Neue WHO-Richtlinien HIV-Therapie soll sofort nach Diagnose starten

In Zukunft sollen alle HIV-Infizierten gleich nach der Diagnose moderne Medikamente erhalten, empfiehlt die WHO. Auch gefährdete Gesunde sollen vorsorglich Pillen schlucken können. Die WHO hofft, so Millionen Leben zu verlängern.

HIV-Therapie: Nach positivem Test mit Einnahme der Medikamente beginnen
AFP

HIV-Therapie: Nach positivem Test mit Einnahme der Medikamente beginnen


Alle Menschen, bei denen eine Infektion mit dem Aids-Erreger HIV festgestellt wird, sollten nach Ansicht der WHO so schnell wie möglich Medikamente bekommen. Diese neue Behandelt-alle-Richtlinie ersetze alle frühere Empfehlungen, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch in Genf mit. Zuvor wurde zum Teil erst therapiert, wenn das Immunsystem unter der Krankheit leidet.

Neue klinische Studien hätten ergeben, dass eine sofort nach der Diagnose einsetzende Therapie mit antiretroviralen Mitteln das Leben der infizierten Patienten verlängert, so die WHO. Auch leben die Betroffenen demnach gesünder und die Gefahr sinkt, dass sie das Virus weitergeben. Die Zahl der zu behandelnden HIV-Infizierten müsste mit den neuen Richtlinien weltweit von 28 Millionen auf 37 Millionen steigen - so viele Menschen leben rund um den Globus mit dem Virus.

Hinzu kommt die Empfehlung, allen Gesunden mit einem erheblichen Infektions-Risiko eine vorbeugende antiretrovirale Therapie anzubieten. Diese sogenannte Präexpositions-Prophylaxe (PrEP) sollte jedoch sorgfältig überdacht werden. Die Medikamente schützen nur, wenn sie regelmäßig eingenommen werden. Zudem sind sie teuer und können Nebenwirkungen wie Appetitlosigkeit mit sich bringen.

21 Millionen Aids-Todesfälle verhindern

PrEP solle neben etwa dem Zugang zu Kondomen als zusätzliche Prophylaxe-Möglichkeit angesehen werden, schreibt auch die WHO. Durch eine bessere Prävention und den breiteren Einsatz der Medikamente könnten bis 2030 etwa 28 Millionen Neuinfektionen und 21 Millionen Aids-Todesfälle verhindert werden, hoffen die Vereinten Nationen.

Die neuen Therapieleitlinien sind Kern einer HIV-Strategie, die die Aids-Epidemie bis 2030 beenden soll. Dafür sollen bis 2020:

  • 90 Prozent der HIV-Infizierten von ihrer Infektion wissen,
  • von denen wiederum 90 Prozent eine antiretrovirale Therapie erhalten,
  • von denen wiederum 90 Prozent so gut therapiert werden, dass sich in ihrem Blut keine nachweisbaren Spuren des HI-Virus mehr finden.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) begrüßt die neue WHO-Behandlungsrichtlinie. Mit der Methode "Test und sofortige Behandlung" könnten Aids-Erkrankungen weltweit wirkungsvoller zurückgedrängt werden, heißt es einer Mitteilung.

irb/dpa



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