HIV-Infektionen Bund will Opfer des Bluter-Skandals unterstützen

In den Achtzigern steckten sich mehr als 1500 Bluter durch verunreinigte Blutkonserven mit HIV an. Jetzt will der Bund bis zu zehn Millionen Euro jährlich für ihre Unterstützung ausgeben.

Michael Diederich (Archivbild von 2014)
DPA

Michael Diederich (Archivbild von 2014)


Michael Diederich steckte sich als Kind mit HIV an. Damals, in den Achtzigern, kam HIV für viele einem Todesurteil gleich. Diederich ist von Geburt an Bluter, das Blut aus Wunden gerinnt bei ihm nicht oder nur langsam. Das HI-Virus bekam er über infiziertes Konzentrat, gewonnen aus menschlichem Blutplasma, das eigentlich gegen seine Krankheit helfen sollte. Diederich überlebte - wenn auch unter oft dramatischen Umständen.

Jetzt feiert er einen Erfolg im jahrelangen Kampf um Anerkennung - wie Hunderte andere Betroffene des Bluter-Skandals, die wegen schleppender Reaktionen der Behörden damals mit HIV infiziert wurden.

Dabei geht es um Geld. Erst 1995 wurden die Opfer des Bluter-Skandals anerkannt und mit Hilfszahlungen aus einer Stiftung unterstützt. Doch der Stiftung droht das Aus, Ende 2018 dürfte das Geld alle sein, wenn sich nichts tut. Weitere Finanzzusagen beteiligter Pharmafirmen und des Deutschen Roten Kreuzes zu erhalten, wurde immer schwieriger. Rund 1500 Hämophile (Bluter) wurden HIV-infiziert. Viele von ihnen sind inzwischen gestorben. 300 bekommen noch Geld aus der Stiftung, dazu rund 250 andere Personen, meist direkte Angehörige.

Den Betroffenen geht es von Jahr zu Jahr schlechter

"Es gibt viele, die sagen: Wir geben uns die Kugel, wenn wir nichts mehr bekommen", sagt Diederichs Freundin Lynn Sziklai, die als Aktivistin für die Belange der infizierten Bluter kämpft. Eine Studie des Instituts Prognos zeigt: Den Betroffenen geht es von Jahr zu Jahr schlechter - gesundheitlich, psychisch, finanziell. Sie sind auf die Hilfen der Stiftung angewiesen.

Jetzt hat sich die Politik bewegt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat den Koalitionsfraktionen - auch in der SPD gibt es Unterstützer der Skandalopfer - einen Gesetzespassus zugeleitet, der bald zusammen mit einem anderen Gesetz beschlossen werden soll.

Das Ziel des Manövers: Der Bund will für die Betroffenen zahlen. Er beteiligte sich bisher schon an der Stiftung, doch nun soll den Opfern die Hilfe lebenslang garantiert werden, und zwar in der Höhe angepasst an die Rentenentwicklung. Kostenpunkt: neun bis zehn Millionen Euro jährlich.

"Ich kann es nicht glauben, was nun passiert ist", sagt Michael Diederich. "Das war ein harter Kampf." Viele seiner Leidensgenossen seien derart stark körperlich beeinträchtigt, dass sie teure Hilfsmittel bräuchten.

Diederich selbst arbeitet maximal zwei bis drei Stunden am Tag ehrenamtlich beim betreuten Wohnen. Mehr geht nicht. Seit Jahren wirbt er zudem öffentlich um Verständnis für die Opfer des Bluter-Skandals. Wer HIV-positiv ist, aber noch ohne Aids-Erkrankung, bekommt rund 760 Euro aus der Stiftung pro Monat, Aids-Kranke rund 1500 Euro und Angehörige gut 500.

Wenn nun tatsächlich im Bundestag beschlossen wird, dass die HIV-infizierten Bluter ein Leben lang aus der Stiftung unterstützt werden, hat sich für Diederich der Kampf gelohnt. "Wir haben es geschafft, dass die Politiker uns ernst nehmen", sagt er.

wbr/Basil Wegener, dpa



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.