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Sommerhitze: Hohe Ozonwerte gefährden das Herz

Von Ingrid Glomp

Hohe Ozonwerte: Gefahr fürs Herz Fotos
Getty Images

Wenn im Sommer die Sonne scheint, steigen nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Ozonwerte. Lungenprobleme können die Folge sein. Auch dem Herzen macht das Reizgas zu schaffen, wie eine neue Studie zeigt.

Nach mehreren heißen Sommertagen kann es passieren, dass sich die Deutschlandkarte des Umweltbundesamtes mehr oder weniger flächendeckend knallrot färbt. Die Warnfarbe bedeutet: Der Zielwert von 120 Mikrogramm Ozon pro Kubikmeter Luft wurde überschritten, etwas, das dem Gesundheitsschutz zuliebe höchstens 25-mal pro Jahr und ab 2020 gar nicht mehr passieren sollte.

In den höheren Schichten der Atmosphäre ist Ozon erwünscht und nützlich, denn es schützt die Erde vor zu starker Sonneneinstrahlung. Anders sieht es auf der Erde aus: Dort entsteht das Gas in Bodennähe gerade mit Hilfe intensiver Sonnenstrahlung aus bestimmten Stoffen in Auto- und Industrieabgasen. Beim Menschen reizt es die Atemwege, verursacht Husten und Atembeschwerden. Außerdem kann es Lungenerkrankungen wie Asthma, Emphysem oder chronische Bronchitis verschlimmern. Und nicht nur das: Wie eine aktuelle amerikanische Studie zeigt, schaden hohe Ozonwerte offensichtlich auch dem Herz-Kreislauf-System.

Mehr Herzinfarkte nach hohen Ozonwerten

Für die Untersuchung atmeten 20 Männer und drei Frauen zwischen 19 und 33 Jahren zwei Stunden lang Luft mit 0,3 ppm (Parts per Million) Ozon ein - eine Konzentration, die in stark luftverschmutzten Städten wie Peking oder Mexico City fast erreicht wird. Dabei strampelten sie abwechselnd 15 Minuten auf einem Fahrradergometer und ruhten sich 15 Minuten aus. Nach den zwei Stunden fanden die Forscher aus Durham und Chapel Hill in North Carolina bei den Versuchsteilnehmern Anzeichen für Entzündungen der Blutgefäße, Hinweise auf ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel sowie Änderungen im autonomen Nervensystem, das den Herzschlag kontrolliert.

Beispielsweise stieg die Menge von Interleukin-8, einer Substanz, die bei Entzündungen eine Rolle spielt, im Blut auf das Doppelte an. Der Plasminogen-Aktivator-Inhibitor Typ 1 hingegen sank um ein Fünftel, was ein Anzeichen dafür sein könnte, dass vermehrt Blutgerinnsel gebildet wurden. Eine weitere Komponente der sogenannten Herzratenvariabilität sank auf die Hälfte des normalen Ausmaßes - damit der Körper sich schnell auf unterschiedliche Belastungen einstellen kann, sollte die Herzfrequenz möglichst veränderlich sein. Alle Erscheinungen waren bei den Versuchsteilnehmern glücklicherweise nur vorübergehend, schreiben die Forscher in der Fachzeitschrift "Circulation" der American Heart Association.

"Diese Studie liefert eine plausible Erklärung für den Zusammenhang zwischen akuter Ozonbelastung und Todesfällen", sagt Studienautor Robert Devlin, der als Wissenschaftler im National Health and Environmental Effects Research Laboratory der amerikanischen Umweltschutzbehörde (EPA) arbeitet. Bereits vor einigen Jahren hatten Forscher in Frankreich mit Hilfe statistischer Auswertungen herausgefunden, dass ein oder zwei Tage nach einem Anstieg der Ozonwerte Menschen mittleren Alters häufiger einen Herzinfarkt erleiden. Eine zweite französische Studie deutet darauf hin, dass auch das Schlaganfallrisiko durch hohe Ozonwerte kurzfristig ansteigt.

