Vereinte Nationen zu HIV "Wir schlagen Alarm"

Trotz weltweiter Erfolge im Kampf gegen HIV zeigen sich die Vereinten Nationen besorgt. In rund 50 Ländern steigt die Zahl der Infektionen an - Osteuropa ist besonders stark betroffen.

DPA


Die Vereinten Nationen sehen die Ziele beim Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids gefährdet. In 50 Ländern der Welt steige die Zahl der HIV-Neuinfektionen an, warnte der Chef von Unaids, Michel Sidibé, am Mittwoch. "Wir schlagen Alarm."

Für den erfolgreichen Kampf gegen Aids würden jährlich etwa sechs Milliarden Euro mehr gebraucht, so Sidibé. "Ohne diese Ressourcen besteht das Risiko, dass die Epidemie wieder erstarkt und die Aids-Sterberate steigt."

Seit 2010 ist die Zahl der Neuinfektionen zwar um 18 Prozent auf 1,8 Millionen im vergangenen Jahr gesunken. Der Rückgang sei aber nicht schnell genug, um das Ziel von weniger als 500.000 Neu-Infizierten bis 2020 zu erreichen, kritisieren die Vereinten Nationen.

Sorgen um Osteuropa und Teile Asiens

Besondere Sorgen bereiten den Experten Osteuropa und Teile Asiens - dort ist die Zahl der Neuinfektionen demnach stark gestiegen. Auch im Mittleren Osten sowie im Norden Afrikas infizierten sich immer mehr Menschen mit dem Erreger von Aids. Betroffen sind vor allem Frauen. Nicht zuletzt wegen sexueller Gewalt würden jährlich etwa 340.000 junge Frauen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren mit HIV angesteckt.

Die einst am schlimmsten betroffenen Ländern im östlichen und südlichen Afrika hingegen machen die stärksten Fortschritte. So geht auch der allgemeine Trend laut Unaids in die richtige Richtung: 2017 starben eine Million weniger Menschen an der Immunschwächekrankheit als im Jahr 2005. Aber es waren immer noch 940.000 Todesfälle.

Hinzu kommt eine weitere gute Nachricht: Im vergangenen Jahr erhielten 21,7 Millionen Patienten eine sogenannte antiretrovirale Therapie - so viele wie nie zuvor. Auch hier gibt es laut Unaids jedoch regionale Unterschiede. Im Nahen Osten und in Nordafrika hat demnach weniger als ein Drittel der Infizierten Zugang zu der medizinischen Behandlung.

Die Therapie drängt das HI-Virus im Körper zurück und verhindert den Ausbruch der Immunschwächekrankheit Aids. Weltweit gibt es noch mehr als 15 Millionen Menschen, die nicht behandelt werden, wie Unaids-Chef Sidibé angab. "Wir bewegen uns nicht so schnell voran, wie wir es vorhatten", sagte er.

Deutschland: Rund 90.000 Infizierte

Bis 2020 sollen laut UN weltweit 90 Prozent der Menschen mit HIV über ihre Infektion Bescheid wissen, 90 Prozent davon in Behandlung sein. Bei wiederum 90 Prozent davon soll das Virus im Blut nicht mehr nachweisbar sein, weil Medikamente dessen Vermehrung wirksam unterdrücken. Ein Impfstoff oder ein Heilmittel existiert bislang noch nicht.

In Deutschland sind nach Schätzung der Deutschen Aidshilfe rund 90.000 Menschen mit HIV infiziert. Jährlich steckten sich etwa 3100 Menschen neu an. "Die Zahl ist seit zehn Jahren stabil und im internationalen Vergleich eher gering", sagt Aidshilfe-Sprecher Holger Wicht. Dennoch könne noch mehr getan werden.

So gibt es etwa Medikamente, die vorbeugend eingenommen eine Ansteckung mit HIV zuverlässig verhindern können (Präexpositions-Prophylaxe). Ähnlich wie in Großbritannien, Australien und den Niederlanden sollten die Mittel für Risikogruppen wie homosexuelle Männer von Krankenkassen bezahlt werden, fordert Wicht. Hilfreich wären auch noch mehr Drogenkonsumräume, in denen Drogen unter hygienischen Bedingungen gespritzt würden.

irb/dpa/AFP



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