HPV-Impfung Schon eine Spritze könnte vor Gebärmutterhalskrebs schützen

Um Frauen vor Gebärmutterhalskrebs zu schützen, könnte eine Spritze genügen - statt zwei oder drei. Das würde nicht nur die Kosten senken, sondern auch einfache Impfprogramme in Entwicklungsländern ermöglichen.

HPV-Impfung: Am besten vor dem ersten Sex
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HPV-Impfung: Am besten vor dem ersten Sex


Es war eine der großen medizinischen Erkenntnisse des vergangenen Jahrzehnts: Humane Papillomaviren (HPV) können Gebärmutterhalskrebs auslösen und eine Impfung kann vor ihnen schützen - und damit auch vor dem Krebs. Jetzt zeichnet sich ab, dass für die Immunisierung wahrscheinlich deutlich weniger Aufwand notwendig ist als lange gedacht.

Laut einer aktuellen Analyse könnte schon eine Dosis des HPV-Impfstoffs ausreichen, um Frauen so gut wie mit zwei oder drei Dosen vor einer Infektion mit HPV 16 und HPV 18 zu bewahren. Die beiden Virustypen sind bei rund 70 Prozent der Fälle von Gebärmutterhalskrebs nachzuweisen. Ob die Impfung deshalb auch zu 70 Prozent vor Krebs schützt, ist allerdings noch unklar.

Als Basis dienten den Forschern um Aimée Kreimer vom U.S. National Cancer Institute die Daten von mehr als 24.000 Frauen, die an zwei früheren Studien teilgenommen hatten. Ein Großteil von ihnen (etwas mehr als 22.000) hatte drei Dosen des HPV-Impfstoffs Cervarix erhalten, die anderen nur eine oder zwei. Nach im Schnitt vier Jahren waren zwischen 77 und 86 Prozent der Frauen vor einer Infektion mit den Viren geschützt - unabhängig von der Anzahl der Impfdosen.

Die Ergebnisse seien "sehr vielversprechend", schreibt Julia Brotherton, medizinische Direktorin des HPV-Impfprogramm-Registers in Australien, die nicht an der Studie beteiligt war. Zwar sei noch nicht klar, warum eine Dosis so stark wirken könnte wie drei. Vorstellbar sei aber, dass die virusähnlichen Partikel des Impfstoffs eine besonders starke Reaktion des Immunsystems hervorrufen.

Potenzial für Entwicklungsländer

Noch reichen die Daten nicht aus, um die Impfempfehlungen zu ändern, wie auch die Autoren im Fachmagazin "Lancet Oncology" schreiben. Sollten weitere Studien den Schutz der einzelnen Spritze über einen längeren Zeitraum bestätigen, könnten jedoch Frauen rund um den Globus profitieren.

Wer hat's bezahlt?
Neben dem U.S. National Cancer Institute war der Cervarix-Hersteller GlaxoSmithKline finanziell an der Studie beteiligt. Auch einer der Hauptautoren gehört dem Pharmakonzern an. Weitere Finanzierer waren die National Institutes of Health und das Gesundheitsministerium von Costa Rica.
Schätzungen zufolge sterben jedes Jahr weltweit mehr als 260.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, mehr als 80 Prozent der Erkrankten leben in schlecht entwickelten Regionen. Eine Impfung mit nur einer Dosis würde ihre Chance auf eine Immunisierung steigern. Dies liegt nicht allein an den niedrigeren Kosten. Auch lassen sich Impfprogramme mit nur einer notwendigen Spritze in Gegenden mit einer schlechten Infrastruktur deutlich einfacher durchführen.

Selbst in Industrienationen würde eine Reduzierung auf eine Spritze das Problem lösen, dass viele bei Impfungen mit mehreren Dosen nur die erste erhalten und die weiteren versäumen.

