US-Arzneimittelbehörde FDA geht gegen gefährliche Homöopathika vor

Sie heilen angeblich Krebs, dabei sind sie wirkungslos und manchmal sogar schädlich: Die US-Arzneimittelbehörde will homöopathische Mittel strenger kontrollieren, die zur Gefahr für Patienten werden können.

Globuli
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Globuli


Die US-Arzneimittelbehörde FDA will härter gegen homöopathische Präparate vorgehen. Im Visier der Behörde sind vor allem Mittel, die für Patienten zur Gefahr werden können. Etwa weil sie gefährliche Inhaltsstoffe in erhöhten Mengen enthalten oder vorgeben, wirksam gegen Krebs-, Herz- oder Suchterkrankungen zu sein.

"In vielen Fällen setzen Menschen ihr Vertrauen und ihr Geld auf Therapien, die wenig oder keinen Nutzen bei der Bekämpfung schwerer Krankheiten haben, oder schlimmer noch - irreparablen Schaden anrichten", sagte Scott Gottlieb von der FDA. Bis vor Kurzem sei die Homöopathie ein Nischenmarkt gewesen, mittlerweile setzt die Industrie laut FDA jedoch drei Milliarden Dollar im Jahr um.

Gefährliche Nebenwirkungen

Schäden durch Homöopathie entstehen vor allem, wenn nachweislich wirksame Therapien bei ernsten Erkrankungen durch die homöopathische Behandlung hinausgezögert werden. Die FDA bringt aber auch den Tod von zehn Kindern und 400 Berichte über Nebenwirkungen von homöopathischen Gels und Tabletten mit der Einnahme homöopathischer Arzneien in Verbindung.

Die Produkte sollten Schmerzen beim Zahnen lindern, enthielten jedoch erhöhte und uneinheitliche Mengen der Giftpflanze Belladonna, auch bekannt als Schwarze Tollkirsche. Unter den häufigsten Beschwerden der erkrankten Kinder waren Krämpfe, Zittern, Fieber, Kurzatmigkeit und Lethargie.

Zudem warnt die FDA vor zinkhaltigen Präparten, die zu einem Verlust des Geruchssinns führen könnten und vor Mitteln, die giftiges Strychnin enthalten.

"In den vergangenen Jahren haben wir einen rasanten Aufwärtstrend bei den als homöopathisch gekennzeichneten Produkten beobachtet, die für eine breite Palette an Krankheiten vermarktet werden, von Erkältung bis Krebs", sagte Gottlieb.

Grundsätze der Homöopathie
    Das Verfahren wurde vor rund 200 Jahren von Samuel Hahnemann entwickelt. Er ging davon aus, dass Krankheiten mit Wirkstoffen geheilt werden, die bei Gesunden Symptome hervorrufen, die denen des Patienten ähneln. Diese Wirkstoffe, zum Teil giftige Substanzen wie Quecksilber, werden wiederholt in Flüssigkeit verdünnt. Die Annahme der Homöopathie: Durch Schütteln vor der Verdünnung wird die Kraft des Wirkstoffs verstärkt.

    Homöopathische Mittel sind unter anderem als Flüssigkeit oder Salbe verfügbar oder als sogenannte Globuli - Zuckerkügelchen, auf welche die verdünnten Lösungen gesprüht wurden. Die Verdünnungen sind oft so hoch, dass sich im fertigen homöopathischen Mittel kein einziges Molekül des Wirkstoffs befindet. Auch eine von Homöopathen angegebene "Energie" des Wirkstoffs lässt sich nicht begründen.

Laxe Regulierung

In den USA können homöopathische Arzneimittel ohne die Genehmigung der Arzneimittelbehörde hergestellt und vertrieben werden. Diese Praxis soll sich auch zukünftig nicht grundlegend ändern - das wäre zu unpraktisch, so die Begründung. Die Behörde will aber verschärft gegen homöopathische Mittel vorgehen, die eine Gesundheitsbedrohung darstellen.

Zu den gefährlichen Produkten gehören laut FDA Mittel, die gespritzt werden, sich speziell an Kinder und ältere Menschen richten oder als Arzneien gegen ernsthafte Erkrankungen vermarktet werden. Es sei Aufgabe der FDA, die Öffentlichkeit vor Produkten zu schützen, die möglicherweise keinen Nutzen bringen und potenziell schädlich sein können, heißt es in einer Mitteilung.

Zulassung homöopathischer Arzneimittel in Deutschland
    Homöopathische Arzneimittel unterliegen nicht denselben gesetzlichen Anforderungen wie die übrigen Arzneimittel. Sie müssen nicht unbedingt zugelassen werden, sondern können lediglich registriert werden. Dafür muss der Hersteller Qualität und Unbedenklichkeit des Präparats nachweisen und es muss nach den Vorgaben des Homöopathischen Arzneibuchs hergestellt sein. Diese Präparate dürfen aber keine Indikation nennen.

Steht auf der Packung eine Indikation, zum Beispiel "Die Anwendungsgebiete leiten sich von den homöopathischen Arzneimittelbildern ab. Dazu gehören: Akute Entzündungen des Hals-, Nasen- und Rachenraums" ist das Mittel nicht bloß registriert, sondern zugelassen.

Aber: Die sonst für eine Medikamentenzulassung verpflichtenden klinischen Studien, die hohen Qualitätsansprüchen unterliegen und einen Wirksamkeitsnachweis erfordern, sind auch dann für homöopathische Arzneimittel in aller Regel nicht vorgesehen. Sie sind nur vorgeschrieben, falls ein Präparat verspricht, die Symptome einer schweren oder lebensbedrohlichen Krankheit zu bekämpfen.

Die US-Arzneimittelbehörde ist nicht die einzige Institution, die sich gegen Homöopathie ausspricht:

  • Bereits im November 2016 gab die amerikanische Verbraucherschutzbehörde FTC bekannt, Hersteller von homöopathischen Arzneimitteln müssten künftig Belege für Gesundheitsversprechen liefern oder offenlegen, dass die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist.
  • Im Juli hat der britische Gesundheitsdienst (NHS) angekündigt, Ärzte davon abhalten zu wollen, homöopathische Mittel zu verkaufen. Das Unterhaus des britischen Parlaments hatte zuvor gefordert, dass das Gesundheitssystem die Kosten für homöopathische Mittel nicht länger übernehmen sollte. "Um das Vertrauen, die Wahlfreiheit und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten, sollte die Regierung die Verwendung von Placebo-Behandlungen einschließlich Homöopathie nicht befürworten", hieß es in einer Erklärung.

Trotz aller Bedenken will die US-Arzneimittelbehörde den Wunsch vieler Patienten nach einer Homöopathischen Behandlung berücksichtigen. Produkte, die die FDA als ungefährlich einstuft, dürfen deshalb weiter verkauft werden. Das betrifft voraussichtlich vor allem Mittel, die für harmlose Krankheiten beworben werden, da diese Leiden oft von allein vergehen und keine spezifisch wirksame Therapie nötig ist.

In Deutschland übernehmen bislang viele Krankenkassen die Kosten für homöopathische Behandlungen beim Arzt. Auch sie geben zu, dass ein Wirksamkeitsnachweis trotz langjähriger Forschung fehlt, bieten die Zusatzleistung aber an, um Kunden zu gewinnen.

koe

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