Analkrebs: Ärzte empfehlen HPV-Impfung für schwule Jugendliche

Sollten sich Jungs auch gegen HPV impfen lassen? Ja, fordern britische Mediziner. Eine Impfung gegen die Infektion mit Humanen Papillomaviren schütze nicht nur vor Gebärmutterhalskrebs - besonders Homosexuelle könnten ihr erhöhtes Risiko senken, an Analkrebs zu erkranken.

Impfspritze: Britische Wissenschaftler raten, den HPV-Schutz auch für Jungen anzubieten Zur Großansicht
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Impfspritze: Britische Wissenschaftler raten, den HPV-Schutz auch für Jungen anzubieten

Die Impfung gegen humane Papillomaviren (HPV) soll Frauen vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Doch die Viren können auch Männern gefährlich werden. Sie sind die Hauptursache für Tumoren der Zunge, der Mandeln und des Analbereichs und können außerdem unangenehme Genitalwarzen verursachen. Einige Forscher fordern deshalb immer wieder, dass sich auch Jungen gegen HPV impfen lassen sollten. Besonders sexuell aktive schwule Männer würden von einer solchen Impfung profitieren, schreibt ein Team um den Experten für Geschlechtskrankheiten, Mark Lawton, vom University Hospital in Liverpool (England) jetzt im Fachblatt "Sexually Transmitted Infections".

Die Wissenschaftler berufen sich auf Daten aus Australien: Seit dort 2007 für junge Mädchen ein nationales Impfprogramm gegen HPV eingeführt wurde, ist das Aufkommen von Genitalwarzen drastisch zurückgegangen – und zwar auch bei heterosexuellen Jungen. Bei ihnen greift offenbar der sogenannte Herdenschutz, also der Schutz ungeimpfter Menschen durch die überwiegend geschützte Bevölkerung. Homosexuelle Jungen allerdings profitieren nicht davon. Sie entwickelten genauso häufig Genitalwarzen wie vor Beginn der Maßnahme. Seit Februar dieses Jahres werden deshalb im Zuge des Programms auch Jungen zwischen zwölf und 13 Jahren mit dem Mittel "Gardasil" geimpft.

Screening ist keine Alternative

Auch weil homosexuelle Männer ein 15-mal höheres Risiko für bösartige Analtumoren hätten als heterosexuelle, sei eine HPV-Impfung für sie besonders wichtig, schreiben die Forscher. Aktuelle Studien belegten die Wirksamkeit der Impfung auch für schwule Männer. So zeigen etwa Untersuchungen der Onkologin Anna Guiliano vom Moffitt Cancer Center and Research Institute in Tampa, Florida: Die Impfung gegen die Virustypen HPV 6, HPV 11, HPV 16 und HPV 18 reduziert bei Männern Hauterkrankungen des Analbereichs, die sich im Spätstadium zu einem Analkarzinom entwickeln können.

Zwar ist die Impfung am effektivsten, wenn sie vor Beginn der sexuellen Aktivität vorgenommen wird. Die Viren können beim Sex zwischen den Partnern übertragen werden. Dennoch könne die Impfung auch für Jungen, die bereits Kontakt zu HP-Viren hatten, kosteneffektiv gestaltet werden, schreiben die Forscher mit Verweis auf eine Modellrechnung aus den USA. Sie schlagen vor, die Impfung in Kliniken für Geschlechtskrankheiten anzubieten. Die größte Herausforderung dabei sei, die jungen schwulen Männer möglichst frühzeitig zu identifizieren und zu impfen.

Ein Screening auf Gewebeveränderungen, die auf Vorstufen von Analkrebs hindeuten, halten die Forscher für keine gute Alternative. Der Nutzen der Methode sei bislang nicht belegt.

USA raten homosexuellen Männern zur Impfung

Länder wie die USA, Kanada und Australien befürworten bereits die HPV-Impfung von Jungen. Die USA empfehlen die Impfung generell für Jungen zwischen elf und zwölf sowie für homosexuelle Männer bis zu einem Alter von 26 Jahren. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts seit 2007 die Immunisierung lediglich für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren.

