Hypnose in der Medizin: In Trance gegen Angst und Schmerz

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Eine magische Aura umgibt die Hypnose. Lange Zeit als reine Show verachtet, hat sie inzwischen einen echten Stellenwert in der Medizin. Ob beim Zahnarzt oder vor Operationen: Der Trancezustand lindert Schmerzen und reduziert Ängste.

Hypnose-Sitzung: Erfahrene Hypnotiseure nehmen Ängste und lindern Schmerzen Zur Großansicht
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Hypnose-Sitzung: Erfahrene Hypnotiseure nehmen Ängste und lindern Schmerzen

Bevor sie ein Narkosemittel ins Zahnfleisch spritzt und den Zahn zieht, spricht Zahnärztin Regine Bernhardt-Waage mit ruhiger Stimme auf ihren Patienten ein. "Ihre Atmung wird langsamer und gleichmäßig, jeder Atemzug etwas tiefer." Wenn die Patienten entspannt sind, führt sie sie mit ihren Worten an einen sicheren Ort, der nur in den Patientenköpfen existiert. Den sollen sie sich mit allen Sinnen vorstellen: das Rauschen des Meeres hören, das Salz in der Luft schmecken, den Wind auf der Haut spüren. Sie sagt ebenso sanft: "Wie von selbst öffnet sich Ihr Mund", und beginnt dann mit der Zahnbehandlung.

Bernhardt-Waage ist eine von mehreren tausend Zahnärzten, die ihren Patienten als Alternative zu Narkosespritzen auch Hypnose anbietet. Vor allem Patienten, die krankhafte Angst vor Spritzen haben, aber auch solche, die bei der Untersuchung einen starken Würgereiz entwickeln, kommen gezielt zu ihr. Nach einer Behandlung unter Hypnose sind selbst Zahnarztphobiker gelassen.

Hypnose ist keine reine Zaubershow

Schon vor Jahrtausenden nutzten Menschen den beruhigenden und schmerzstillenden Effekt der Trance. Rund achtzig Prozent der Menschen empfinden in diesem Zustand kaum Schmerzen, zehn Prozent sind dann sogar schmerzfrei. Seit 2006 ist die Hypnotherapie wissenschaftlich anerkannt. Doch noch immer hängt ihr etwas Mysteriöses an. Tatsache ist, dass Hypnose nicht nur eine Showeinlage von Täuschungskünstlern wie David Copperfield ist, sondern in der modernen Medizin zunehmend Fuß fasst - weil sie wirkt.

"Von allen Narkosemethoden ist die Hypnose die verträglichste und ungefährlichste, wenn der Patient mitarbeitet", sagt Klaus-Peter Gerbatsch, der als Chirurg am Kreiskrankenhaus Stollberg im Erzgebirge operiert - und hypnotisiert. Im Grunde könne man das Verfahren bei vielen operativen Eingriffen anwenden. Weil es allerdings oft Vorbehalte dagegen gebe, biete er sie nur bei kleineren Eingriffen, etwa an Armen oder Beinen an, aber auch mal bei Rippen- oder Leistenbruch-OPs.

Viele Menschen scheuen eine Hypnotherapie, aus Angst dem Therapeuten willenlos ausgeliefert zu sein. "Dabei funktioniert die Behandlung nur, wenn der Patient mitmacht und mitdenkt", erklärt Gerbatsch. Die Patienten würden entgegen der häufigen Annahme nicht einschlafen. Tatsächlich sind sie "zu jeder Zeit bei vollem Bewusstsein, jedoch in ihrer Aufmerksamkeit eingeengt", erklären die Psychologen Franz Petermann und Dieter Vaitl in ihrem "Handbuch der Entspannungsverfahren".

Eine monotone Sprachformel oder der statische Blick auf den Zeigefinder des Therapeuten lässt die Patienten in die Trance abgleiten. "Wir begeben uns jeden Tag in diesen Zustand, etwa wenn wir einen spannenden Roman lesen oder uns voll und ganz auf unsere Arbeit konzentrieren", erklärt Gerbatsch.