Morgens lüften, während der Mittagshitze entspannen

Solche Beobachtungen können jedoch keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung nachweisen, da die Bevölkerung vielen Schadstoffen ausgesetzt ist. So könnte etwa sein, dass Feinstaub oder andere Faktoren hinter den Herz-Kreislauf-Erkrankungen stecken und nicht das Ozon. Um einen eindeutigen Zusammenhang zwischen einer Ursache und einer Wirkung festzustellen, benötigt man direktere Tests.

Bereits 2010 ergab eine Untersuchung mit Ratten, dass Ozon tatsächlich das Herz angreifen kann. Allerdings lassen sich Ergebnisse von Tierversuchen nicht unbedingt auf den Menschen übertragen. Dass und wie Ozon das Herz-Kreislauf-System des Menschen schädigen kann, hat die neue amerikanische Studie jetzt auch unter Laborbedingungen gezeigt. Zwar war die Ozonkonzentration mit 600 Mikrogramm pro Kubikmeter ausgesprochen hoch, aber die Forscher geben zu bedenken, dass dieser Wert in Städten mit großer Luftverschmutzung fast erreicht wird. Zweitens seien die Versuchsteilnehmer dem Ozon nur zwei Stunden ausgesetzt gewesen. Im wirklichen Leben könne dies viel länger der Fall sein. Und schließlich habe es sich um junge, gesunde Menschen gehandelt. Gefährdete Personen würden vermutlich noch stärker reagieren.

Dafür, was man an heißen Sommertagen der Gesundheit zuliebe tun und lassen sollte, hat das Umweltbundesamt eine einfache Faustregel: "Vernünftiges Verhalten im Hinblick auf hohe Temperaturen ist auch vernünftig im Hinblick auf Ozon." Weil die Ozonwerte mittags und nachmittags am höchsten sind, sollte man zu diesen Zeiten längere körperliche Anstrengung im Freien, etwa beim Sport, möglichst vermeiden. Das gilt besonders für Kinder und empfindliche Menschen. Zu Letzteren zählen laut der American Heart Association ältere Personen sowie solche mit Lungen- und Herzproblemen. Lüften, empfiehlt das Umweltbundesamt, soll man am besten morgens.

