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Deutschlandkarte: Wo Gefahr durch Zecken droht 

Zecken: Parasiten in Lauerstellung Fotos
DPA

Zeckenbisse können gefährliche Infektionen bis hin zur lebensbedrohlichen Hirnhautentzündung auslösen - im vergangengen Jahr ist ihre Zahl wieder gestiegen. Ein Deutschland-Atlas zeigt die Risikogebiete. Ein Langzeitprojekt soll jetzt klären, warum vor allem der Süden des Landes betroffen ist.

Hamburg - Die Zahl der von Zecken übertragenen Hirnhautentzündungen ist in Deutschland wieder gestiegen: 2011 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) 423 Fälle der durch Zeckenbisse verursachten Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gemeldet - eine Steigerung um 63 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als lediglich 260 FSME-Erkrankungen registriert wurden. Die Virusinfektion verursacht grippeähnliche Symptome, Fieber und manchmal eine Meningoenzephalitis, eine Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten. Bei dem Großteil der Patienten treten bei einer Infektion jedoch keine Krankheitszeichen auf.

Auf der aktuellen Karte der Risikogebiete zeigt das RKI, wo in Deutschland Zecken-Gefahr besteht. Bundesweit betroffen sind demnach 140 Stadt- und Landkreise. Neu erfasst wurden der Stadtkreis Ulm in Baden-Württemberg, der Stadtkreis Kempten in Bayern, und mit dem Saar-Pfalz-Kreis wird erstmals auch eine Region im Saarland ausgewiesen. Besonders hoch ist das Risiko für eine Ansteckung im Süden Deutschlands, vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen und Thüringen.

Es gebe immer wieder Jahre, in denen die Zahl der Erkrankungen ansteige, erklärt RKI-Sprecherin Susanne Glasmacher. Die Gründe dafür seien vielschichtig und in Teilen noch nicht abschließend erforscht. Die Zahlen belegten aber, dass sich die Zecken-Gefahr in Deutschland nicht räumlich ausdehnt. In den Regionen, in denen FSME vorkomme, seien dafür mehr Fälle aufgetreten. In 2006 wurden beispielsweise 546 Erkrankungen gemeldet, im Jahr darauf waren es dann 239 Fälle.

FSME-Erkrankungen lassen sich leicht vermeiden, wenn Menschen, die in Risikogebieten leben oder dort Urlaub machen, geimpft sind. Der Schutz wird durch eine Impfung in drei Einzeldosen erreicht, die dann alle drei bis fünf Jahre aufzufrischen ist - in Risikogebieten ist dies eine Krankenkassenleistung.

Zecken zählen für die Forschung

Auch in Gebieten, die nicht in der Karte ausgewiesen seien, könne eine Infektion nicht ausgeschlossen werden, erklärt das RKI. Wahrscheinlich sei das FSME-Virus auch in den östlichen Bundesländern, wo es in den sechziger bis achtziger Jahren verbreitet war, noch latent vorhanden.

Um mehr über Zecken und mögliche Veränderungen ihrer Aktivität im Zusammenhang mit dem Klimawandel zu erfahren, untersuchen Mitarbeiter des Friedrich-Loeffler-Instituts (FLI), wie sich die Parasiten abhängig von den Wetterbedingungen verhalten. Im Auftrag des Umweltbundesamtes werden seit Oktober 2008 Zeckenhabitate auf Wald- und Wiesenstandorten in sieben Bundesländern beobachtet. Ermittelt werden dort Luft- und Bodentemperatur, Lufteuchtigkeit - und natürlich werden die Zecken, die auf einer bestimmten Fläche aktiv sind, erfasst. Ein Langfrist-Projekt, denn die bundesdeutsche Zeckenzählung braucht natürlich noch ein paar Jahre, um gesicherte Entwicklungstrends feststellen zu können.