Bei Operationen kann er dank dieses Phänomens deutlich weniger Narkosemittel einsetzen - oder es komplett weglassen. "Vor allem bei Kindern kann das so manches Trauma durch schmerzhafte Spritzen verhindern", meint der Chirurg.

Eine aktuelle, Studie bestärkt Gerbatschs Einschätzung, wie hilfreich Hypnose in der Chirurgie sein kann. Darin analysieren Jenaer Forscher mehr als 80 Studien über hypnotherapeutische Anwendungen bei Operationen. Die Methode verringert das Stressempfinden und fördert sogar die Genesung nach einer Operation. Aber auch bei schmerzhaften Behandlungen etwa von Brandwunden oder unangenehmen Untersuchungen wie einer Darmspiegelung senkten die hypnotherapeutischen Maßnahmen den Stress und dämpften Schmerzen, was wiederum das Immunsystem positiv beeinflusst.

Hypnose auch bei Krebspatienten

Peter Karl ist Facharzt für Strahlentherapie und behandelt am Klinikum Barnim in Eberswalde Krebspatienten. Ihre Schmerzen, die Nebenwirkungen der Behandlung, ihr seelisches Leid bekämpft der Mediziner auch mit Hypnose.

Begonnen hat er als Strahlentherapeut an einem Uni-Klinikum. "Nach einer Weile habe ich mich nach Behandlungsmethoden umgesehen, die sich mehr der Psyche des Menschen zuwenden", sagt Wirth. Über Autogenes Training, Yoga und Qi Gong kam er zur Hypnose. Anfangs konnte er seine Erfolge selbst nicht glauben, hat alle Sitzungen mit Patienten auf Videoband aufgezeichnet - zum Beweis.

Unvergesslich bleibt für ihn die Sitzung mit einer Ingenieurin, die durch die Chemotherapie unter starker Übelkeit litt. In der Hypnose suggerierte Wirth ihr, dass zwischen Magen und Gehirn eine Leitung liege, durch die die Übelkeit ströme. An der Leitung gebe es ein Ventil, das nun fest zugedreht würde. Mit Erfolg: Das Leid war zum Ende der Sitzung verflogen. "Eine theoretische Erklärung habe ich dafür nicht", sagt er, "Viel wichtiger ist doch: Es funktioniert."

Lesen Sie mehr über psychologische Hilfe: Kampf dem Stress +++ Vier Wege aus der Nikotinsucht +++ Wie die Angst vor dem Zahnarzt schwindet

