Hongkong Weltweit erster Fall von Ratten-Hepatitis E beim Menschen

In Hongkong ist eine Hepatitis-E-Infektion von einer Ratte auf einen Menschen übergesprungen. Nie zuvor wurde ein solcher Fall dokumentiert.

Wohnhaus des Betroffenen
AFP

Wohnhaus des Betroffenen


Ein Bewohner Hongkongs hat sich mit der Rattenvariante des Hepatitis-E-Virus infiziert. Nach Angaben der Universität Hongkong (HKU) war zuvor kein solcher Fall bekannt. Die Forscher hätten weltweit zum ersten Mal nachgewiesen, dass das Ratten-Hepatitis-E-Virus Menschen infizieren kann, teilte die HKU mit.

Die Entdeckung habe eine "wichtige Bedeutung" für das Gesundheitswesen. Hongkong leidet unter einer Rattenplage, die sich in den vergangenen Monaten aufgrund des anhaltend warmen und feuchten Wetters verschärft hat. Der Fall sei ein Weckruf, die Hygiene zu verbessern und die Verbreitung von Ratten zu begrenzen, erklärte Yuen Kwok-yung, Mikrobiologe der Hong Kong University.

"Wir wissen nicht, ob es in Zukunft einen ernsthaften Ausbruch des Ratten-Hepatitis-E-Virus in Hongkong geben wird", sagte er laut "South China Morning Post" . "Wir müssen das in nächster Zeit streng beobachten." Vor allem in Hinterhöfen könne sich Müll ansammeln. "Da sieht man Ratten, die größer sind als Katzen", sagt Yuen. Aktuell gibt es jedoch noch keine Hinweise, dass es sich um einen größeren Ausbruch handeln könnte.

Infektion durch verunreinigte Lebensmittel

Die Krankheit wurde bei einem 56-jährigen Patienten diagnostiziert, bei dem sich nach einer Lebertransplantation im Mai vergangenen Jahres die Werte des Organs nicht normalisierten. Noch ist nicht sicher, wie genau sich der Mann infiziert hat.

Die Ärzte gehen der "South China Morning Post" zufolge davon aus, dass er sich die Krankheit durch Nahrungsmittel zugezogen haben könnte, die mit Exkrementen von Ratten verunreinigt waren. Möglicherweise sei er auch besonders empfänglich gewesen, weil sein Immunsystem durch die Transplantation geschwächt war, erklärte Yuen. Durch eine Therapie mit einem antiviralen Mittel befindet sich der Mann auf dem Weg der Genesung.

Die Rattenhepatitis ist den Mikrobiologen zufolge eine "sehr entfernte" Verwandte der menschlichen Varianten von Hepatitis E. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) erkranken weltweit jährlich 20 Millionen Menschen an den menschlichen Varianten. Die meisten infizieren sich durch kontaminiertes Wasser. Zu den Symptomen gehören Fieber, Erbrechen, Gelbsucht sowie in seltenen Fällen Leberversagen.

In der Vergangenheit litt Hongkong mit seinen sieben Millionen Einwohnern immer wieder unter großen Epidemien. 2003 starben fast 300 Menschen am Atemwegsvirus Sars.

irb/AFP

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