Hormonlieferant Schilddrüse Steuerzentrale für die Aktivität

Wenn die Schilddrüse den Körper mit Hormonen überflutet, gerät der Mensch aus dem Gleichgewicht: Hyperaktivität, Schweißausbrüche und Schlafmangel sind die Folgen. Doch Funktionsstörungen der Drüse im Hals sind gut zu behandeln.

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse: Wenige Minuten für die Diagnose
DPA

Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse: Wenige Minuten für die Diagnose


Das körpereigene Abwehrsystem kann eine Überfunktion der Schilddrüse auslösen. Sehr häufig ist in Deutschland auch ein lange bestehender Jodmangel. In beiden Fällen ist die Hormonstörung gut zu behandeln. Wichtig ist, eine Überfunktion möglichst frühzeitig zu erkennen, bevor sie bleibenden Schaden verursacht.

Morbus Basedow bei Jüngeren

Bei jüngeren Menschen zwischen 20 und 40 Jahren ist die Ursache für eine Überfunktion häufig die Basedowsche Erkrankung (Morbus Basedow), eine Autoimmunkrankheit. Dabei wird die Schilddrüse dazu angeregt, vermehrt Hormone zu produzieren. Frauen leiden fünfmal häufiger daran als Männer. Die Basedowsche Erkrankung macht rund 40 Prozent der Schilddrüsenüberfunktionen aus.

Heiße Knoten in der Schilddrüse

Insbesondere bei älteren Menschen sorgen dagegen sogenannte heiße Knoten in der Schilddrüse für die Überfunktion. Heiße Knoten nennen Ärzte diese meist gutartigen Geschwulste, weil sie viel Jod aufnehmen und sehr viele Hormone produzieren. Deshalb sehen sie in der Röntgenkontrolle der Schilddrüse mit Hilfe radioaktiv markierter Stoffe, der Szintigrafie, gelb bis rot aus. Die Störung kann einzelne Bereiche oder die ganze Schilddrüse von der Steuerung durch das Hormon TSH unempfindlich machen. Dieser von der Hirnanhangsdrüse freigesetzte Botenstoff soll eigentlich die Hormonproduktion in der Schilddrüse steuern. Ursache für heiße Knoten ist ein Jodmangel in jüngeren Jahren.

Jodmangel bei 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung

"Bei 20 bis 40 Prozent der Bevölkerung besteht nach wie vor ein geringer bis mäßiger Jodmangel", warnt Hormonexperte Markus Luster von der Universitätsklinik Ulm. Eine Studie von Medizinern der Unversitätsklinik Essen hat bereits 2011 ergeben, dass bei den meisten Patienten mit heißem Knoten der TSH-Wert noch normal ist. Studienautor Rainer Görges fordert deshalb, dass eine Szintigrafie nicht nur bei TSH-Werten unter dem Normalwert erfolgen sollte, sondern bereits dann, wenn der Wert grenzwertig ist.

Autoimmunkrankheit richtet sich gegen die Schilddrüse

Eine Überfunktion kann in seltenen Fällen auch durch die Hashimoto-Thyreoiditis entstehen, einer vom körpereigenen Abwehrsystem ausgelösten Entzündungskrankheit, bei der die Schilddrüse ausbrennt. Die Krankheit beginnt mit einer Überfunktion, bei der hormonspeichernde Zellen zerstört werden. Gehen auch die hormonproduzierenden Zellen zugrunde, kommt es zu einer Unterfunktion. "Weitere mögliche Ursachen für Überfunktionen können gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse oder eine überhöhte Einnahme von Schilddrüsenhormonen sein", so Bares.

Medikamente müssen lange eingenommen werden

Bei immunologischen Ursachen können Medikamente die Produktion der Schilddrüsenhormone unterdrücken. Auch das Abwehrsystem des Körpers kann beeinflusst werden. Betroffene sollten die Medikamente meist für eineinhalb Jahre oder gar noch länger einnehmen. "Dann haben Patienten mit einem Morbus Basedow eine 60-prozentige Chance, dass die Erkrankung vorübergehend oder über längere Zeit zur Ruhe kommt. Im Falle eines ein- oder mehrmaligen Rückfalls ist jedoch eine operative Behandlung oder eine Radiojodtherapie erforderlich", betont Roland Bares.

Radiojodtherapie: Mit Strahlen gegen die Hormonstörung

Bei einer Radiojodtherapie nimmt der Betroffene eine Kapsel mit radioaktivem Jod-131 ein. Aktive Schilddrüsenzellen in heißen Knoten nehmen besonders viel radioaktives Jod auf und werden durch die Strahlung zerstört. Autonome Knoten entfernt der Chirurg oder sie werden ebenfalls mit der Radiojodtherapie zerstört. Gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse können in den meisten Fällen operiert werden. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis können Medikamente nicht helfen. "Eine ursächliche Behandlung ist nicht möglich", so Markus Luster. Hier geht es darum, die Symptome wie zum Beispiel Herzrasen zu lindern.

Gerlinde Felix



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.