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1. Werden die drei, vier Tage Sonnenschein
EchoRomeo 19.08.2012
dazu ausgenutzt um dem Stehsatz zu "mörderischer Sommer" bzw "Im Klammergiff der Erderwärmung" oder "Ozon(loch) reloaded" zu entsorgen/verbraten. Ist zwar jetzt einige Tage sommerlich, deswegen aber gleich auf die große Katstrophentrommel zu hauen ist..... peinlich?
2.
Social_Distortion 19.08.2012
Zitat von sysopDPAWenn im Sommer die Sonne scheint, steigen nicht nur die Temperaturen, sondern auch die Ozonwerte. Lungenprobleme können die Folge sein. Auch dem Herzen macht das Reizgas zu schaffen, wie eine neue Studie zeigt. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/0,1518,849154,00.html
Da bin ich aber beruhigt, dass es das Ozonloch noch gibt. Ich dachte schon, das Ding wäre genauso verschwunden, wie die ESM- Rettungsmilliarden. Die aufgrund ihrer Tätigkeit im Freien besonders gefährdeten Leute werden sich übrigens für die guten Ratschläge ("während der MIttagshitze entspannen") bedanken. So gesehen ist die Erhöhung des Renteneinstiegsalters wohl auch ein gut durchdachter Regierungslan zur Sanierung der Rentenkasse. Wenn z.B. der 67 Jahre alte Maurer mit Infarkt vom Gerüst fällt, braucht er schon keine Rente mehr,
3. Ist die Ozon-Argumentation seriös?
meffisto 19.08.2012
Können sie mir verraten, wie Asthma-Kranke, die oft selbst grosse Herzbeschwerden haben, sich zur Kur über viele Stunden täglich in Ozonstollen setzen können mit Werten die mehr als zehn mal so hoch sind als die gesetzlichen Grenzwerte und nicht sofort sterben? Ich kann es Ihnen verraten: weil es nicht am Ozonwert liegt, wenn Herzkranke dieses Wetter nicht vertragen. Weil die hohe Temperatur, Schwefeldioxid-, Kohlendioxid-, Feinstaub-, Benzolbelastungetc. etc. ausreichen. Das Ozonloch hat nun erst recht nichts mit Herzkrankheiten zu tun. Vieleicht sollte man einfach wissenschaftlich etwas seriöser sein und wissen, dass Polykausalität in der Medizin das normale ist...
4. Oh, da ist ein Zoon
cassandros 19.08.2012
Zitat von meffistoKönnen sie mir verraten, wie Asthma-Kranke, die oft selbst grosse Herzbeschwerden haben, sich zur Kur über viele Stunden täglich in Ozonstollen setzen können mit Werten die mehr als zehn mal so hoch sind als die gesetzlichen Grenzwerte und nicht sofort sterben? Ich kann es Ihnen verraten: weil es nicht am Ozonwert liegt, wenn Herzkranke dieses Wetter nicht vertragen. Weil die hohe Temperatur, Schwefeldioxid-, Kohlendioxid-, Feinstaub-, Benzolbelastungetc. etc. ausreichen. Das Ozonloch hat nun erst recht nichts mit Herzkrankheiten zu tun. Vieleicht sollte man einfach wissenschaftlich etwas seriöser sein und wissen, dass Polykausalität in der Medizin das normale ist...
Sind solche albernen "Beispiele" seriös? Ich kann es dir auch verraten: Weil solche Hokuspokus-"Therapien" eine der unzähligen Formen der Scharlatanerie sind, mit denen Kranken das Geld aus der Tasche gezogen wird. Wenn wir schon von Wissenschaftlichkeit und Seriosität reden ....
5. Muss mich das beunruhigenß
cassandros 19.08.2012
Zitat von Social_DistortionDa bin ich aber beruhigt, dass es das Ozonloch noch gibt. Ich dachte schon, das Ding wäre genauso verschwunden, wie die ESM- Rettungsmilliarden. Die aufgrund ihrer Tätigkeit im Freien besonders gefährdeten Leute werden sich übrigens für die guten Ratschläge ("während der MIttagshitze entspannen") bedanken. So gesehen ist die Erhöhung des Renteneinstiegsalters wohl auch ein gut durchdachter Regierungslan zur Sanierung der Rentenkasse. Wenn z.B. der 67 Jahre alte Maurer mit Infarkt vom Gerüst fällt, braucht er schon keine Rente mehr,
Was mich beunruhigt ist der Umstand, daß ich nicht erkennen kann, was das Ozonloch mit der Meldung über hohe Ozonkonzentrationen in Bodennähe an heißen Sommertagen zu hat?
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Zur Autorin
  • Ingrid Glomp ist promovierte Biologin. Sie arbeitet als freie Wissenschaftsjournalistin in Heidelberg und schreibt in ihren Krimis über Mord und Totschlag.

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Kohlenmonoxid
Kohlenmonoxid (CO) entsteht, wenn organische Stoffe wie Holz und Kohle, aber auch Benzin und Öl unvollständig verbrennen. Das farb-, geruch- und geschmacklose Gas ist ein Atemgift: Es verhindert den Transport von Sauerstoff durch die Blutbahn.

Die schlechtere Sauerstoffaufnahme kann sich auf das zentrale Nervensystem auswirken. Die ersten Vergiftungserscheinungen sind Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Bei einer stärkeren Vergiftung, wie sie bei Bränden auftreten kann, können Betroffene auch bewusstlos werden, im Extremfall führt eine Kohlenmonoxid-Vergiftung zum Tod.