Nach ihrer Einführung wurde die HPV-Impfung noch mit drei Spritzen empfohlen. Mittlerweile sind viele Länder - darunter auch Deutschland - bereits auf eine Regelung mit zwei Spritzen umgestiegen. Hierzulande sollten Mädchen laut der Ständigen Impfkommission (Stiko) zweimal im Alter zwischen 9 und 14 Jahren geimpft werden, dazwischen sollte ein Abstand von sechs Monaten liegen. Schwere Nebenwirkungen sind bislang nicht bekannt.

Niedrigere Kosten: Impfung auch für Männer?

Sollte nur noch eine Spritze notwendig sein, würde das auch in Deutschland die Kosten für das Gesundheitssystem erheblich senken. Der Preis für eine Dosis des Impfstoffs liegt bei etwa 155 Euro.

Das könnte die Impfempfehlungen für Männer beeinflussen: Auch sie können infolge einer Infektion mit den sexuell übertragbaren Papillomaviren an Krebs erkranken, allerdings ist ihr Risiko deutlich geringer als das der Frauen. Aus diesem Grund, und da zumindest heterosexuelle Männer indirekt vom Schutz der Frauen profitieren, raten Gesundheitsökonomen aktuell von einem Impfprogramm für Männer ab. Geringere Kosten könnten das ändern.

Neben dem jetzt getesteten Impfstoff Cervarix von GlaxoSmithKline existiert noch ein zweiter HPV-Impfstoff: Gardasil von Merck & Co. Ob bei der Vakzine ebenfalls weniger Dosen für eine Immunisierung ausreichen könnten, ist noch unklar. Experten halten dies jedoch für möglich, da die Wirkung auch auf virusähnlichen Partikeln basiert. Aktuell werden in Deutschland bei Gardasil wie bei Cervarix zwei Dosen empfohlen.