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Tatsache !
katerramus 09.06.2013
Zitat von sysopDPAEine magische Aura umgibt die Hypnose. Lange Zeit als reine Show verachtet, hat sie inzwischen einen echten Stellenwert in der Medizin. Ob beim Zahnarzt oder vor Operationen: Der Trancezustand lindert Schmerzen und reduziert Ängste. http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hypnose-in-der-medizin-angst-und-schmerzen-nehmen-beim-zahnarzt-a-902824.html
Das beste daran ist, dass nicht nur bei akuten Fällen die Suggestion einmalig wirken kann, sondern dass ein Hypnotherapeut dem Patienten helfen kann, jederzeit durch Autosuggestion in einen entspannten Zustand zu kommen und keine Schmerzen zu spüren. Damit dadurch keine Gefahr für den Patienten entsteht, muß das allerdings eingeschränkt werden auf Entspannung bei medizinischen Maßnahmen und im häuslichen Umfeld (Couch, Bett etc.) - sonst besteht die Gefahr, dass dieser wunderschöne Zustand zur Abwehr von Zipperlein während der Autofahrt genutzt wird ;)
2. Wahrnehmung
Thorst 09.06.2013
Im Endeffekt landet jedlicher Input im Gehirn und wird dort verarbeitet. Schmerzen, Übelkeit, Ängste usw. Aus diesem Grund scheint es nur logisch, dass eine Manipulation der Wahnehmung/des Gehirns auch entsprechende Erfolge hat. Das kann viel Positives bewirken (Überwindung von Ängsten, etc pp), andererseits sollte man stets vorsichtig sein, wenn man seine eigene Wahrnehmung manipuliert. Wenn ich ständige Schmerzen/Stress/Angstzustände habe, dann sind dies Warnsignale von meinem Körper. Nicht immer sollte man diese einfach weg-hypnotisieren, denn damit verhindere ich nur, dass das Signal verarbeitet wird. Nicht aber, dass es wirklich aus/weg ist.
3. Nicht immer
guayaquil 09.06.2013
Einer unserer Söhne hatte als Kind panische Angst vor dem Zahnarzt. Wir probierten es auch mit Hypnose. In der Praxis des Hypnotiseurs funktionierte es ausgezeichnet, in der Praxis des Zahnarztes behielt die Panik im Gehirn die Oberhand und der Junge machte den Mund nicht auf. Als er irgendwann mal eine kleine Freundin hatte, nahmen wir für ihn überraschend diese zu einem Zahnarztbesuch mit, und siehe da, nun mußte er notgedrungen den Macho spielen und öffnete seinen Schnabel und der Zahnarzt konnte ihn endlich nach vielen Jahren behandeln.
4. Das Beste was jeder Mensch machen könnte, wenn er wüsste wie vorteilhaft es ist
Roßtäuscher 09.06.2013
Dialoge mit seinem Unterbewusstsein führen. Mit Konzentration kann man im Trancezustand sogar seinen eigenen Körper heilen. Der bekannte Autor von, "Angst darfst du haben, fürchten musst du dich nicht" Wolf Riedel und Stefan Eser, ist ein interessanter Einstieg. Der bekannteste Autor und so etwas wie der Guru der Selbsthypnose, ist Kurt Tepperwein/Liechtenstein mit seinen Veröffentlichungen: https://portal.dnb.de/opac.htm?query=Woe%3D11809369X&method=simpleSearch Bekannt sind auch die Bücher von Dr. Joseph Murphy/USA. Die Angst vor dem Zahnarzt kann so fürchterlich sein, dass Menschen lieber ihre Zähne verlieren durch Karies, als sich behandeln zu lassen. Es gibt die Methode Lachgas. Das Verträglichste ist sicher die Hypnose, die übrigens Wolf Riedel auch in OPs praktizierte, wenn Patienten nicht narkotisiert werden konnten, z.B. durch Herz-, Kreislaufschwächen. Außerdem ist sehr empfehlenswert, wen es interessiert, das Lehrbuch für Physiotherapeuten und Ärzte *HYPNOSE* von Dr. Hans-Christian Kossak. Ein Wälzer, so umfangreich wie die Pschyrembel, bekannt als das klinische Wörterbuch. Es ist schade, dass diese grandiose Methode so wenig Beachtung und Anwendung findet, weil sie als esoterisches Zeug belacht und verspottet wird. Ich persönlich möchte meine Erkenntnisse nicht missen. Hypnose in der Medizin: Angst und Schmerzen nehmen beim Zahnarzt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/hypnose-in-der-medizin-angst-und-schmerzen-nehmen-beim-zahnarzt-a-902824.html)
5. 100%
Hypnose 09.06.2013
Ich stimme 100% zu, Hypnose, bzw. Selbsthypnose ist der Schlüssel zum Erfolg und Gesundheit. Wer sich einmal mit dem Master Key System | Superlearning intensiv auseinander gesetzt hat, wird voller Zufriedenheit, Gesundheit und Vermögen mir zustimmen! Als Hörversion nur zu empfehlen!
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Zur Autorin
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    Jana Hauschild ist Psychologin und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.
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