sind 10-20% billiger, aber kosten interessanterweise alle dasselbe! ADGC ist auch keine echte Firma, sondern ein Verein, der sich analog zum ADAC sieht. (www.adgc.de)
3.
ollowain13 21.03.2013
Zitat von spon-facebook-10000020015Die spezifische Immuntherapie! Desensibilisierung!! Hilft va bei Kindern in weit mehr als 80%. Und geht heute SUBLINGUAL-also ohne Spritzen. Und beugt Asthma vor! Auf zum Allergologen!!
Oh ja, unbedingt auf zum Arzt, juchu! Der freut sich nämlich schon bei der Terminvereinbarung über die erste abgerechnete Beratung (auch telefonisch) für 15,87 € aber das nur am Rande... Die tolle Desensibilisierung (eigentlich Hyposensibilisierung, weil eine komplette Desensibilisierung nicht erreicht werden kann) wirkt leider nur bei manchen. Andere machen die kostspielige Therapie (allein die Standard-Spritzen für eine Saison kosten um die 700 €) zur Freude ihres Allergologen und der Pharmaindustrie zwar brav mit, aber der Effekt ist gleich null bis völlig kontraproduktiv. Man kann es halt im Voraus nicht wirklich wissen - und jeder Arzt, der was anderes behauptet, lügt schlicht und einfach. Ich würde trotzdem dazu raten, eine Hyposensibilisierung zu versuchen, aber wenn in der Heuschnupfensaison nach dem zweiten Spritzen-, Tabletten- oder Tropfenzyklus keine spürbare Änderung eintritt, dann sollte man entweder das Medikament wechseln oder sich damit abfinden, dass es für einen selber keine Heilung gibt und sich darauf konzentrieren, die Symptome in Schach zu halten. Ich selber war blöd genug, mich auf meinen Allergologen zu verlassen, habe jetzt die vierte Spritzensaison hinter mir, und die Beschwerden haben sich trotzdem oder gerade deshalb rapide verschlimmert. Meine Saison reicht nun von der Hasel im Januar bis zu den Gräsern und Getreidesorten im Juli, Hausstaubmilben sind nun auch mit an Bord. Jeglicher Sport während der Saison, egal ob drinnen oder draußen wird spätestens nach 10 Minuten mit akuter Atemnot beantwortet, selbst ganz entspanntes Radeln zur Arbeit - und das sind lächerliche 3 Kilometer - ist nicht mehr möglich. Das war vor Beginn der Hyposensibilsierung noch ganz anders. Da hatte ich eigentlich nur zur Gräsersaison ernsthaft Probleme. Man sollte außerdem wissen, dass man sich mit einer Hyposensibilisierung für die Phase der Allergenzufuhr (also im Herbst und Winter) das Immunsystem komplett lahmlegt, weil das dann nämlich aussschließlich mit den Allergenen beschäftigt ist und absolut keine Kapazitäten mehr für die normale Bazillenabwehr hat. Man wird also extrem anfällig für jede Erkältung und sonstige Infekte. Manche Ärzte raten deshalb gerne zu eigentlich fragwürdigen Impfungen wie der Grippeschutzimpfung, was ich für absolut kontraproduktiv halte, da diese nur gegen die seltene echte Grippe wirkt, außerdem jedes Jahr erneuert werden müsste und mitunter eine Grippeerkrankung erst auslöst. Was man im Falle einer Hausstaub(milben)allergie auf jeden Fall versuchen sollte, sind Anti-Allergen-Casings für Matratze, Bettdecke und Kissen. Die müssen nicht die Welt kosten, ein Set für 100 bis 150 Euro reicht völlig (es empfiehlt sich aber ein zweites zum Wechseln), aber der Effekt ist nach wenigen Tagen schon spürbar.
4. Auch Nebenwirkungen
lores 21.03.2013
Nach Loratadin AL hatte ich mal massive Sehstörungen (Skotom). Das ging zwar jeweils nach einer halben Stunde wieder weg, trat aber nur in Zusammenhang mit diesem Medikament auf. Ärzte und Apotheker, denen man Nebenwirkungen mitteilen soll, haben sich dafür nicht interessiert.
5. Kopfrechnen schwach
kommentor 21.03.2013
Zitat von sysop"So kosten 20 Tabletten des Nachahmerpräparats Cetirizin ADGC 1,96 Euro, fast sechsmal weniger als das Original Zyrtec für 17,29 Euro", schreiben die Autoren.
Dann gebe doch mal jemand den Autoren einen Taschenrechner. Das sieht man doch schon ohne jede Rechenhilfe, daß das "~18 durch ~2" und damit sicherlich ~9 ist und nicht "fast sechs". Kopfrechnen ganz schwach, ziemlich peinlich.
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Heuschnupfen
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Provokationstest (eher selten)

Zur Sicherung der Diagnose kann ein Provokationstest durchgeführt werden, bei dem die verdächtigen Pollen zum Beispiel auf die Nasenschleimhaut aufgebracht werden, um die Symptome zu provozieren.
Therapie
Hyposensibilisierung:

- Langzeittherapie mit Spritzen. Beginn im Herbst, vier bis 16 Wochen lang wöchentliche Injektionen, danach drei Jahre lang monatliche Injektionen. Erfolgsquote: 60–90 Prozent. Achten Sie darauf, dass die von Ihrem Arzt verwendete Mischung eine gültige Zulassung hat:

Liste der zugelassenen SIT-Mischungen

- Langzeittherapie mit Tropfen (nur für Hasel-, Birken-, Erlen-, Gräserpollen) oder Tabletten (nur bei Gräserpollen möglich). Tägliche Tropfen- oder Tabletteneinnahme erforderlich, drei Jahre lang. Erfordert hohe Disziplin des Patienten. Erfolgsquote 40 bis 80 Prozent.
Medikamente
- Antihistamine (z.B. Loratadin, Ceterizin als Tabletten, Nasenspray, Augentropfen – rezeptfrei)

- Mastzellstabilisatoren (z.B. Cromoglicinsäure als Tabletten, Nasenspray, Augentropfen – rezeptfrei)

- Kortison (Tabletten oder Nasenspray – rezeptpflichtig)

Was zahlt die Kasse?
Die meisten Antiallergika sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und werden daher generell nicht von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt (mit Ausnahme für Kinder bis zum 12. Lebensjahr). Einzige Ausnahme: Nur in schweren Fällen von Heuschnupfen, wenn eine Behandlung mit Cortison-Nasenspray nicht ausreicht, übernimmt die Kassen die Kosten für nicht rezeptpflichtige Präparate. Verschreibungspflichtige Antiallergika hingegen werden von den Kassen bezahlt.

Die Hyposensibilisierung ist eine Kassenleistung.

Ob Akupunktur gegen Heuschnupfen hilft, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt. Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen die Akupunktur-Behandlung nicht. Eine Sitzung kostet rund 30 bis 70 Euro.
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