Kampf gegen Aids Berlin will mehr HIV-Infizierte behandeln

Bis 2020 will Berlin 90 Prozent der HIV-Infizierten in der Stadt eine Therapie ermöglichen. So soll auch die Ansteckungsrate gesenkt werden.

HIV-Schnelltest
DPA

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Als Stadt mit den meisten HIV-Infizierten in Deutschland will Berlin mehr Infizierte in Behandlung bringen. Es sei noch ein Rätsel, warum es in der Stadt eine relativ hohe Quote von Menschen gebe, die zwar ihren Status kennen, aber nicht in Therapie seien, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kolat (SPD) am Donnerstag beim Kongress "HIV im Dialog".

Ein Fokus liege dabei auf Zuwanderern, die keinen Aufenthaltsstatus hätten. Um ihnen, aber auch allgemein Menschen ohne Krankenversicherung unabhängig vom Gesundheitsproblem den Weg in Behandlung zu ebnen, ist ab 2018 eine sogenannte Clearingstelle geplant, wie Kolat sagte.

Geschätzt stecken sich in der Hauptstadt pro Jahr 430 Menschen mit HIV an. Auch deshalb hatte sich Berlin 2016 als bislang einzige Stadt in Deutschland einer Initiative angeschlossen, die bis 2030 die Aids-Epidemie in Städten beenden will. Bereits bis 2020 soll eines der Etappenziele erreicht sein: 90 Prozent der Menschen mit HIV wissen von ihrer Infektion, 90 Prozent erhalten eine Therapie, bei 90 Prozent davon ist HIV nicht mehr nachweisbar. Ihre Sexualpartner sind dann mindestens ebenso gut vor dem Virus geschützt wie durch ein Kondom.

Teure Prophylaxe

Ein Schwerpunkt liegt auch darin, weitere Ansteckungen zu verhindern. "Wir müssen bei der Prävention ansetzen", betonte Kolat. Kondome seien trotz der heutzutage möglichen medikamentösen Prophylaxe nicht aus der Mode geraten. Sie seien wichtig, auch weil eine Zunahme anderer sexuell übertragbarer Erkrankungen beobachtet werde.

Die Prophylaxe mit Tabletten, kurz PrEP, die bis vor Kurzem wegen ihres hohen Preises außerhalb des Schwarzmarktes als kaum zugänglich galt, wird in manchen Städten zwar in einem Pilotprojekt von Apotheken erschwinglicher. In dessen Rahmen soll eine Tablette etwa 1,79 Euro statt mindestens 18,22 Euro kosten. Die Kosten für die ärztliche Beratung vor der Einnahme und die engmaschige Betreuung währenddessen werden aber weiter nicht von den Kassen übernommen.

"Das Einkommen darf nicht darüber entscheiden, ob jemand die PrEP nehmen kann oder nicht", sagte Ute Hiller von der Berliner Aids-Hilfe.

Bei dem Kongress beraten Fachleute am Freitag und Samstag, wie Berlin die Zahl der HIV-Infektionen reduzieren und das Auftreten von Aids verhindern kann.

jme/dpa

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