Deutschland HIV-Diagnosen steigen um sieben Prozent

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist in Deutschland gestiegen, berichtet das Robert Koch-Institut. Dafür gibt es mehrere Gründe.

Rote Schleifen: In Deutschland wurden wieder mehr HIV-Infektionen diagnostiziert
AFP

Rote Schleifen: In Deutschland wurden wieder mehr HIV-Infektionen diagnostiziert


In Deutschland bekommen wieder mehr Menschen gesagt, dass sie sich mit dem HI-Virus infiziert haben. Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge wurden im vergangenen Jahr bundesweit 3525 neue Diagnosen gemeldet - ein Anstieg um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht des RKI hervor. Eine Ursache dafür ist demnach die steigende Zahl von Flüchtlingen. Der Anstieg ist laut RKI zum Teil auch auf Verbesserungen bei der Datenerhebung zurückzuführen.

"Ein großer Teil von ihnen stammt aus Ländern, in denen HIV besonders häufig ist", teilte die Deutsche Aids-Hilfe mit. Die Übertragung habe meistens im Herkunftsland stattgefunden. "Hier spiegeln sich steigende Flüchtlingszahlen in den HIV-Diagnosezahlen", erklärte die Organisation. Das erkläre auch den vergleichsweise starken Anstieg in der Gruppe der Heterosexuellen. Die Zahl der Neudiagnosen war bei ihnen im vergangenen Jahr um rund 30 Prozent gestiegen.

Virus am häufigsten in Berlin diagnostiziert

Die Zahl der HIV-Neudiagnosen, die das RKI jetzt veröffentlicht hat, darf nicht mit der Zahl der Neuinfektionen verwechselt werden. Sie lässt keinen direkten Rückschluss auf das Infektionsgeschehen in Deutschland zu, sondern gibt nur an, wie viele Menschen hierzulande erstmals HIV-positiv getestet wurden. Die meisten von ihnen haben sich schon vor Jahren infiziert.

Nach RKI-Angaben wuchs der relative Anteil der Neudiagnosen bei Menschen aus afrikanischen Ländern südlich der Sahara von 10 auf 15 Prozent. Die Mehrheit der Infektionen, die sich Betroffene im Ausland zugezogen haben, ereignete sich demnach ebenfalls dort.

Der relative Anteil an HIV-Neudiagnosen bei Menschen deutscher Herkunft fiel demnach von 68 auf 64 Prozent. Im bundesweiten Vergleich wurde das Virus in Berlin im vergangenen Jahr am häufigsten neu diagnostiziert. Dort kamen 12,9 Fälle auf 100.000 Einwohner - so viele wie in keinem anderen Bundesland. Am niedrigsten war der Wert in Thüringen (1,9 Fälle auf 100.000 Einwohner). Bundesweit waren es im Schnitt 4,4.

nik/dpa

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