irb/AP



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insgesamt 24 Beiträge
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Seite 1
icespot 10.06.2015
1. Oh Mann....
... leider bin ich nicht über den ersten Absatz hinaus gekommen. Wenn bei 70 von 100 mit Gebärmutterhalskrebs erkranken Frauen Viren nachgewiesen werden können bedeutet das: a) dass es keine Aussage darüber macht, wieviele Virenträgerinnen der Stämme 16 und 18 überhaupt Gebärmutterhalskrebs bekommen b) haben 30 von 100 erkrankten Krebs entwicklet OHNE Virenträgerin zu sein Was soll dann da die Aussage, dass es fraglich ist, ob die Impfung zu 70% vor Krebs schützt... Wenn die Impfung hilft, wird der prozentuale Anteil der Frauen die keine Viren und trotzdem Krebs haben ansteigen - zum Beispiel auf 50 von 100. Hilft dann nach der Logik des Autors die Impfung zu diesem Zeitpunkt dann also nur noch zu 50% vor Krebs? Hin und wieder würde mitdenken echt helfen um guten Journalismus zu machen... Sorry...
icespot 10.06.2015
2. Oh Mann....
... leider bin ich nicht über den ersten Absatz hinaus gekommen. Wenn bei 70 von 100 mit Gebärmutterhalskrebs erkranken Frauen Viren nachgewiesen werden können bedeutet das: a) dass es keine Aussage darüber macht, wieviele Virenträgerinnen der Stämme 16 und 18 überhaupt Gebärmutterhalskrebs bekommen b) haben 30 von 100 erkrankten Krebs entwicklet OHNE Virenträgerin zu sein Was soll dann da die Aussage, dass es fraglich ist, ob die Impfung zu 70% vor Krebs schützt... Wenn die Impfung hilft, wird der prozentuale Anteil der Frauen die keine Viren und trotzdem Krebs haben ansteigen - zum Beispiel auf 50 von 100. Hilft dann nach der Logik des Autors die Impfung zu diesem Zeitpunkt dann also nur noch zu 50% vor Krebs? Hin und wieder würde mitdenken echt helfen um guten Journalismus zu machen... Sorry... Und nur weil man es schon 2x aus dem vorherigen Artikel falsch abschreibt, wird es auch nicht besser.
smilesuomi 10.06.2015
3. naja...
Zitat von icespot... leider bin ich nicht über den ersten Absatz hinaus gekommen. Wenn bei 70 von 100 mit Gebärmutterhalskrebs erkranken Frauen Viren nachgewiesen werden können bedeutet das: a) dass es keine Aussage darüber macht, wieviele Virenträgerinnen der Stämme 16 und 18 überhaupt Gebärmutterhalskrebs bekommen b) haben 30 von 100 erkrankten Krebs entwicklet OHNE Virenträgerin zu sein Was soll dann da die Aussage, dass es fraglich ist, ob die Impfung zu 70% vor Krebs schützt... Wenn die Impfung hilft, wird der prozentuale Anteil der Frauen die keine Viren und trotzdem Krebs haben ansteigen - zum Beispiel auf 50 von 100. Hilft dann nach der Logik des Autors die Impfung zu diesem Zeitpunkt dann also nur noch zu 50% vor Krebs? Hin und wieder würde mitdenken echt helfen um guten Journalismus zu machen... Sorry...
...vielleicht sollten Sie sich selbst mal mit dem Thema beschäftigen. Bei nahezu allen Gebährmutterhalskrebsfällen hat man HPV feststellen können. Es gibt ca 10-15 Virensubtypen, die hier Krebs auslösen können. Studien zeigen, dass die Impfung wirkt, aber eben nicht zu 100 %, da eben nur Cervarix 2, bei Gardasil 4 Subtypen abgedeckt werden. Soviel dazu erstmal. Was Ihr Problem der Prozentangabe ist, weiß ich nicht. Wenn alle Frauen geimpft würden und die Wirkung bei 100% wäre, gäbe es eben 70% weniger HPV-Krebsfälle. Da beide Vorraussetzungen nie zu erreichen sind, wird diese Quote aller Wahrscheinlichkeit nicht erfüllt. Auch weiß man nicht ob es zu einer Verschiebung der Subtyp-Fälle gibt (andere Subtypen die Nische füllen) So what? Michael Weigand
myschkin77 10.06.2015
4.
Die Nicht-Impfung von Knaben mit einem Herdenschutz bei geimpften Frauen zu begründen, ist ein Witz. Dafür reichen die Impfquoten bei weitem nicht aus. Männer werden auch in den kommenden Jahrzehnten Überträger bleiben und sie werden unweigerlich ungeimpfte Frauen infizieren und selbst erkranken. Eine Impfung von Knaben könnte tausende von Zervixkarzinomen verhindern.
Reza Rosenbaum 10.06.2015
5. Ein Witz
Zitat von myschkin77Die Nicht-Impfung von Knaben mit einem Herdenschutz bei geimpften Frauen zu begründen, ist ein Witz. Dafür reichen die Impfquoten bei weitem nicht aus. Männer werden auch in den kommenden Jahrzehnten Überträger bleiben und sie werden unweigerlich ungeimpfte Frauen infizieren und selbst erkranken. Eine Impfung von Knaben könnte tausende von Zervixkarzinomen verhindern.
Das sehe ich genau so. Gerade weil man, wie Sie schon sagten, auch andersehrum argumentieren koennte, dass Frauen von einem Herdenschutz unter Maennern profitieren wuerden. Hier scheint die Abwaegung tatsaechlich hauptsaechlich auf Geiz zu beruhen - keine Impfung fuer Maenner, weil bei denen das Risiko, Krebs zu entwickeln geringer ist. Ein Schlag ins Gesicht aller Maenner, die tatsaechlich an HPV-assoziiertem Krebs erkranken. So ist die allgemeine Gesundheitsversorgung in Deutschland eine Farce - nur wenn es sich rechnet, wird man versorgt. Ist es zu teuer, wird man halt krank. Tolles System.
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