Nicht jede Zecke überträgt automatisch das Virus, das zu einer FSME führt. FSME-Viren kommen auch in den FSME-Risikogebieten nicht überall in gleicher Häufigkeit in den Zecken vor, sondern in sogenannten Naturherden, die sehr klein sein können und deren Ausdehnung durch die Untersuchung von Zecken schwer zu bestimmen ist, da extrem viele Zecken untersucht werden müssten.

Auf schnellere Erkenntnisse zu diesen Naturherden hofft Christine Klaus, Wissenschaftlerin am FLI in Jena, durch die aktuellen Untersuchungen an Wirtstieren der Zecke, etwa Schafen, Ziegen und anderen Weidetieren. In manchen Seren fanden sich Antikörper gegen das FSME-Virus, in Pferdeherden in Bayern war der Gehalt sogar sehr hoch. "Vielleicht lassen sich darüber auch Rückschlüsse auf das Vorhandensein von FSME-Viren in ihrem Umfeld ziehen."In Bayern ist das schon gelungen, da konnte das FSME-Virus in den Zecken aus dem Umfeld der Pferdeherden nachgewiesen werden

Zecken sind blind

Wer in Deutschland eine Zecke sichtet, hat es in 90 Prozent der Fälle mit dem Gemeinen Holzbock (Ixodes ricinus) zu tun. Sie gehört zu den Schildzecken, bevorzugte Wirtsquelle sind vor allem kleine Säugetiere wie Mäuse, aber auch Wildtiere, Vögel, Weidetiere, Hund und Katze sind betroffen, auch Menschen können gestochen werden. Insgesamt deutlich seltener, jedoch mit örtlicher Häufung, kommt die Auwald-Zecke (Dermacentor reticulatus) vor, zum Beispiel zu finden im Raum Leipzig.

Der Gemeine Holzbock kommt vorzugsweise an Waldrändern, an Lichtungen und Bächen sowie in Gärten vor. Er bewegt sich am Boden, im hohen Gras oder in Gebüsch und Unterholz - niemals klettert er auf Bäume.

Zecken haben keine Augen - stattdessen signalisiert ihnen das so genannte Haller' sche Organ, wann sich ihnen ein potentielles Opfer naht. Dieser Sensor liegt in einem Segment der vorderen Beine - eine adulte Zecke hat insgesamt acht - und reagiert auf thermische, mechanische und chemotaktische Reize. Die wartenden Zecken nehmen auf Grashalmen oder Büschen ihre Lauerstellung ein, und lassen sich auf einen möglichen Wirt fallen.

Bevor die Zecke zubeißt, betäubt sie die Bissstelle mit einem Anästhetikum, so dass ihr Opfer nichts spürt. Da die Tierchen ihre Blutmahlzeit gern in aller Ruhe und ungestört einnehmen, kann es sein, dass sie stundenlang auf dem Menschen, dem Hund, der Katze oder einem anderen Wirt herumkrabbeln, bevor sie beißen.

Gefahr der Borreliose

Neben einer FSME können Zecken auch Borreliosen auslösen - und zwar überall in Deutschland. Dies geschieht mit einem Stich: Für ihre Entwicklung vom Ei über die Larve und Nymphe bis zum adulten Tier braucht die Zecke jeweils eine Blutmahlzeit - vor allem die Weibchen haben einen großen Bedarf, wenn sie ihre Eier produzieren und ablegen wollen, bis zu 2.000 können es werden. Dabei betäubt die Zecke ihren Wirt vor einem Stich mit einem ihr eigenen Anästhetikum, so dass der Gestochene ihren Zugriff meist gar nicht bemerkt.

Anders als gegen FSME gibt es gegen Borreliosen keinen Impfschutz. Experten raten deshalb dringend zu Vorsorge, körperbedeckender Kleidung und abendlichem Absuchen auf Zecken. Frühzeitig entfernt, sinkt die Gefahr, dass die Tiere genügend Bakterien für eine Infektion absondern.

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