Mythos oder Medizin: Hilft Zahnpasta gegen Pickel?
Immer, wenn ich es gerade gar nicht brauchen kann, sprießt in meinem Gesicht ein fieser Pickel. Ich habe gehört, dass Zahnpasta die Entzündung austrocknen kann. Stimmt das? Fragt Marina Maushake aus Hannover.
Es schmerzt, die Haut spannt und schwillt zu einem hässlichen Knubbel an: Pickel gehören zu den Dingen, die niemand braucht. Wie also kann man sie schnellstmöglich wieder loswerden? Ausquetschen lässt die Entzündung meist nur noch deutlicher hervortreten. Eine Reihe einfacher Hausmittel versprechen dagegen Heilung über Nacht, darunter auch die Zahnpasta.
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"In Zahnpasta befinden sich aber auch Zutaten, die nicht für die Haut bestimmt sind", sagt Steinkraus. Aromastoffe wie Menthol irritieren die äußere Schutzhülle und können die Entzündung verstärken. "Durch die Zahnpasta-Kruste wird der Pickel außerdem abgedichtet und kann sich nicht entleeren", so Steinkraus. Er würde die Methode nicht empfehlen - sondern den Gang in die Apotheke.
Reinigen und pflegen, aber in Maßen
Pickel entstehen in den Talgdrüsenfollikeln der Haut, deren winzige Poren man vor allem auf der Nase sehen kann. Verhornt der Ausgang des Follikels, sammeln sich Bakterien, Talg und Zellreste in der Pore. Es bildet sich zunächst ein Mitesser, den Entzündungszellen schließlich zu einem Pickel wachsen lassen.
Um die Beule loszuwerden, setzt Steinkraus auf Mischlösungen aus Erythromycin und Zink oder andere antibiotische Cremes. Die Mittel sind teurer als Hausmittel, töten dafür aber Bakterien zuverlässig ab und lindern die Entzündung. "Bei anhaltenden Problemen würde ich mir immer ein Fläschchen antiseptische Lösung einpacken", so der Dermatologe.
Neben der Behandlung der Pickel ist auch die Vorbeugung entscheidend: Eine gezielte Pflege kann helfen, die Unreinheiten zu verhindern. Dafür eignen sich spezielle, ph-neutrale Waschlotionen, sogenannte Syndets, und parfümfreie Seifen. "Besonders wichtig ist es, das Gesicht am Abend zu reinigen, wenn sich Schmutzpartikel in die Poren gesetzt haben", sagt Steinkraus. "Wenn nicht zu viel Talg gebildet wird, reicht morgens oft klares Wasser." Zu häufiges und radikales Säubern kann dem natürlichen Schutzmantel der Haut schaden.
Ernährung und Stress: Pickelmacher?
Einfache Mitesser lassen sich auch mit mit Fruchtsäure-Peelings (Alphahydroxysäuren) in den Griff bekommen. Zusätzlich können Lösungen und Cremes mit Retinoiden als Wirkstoff oder Benzoylperoxid (BPO) den Hang zu Pickeln mindern - aber Vorsicht: einige Menschen reagieren auf BPO allergisch. Gegen schwere Akne kommt man zusätzlich mit Tabletten an. "Obwohl die Betroffenen leiden, werden die Möglichkeiten, Akne zu bekämpfen häufig nicht ausgenutzt", sagt Steinkraus.
Wie anfällig jemand für Pickel ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Männliche Geschlechtshormone, die Androgene, begünstigen die Entzündungen, weil sie die Talgproduktion fördern. Da Männer mehr der Hormone produzieren, neigen sie eher zu Pickeln. Bei Erwachsenen besteht häufig ein Zusammenhang mit einer hormonellen Störung. Aber auch genetische Veranlagung und der Lebenswandel spielen eine Rolle. "Bei jedem Menschen verläuft ein Pickel anders", sagt Steinkraus. "Einige Personen neigen zu schweren Entzündungen, andere haben Mitesser und es passiert gar nichts."
Abgesehen davon ist es kein Zufall, dass unliebsame Hautirritationen immer genau dann auftreten, wenn man sie nicht brauchen kann: Stress beeinflusst den Hormonspiegel, und der kann Pickel begünstigen. Also immer schön ruhig bleiben - dann klappt es hoffentlich auch mit der reinen Haut!
Fazit: Pickel mit Zahnpasta anzugehen, taugt nichts. Alternativ helfen Lösungen aus der Apotheke und viel Geduld. Eine gute Reinigung der Haut kann zudem helfen, Pickeln vorzubeugen.
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- Julia Merlot studierte Wissenschaftsjournalismus in Darmstadt und arbeitet als freie Journalistin in Hamburg. Außer für SPIEGEL ONLINE schreibt sie unter anderem für "Zeit Wissen" und "Geo Wissen".

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