Um die Aufnahme im Alltag zu begrenzen, darf die Kohlenmonoxid-Konzentration in deutschen Städten innerhalb von 8 Stunden einen Mittelwert von 10 Milligramm pro Kubikmeter Luft nicht überschreiten. Das Umweltbundesamt stellt auf seiner Homepage eine Deutschlandkarte mit den aktuellen Luftdaten zur Verfügung: http://www.env-it.de
Benzol
Benzol ist ein flüchtiger Kohlenwasserstoff, der Benzin beigemischt wird. Menschen atmen vor allem beim Betanken ihres Autos Benzol ein, da es aus dem Tank verdunstet. Der Stoff ist zudem Bestandteil der entweichenden Abgase. Die höchste Belastung existiert in der Nachbarschaft stark frequentierter Straßen, insbesondere in Straßenschluchten.

Benzol schädigt in einer hohen Konzentration die Leber, die Nieren und das Knochenmark. Allerdings sind auch geringere Konzentrationen auf Dauer schädlich, da Benzol krebserregend wirkt und den Keimzellen schadet.

Mehrere Maßnahmen haben in den letzten Jahren den Benzolgehalt in der Luft deutscher Städte reduziert. So wurde etwa die Benzolmenge im Benzin gesenkt, an Tankstellen sollen Saugrüssel die entweichenden Dämpfe absaugen.
Ruß
Ruß besteht aus elementarem Kohlenstoff. Er entsteht, wenn Dieselkraftstoff, Heizöl, Holz und Kohle nur unvollständig verbrannt werden. Vor allem veraltete Autos, das Heizen mit Holzöfen und die Kohleverbrennung führen zur Rußbelastung in Deutschland.

Durch Partikelfilter hat sich die Anzahl großer Rußpartikel in den letzten Jahren verringert. Problematischer sind allerdings die kleinen Rußpartikel: Als Teil des Feinstaubs können sie tief in die Lunge oder sogar in die Blutbahn eindringen. Kurzfristige Folgen sind Herz-, Kreislauf- und Atemwegserkrankungen, langfristig kann die Feinstaubbelastung auch zu Krebserkrankungen führen.

Neben der Gefahr für die Gesundheit schadet Ruß auch der Umwelt: Die dunklen Partikel heizen die Atmosphäre auf. Lagern sie sich auf Eisschilden ab, können diese ergrauen, die Schmelze beschleunigt sich.
Feinstaub
Unter Feinstaub oder Schwebstaub versteht man Teilchen, die so klein sind, dass sie nicht sofort zu Boden sinken und mit bloßem Auge nicht zu sehen sind. Feinstaub kann einen natürlichen Ursprung haben, so zählen etwa die Sporen von Bakterien und Pilzen als Feinstaub.

Gerade in Ballungsgebieten ist der Autoverkehr eine bedeutende Feinstaubquelle. Die Partikel entstehen bei der Verbrennung von Kraftstoff und durch Bremsen- oder Reifenabrieb. Hinzu kommt, dass die Autos Staub von der Straße aufwirbeln.

Je winziger die Feinstaubpartikel sind, desto tiefer können sie in die Atemwege eindringen, ultrafeine Partikel können über die Lungenbläschen auch ins Blut gelangen und sich im Körper verteilen. Feinstaub ist besonders schädlich, wenn der Körper längere Zeit den Partikeln ausgesetzt ist, auch wenn es sich dabei um relativ niedrige Konzentrationen handelt.

Um die Menschen in Ballungsgebieten vor Feinstaub zu schützen, existieren europaweite Grenzwerte. Wenn diese überschritten werden, treten Luftreinhalte- und Aktionspläne in Kraft. Ein Versuch, die Feinstaubwerte niedrig zu halten, sind Umweltzonen und Partikelfilter.


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