Grundsätzlich ist die Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs umstritten. Weil die HPV-Impfung nicht vor allen krebsauslösenden Humanen Papillomaviren schützt, halten Kritiker es für falsch, überhaupt von einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs zu sprechen. Von den mehr als hundert Virussubtypen sind mindestens 13 krebserregend.

dal

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IMPFEN: DIE EMPFEHLUNGEN IM ÜBERBLICK
Impfen
Die Grundimmunisierung gegen Infektionskrankheiten beginnt bei Säuglingen bereits im zweiten Lebensmonat. Lebenslang sollten Eltern und Kinderarzt, später dann Patient und Hausarzt, darauf achten, dass der Impfschutz ausreicht. Impfungen schützen vor allem die Menschen, deren Immunsystem am wenigsten mit Infektionskrankheiten umgehen kann: Kleinkinder, Immungeschwächte und alte Menschen.
Mumps
Wer in Gesundheitsberufen, in Gemeinschaftseinrichtungen oder in Ausbildungseinrichtungen für junge Erwachsene arbeitet, nach 1970 geboren ist und nicht weiß, ob er gegen Mumps geimpft wurde oder nur einmal in der Kindheit geimpft worden ist, der sollte noch einmal geimpft werden. Außerdem jeder, der mit einem Mumpskranken Kontakt hatte und nicht oder nur einmal in der Kindheit geimpft wurde. Dann sollte es schnell gehen: Drei Tage nach dem Kontakt wäre eine Impfung wünschenswert.
Hirnhautentzündung
Zum Schutz vor einer sogenannten Meningitis wird gegen Meningokokken C-Bakterien geimpft. Dafür gibt es im zweiten Lebensjahr einmal eine Impfdosis. Fehlt diese, sollte sie bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden.

Die Stiko empfiehlt außerdem, einen sogenannten viervalenten Impfstoff gegen bestimmte Meningokokken-Stämme (Typen A, C, W-135 und Y) bei Risikopatienten und Reisenden in Länder mit besonders hohem Infektionsrisiko anzuwenden. Der Impfstoff wird jetzt auch für Kinder ab einem Jahr empfohlen.
Windpocken
Auslöser der Windpocken sind Varizellen. Gegen sie gibt es zwischen dem elften und 14. Lebensmonat eine Impfung, entweder gemeinsam mit der Masern-Mumps-Röteln-Impfung oder frühestens vier Wochen danach.

Die Stiko empfiehlt, die gleichzeitige Impfung gegen Varizellen und Masern, Mumps und Röteln mit zwei verschiedenen Impfstoffen an verschiedenen Körperteilen vorzunehmen. Verwendet man einen Impfstoff, der alle vier Komponenten auf einmal enthält, steigt nämlich das Risiko für Fieberkrämpfe fünf bis zwölf Tage nach der Gabe leicht an.

Die Vorsichtsmaßnahme gilt aber nur für die erste Impfung, bei der zweiten im Alter von 15 bis 23 Monaten kann der Vierfachwirkstoff verwendet werden.

Sind Kinder oder Jugendliche nur einmal geimpft worden, sollten sie noch einmal geimpft werden.
FSME
Für die Menschen, die wegen beruflicher Risiken gegen Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) geimpft werden sollten, ist 2012 ein neues Risikogebiet hinzugekommen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland.
Nachholimpfungen
Erwachsene sollten nachgeimpft werden, wenn ihr Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten oder Kinderlähmung nicht ausreicht. Muss sowieso gegen Tetanus geimpft werden, etwa bei einer Verletzung, sollte gleich der Kombinationsimpfstoff gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten verwendet werden.

Wer nach 1970 geboren wurde und in der Kindheit nur einmal gegen Masern geimpft worden ist oder nicht mehr weiß, ob er geimpft wurde, der sollte noch einmal geimpft werden - am besten gegen Masern, Mumps und Röteln gleichzeitig.
Impfkalender
Den Stiko-Impfkalender gibt es jetzt in 15 Sprachen, die Dokumente sind beim Robert Koch-Institut abrufbar.

Quelle: Robert Koch-Institut (RKI) und Ständige Impfkommission beim RKI, Stand: 30. Juli 2012.